Porträt  Sein Zielwasser heißt „Söpke ohne Schnaps“

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 10.06.2022 12:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hilbert Bruins hat sich nach 23 Jahren als Vorsitzender des Schützenvereins Weener verabschiedet und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Foto: Privat
Hilbert Bruins hat sich nach 23 Jahren als Vorsitzender des Schützenvereins Weener verabschiedet und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Foto: Privat
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Hilbert Bruins ist begeisterter Schütze. Seit 1995 wurde der Niederländer sechsmal Schützenkönig. Um beim Schießen und all den Feiern einen klaren Kopf zu behalten, setzt er auf ein besonderes Rezept.

Weener - Sechsmal war Hilbert Bruins schon Schützenkönig von Weener. Da muss man ganz schön trinkfest sein, könnte man meinen. Doch der 74-Jährige hat eine Strategie entwickelt, um in Zeiten seiner Regentschaft die zahllosen Schützenfeste gut zu überstehen. „Ich habe eine Kornflasche gehabt, in der nur Wasser drin war“, lacht der gebürtige Niederländer, der schon vor 53 Jahren aus Liebesgründen nach Weener gekommen ist.

Was und warum

Darum geht es: Hilbert Bruins kommt aus den Niederlanden. Eine typisch deutsche Tradition hat es ihm angetan.

Vor allem interessant für: alle, die sich für Menschen und Traditionen interessieren

Deshalb berichten wir: Der Niederländer Hilbert Bruins war schon sechsmal Schützenkönig in Weener und wurde kürzlich zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Als junger Mann hatte er noch ein anderes Hobby. „Ich habe in Neuschanz in einer Blaskapelle Trompete und Posaune gespielt“, erzählt er. Gearbeitet habe er damals als Herrenschneider. „Mit meinem Moped, das ich mir damals zusammengespart hatte, habe ich eine Spritztour nach Weener unternommen“, erinnert er sich. Zufällig sei gerade Schützenfest in Weener gewesen. Dort habe er damals seine inzwischen verstorbene Frau Agnes kennengelernt. „Ich habe sie zum Tanzen aufgefordert und es hat gleich zwischen uns gefunkt. So bin ich hier in Weener gelandet.“

Hilbert Bruins und seine Frau Barbara Bruins-Anders wurden für ihre Verdienste für den Verein ausgezeichnet. Archivfoto: Wolters
Hilbert Bruins und seine Frau Barbara Bruins-Anders wurden für ihre Verdienste für den Verein ausgezeichnet. Archivfoto: Wolters

Übung macht den Meister

Durch Bekannte habe er 1969 erstmals am Pokalschießen des Schützenvereins teilgenommen – mit mäßigem Erfolg. Die Worte des damaligen Schießwarts hat Bruins heute noch im Ohr: „Du wirst nie ein guter Schütze, hat er gesagt.“ Doch damit lag er offenbar falsch. „Übung macht den Meister“, schmunzelt Bruins. 1995 wurde er zum ersten Mal Schützenkönig. Ein unvergessliches Erlebnis für den 74-Jährigen. „Das erste Mal war am schönsten. Ich habe um 3.30 Uhr immer noch auf dem Thron gesessen und um 7 Uhr ging es schon wieder los zum Wecken.“

Die Schützenfeste des Schützenvereins Weener waren von Mitgliedern und Abordnungen befreundeter Vereine immer gut besucht. Foto: OZ-Archiv
Die Schützenfeste des Schützenvereins Weener waren von Mitgliedern und Abordnungen befreundeter Vereine immer gut besucht. Foto: OZ-Archiv

Als anstrengend habe er die Schützenfeste nie empfunden – auch wenn er in der Saison mitunter jedes Wochenende unterwegs war. „Ich mag die Gemeinschaft und die Gespräche“, sagt Bruins, der wegen seiner geselligen und freundlichen Art geschätzt wird. Er ist in der Schützenszene in Ostfriesland beliebt und „bekannt wie ein bunter Hund“. 23 Jahre lang war er Vorsitzender und das Herz des Vereins. „Das Schützenwesen ist mein Leben.“

Mit dem Schießen ist es vorbei

Mit der Leidenschaft wie in jüngeren Jahren kann er seinem Hobby inzwischen nicht mehr nachgehen. „Schießen kann ich nicht mehr. Mein Rücken ist kaputt und ich habe Herzprobleme. An manchen Tagen kann ich nur kurz das Bett verlassen“, sagt Bruins, der nach seinem Job als Herrenschneider auf dem Bauhof der Stadt Weener beschäftigt war. Seine zweite Frau Barbara Bruins-Anders, die er ebenfalls im Schützenverein kennengelernt hat, hat den Vorsitz von ihrem Mann übernommen, der als Ehrenvorsitzender immer noch dazugehört. Er lässt es sich nicht nehmen, mittwochs beim Training dabei zu sein. „Wenn es die Gesundheit zulässt, übernehme ich die Auswertung.“

Nach der langen Coronapause haben die beiden die ersten Schützenfeste richtig genossen. Doch es werden immer weniger. „Viele Vereine sind zu Saalveranstaltungen übergegangen. Sie können die gestiegenen Kosten für Zelte und Strom nicht mehr stemmen“, sagt Barbara Bruins-Anders. Ihr Mann befürchtet, dass viele kleine Vereine nicht überleben werden. „Das wäre schade. Schützenvereine sind ein Stück Tradition.“

Der Schützenverein Weener, der laut Bruins schon seit 400 Jahren existiert, hat daher schon vor Jahren die Weichen für die Zukunft gestellt und eine Bogensportabteilung ins Leben gerufen, um neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen. Das Durchschnittsalter in den Vereinen sei hoch. Jugendliche zu gewinnen, sei schwieriger als früher. „Es gibt heute viel mehr Freizeitmöglichkeiten und die Schule nimmt viel Zeit in Anspruch“, so Bruins. Andererseits könnten Kinder und Jugendliche vom Schießsport profitieren. „Man lernt dabei, sich zu konzentrieren“, sagt Barbara Bruins-Anders. Die Corona-Zeit habe die Bemühungen zusätzlich erschwert. „Aktuell haben wir etwa 60 Mitglieder. Zu unseren Hochzeiten waren es mal doppelt so viele. „Mit Flyern in allen möglichen Sprachen will der Verein jetzt neu Zugezogene aus anderen Ländern auf seine Angebote aufmerksam machen. „Bei uns ist jeder willkommen.“

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