Tag des Wasserstoffs  In Emden soll Region für Fortschritt begeistert werden

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 10.06.2022 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Aufschrift „Wasserstoff echt nordisch“ steht auf einem Wasserstoffbus, der im Kreis Nordfriesland eingesetzt wird. Der Landkreis Friesland will den Öffentlichen Personennahverkehr klimafreundlicher gestalten und künftig fünf Wasserstoffbusse einsetzen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/DPA
Die Aufschrift „Wasserstoff echt nordisch“ steht auf einem Wasserstoffbus, der im Kreis Nordfriesland eingesetzt wird. Der Landkreis Friesland will den Öffentlichen Personennahverkehr klimafreundlicher gestalten und künftig fünf Wasserstoffbusse einsetzen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/DPA
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Wasserstoff gilt als Schlüssel zur Energiewende. Mittlerweile ist das Thema auch in Ostfriesland angekommen. In Emden soll es nun Bürgern nähergebracht werden.

Emden - Es geht um Geld. Viel Geld. Die einen wollen weit mehr als 100 Millionen Euro investieren, um in Ostfriesland am Ende mit dem neuen Stoff im Handel gut zu verdienen. Die anderen planen gar mit einer guten halben Milliarde Euro, um die Region zum Drehkreuz für das vielversprechende Gas auszubauen. H2, also Wasserstoff, elektrisiert seit geraumer Zeit die Wirtschaft in der Region. Nun soll das Thema auch die Verbraucher erreichen. Aus diesem Grund lädt die H2Nord, ein Unternehmenskonstrukt mit Emder Adresse, in den Emder Stadtgarten ein. Am 17. und 18. Juni sollen dort zwei Aktionstage lang die Vorzüge der Technik bürgernah präsentiert werden.

Was und warum

Darum geht es: Wasserstoff und den Versuch, die Technik gewinnbringend in den ostfriesischen Alltag zu bringen

Vor allem interessant für: Technik- und Fortschrittbegeisterte sowie Leute, die mehr über Wasserstoff wissen möchten

Deshalb berichten wir: In Emden sind in der nächsten Woche zwei öffentliche Aktionstage zum Thema Wasserstoff geplant.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Die Zeit drängt: Schon ab 2023 sollte in Emden der erste grüne Wasserstoff hergestellt und erstmals in Ostfriesland über eine Tankstelle auf die Straße kommen. Mit diesem Ziel haben sich seit 2021 mehrere Unternehmen zu H2Nord zusammengeschlossen. Dazu zählen die Brons-Gruppe, der Immobilien- und Mineralölkonzern SCORE und die Spedition Weets aus Emden, sowie die Leeraner Projektierer Terravent, die Stadtwerke Norden und die Reederei AG „Ems“.

Startschuss wurde verschoben

Wenn man so möchte, sind sie in Ostfriesland die Wasserstoff-Pioniere. Sie wollen aufbauen, was es bislang nicht gibt: eine regionale Wertschöpfungskette von der Herstellung über den Vertrieb bis zum Verbrauch. Eugen Firus, H2Nord-Vertriebsleiter, sagte bei der Vorstellung der Pläne: „Mit der Umsetzung der ersten Wasserstoff-Tankstellen in unserer Region lösen wir das Henne-Ei-Problem.“ Die Herausforderungen dafür sind aber offenbar größer als zunächst angenommen. Laut Unternehmens-Website wurde das Datum für den Startschuss revidiert und auf „Sommer 2024“ verschoben.

In Emden stellte die H2Nord im Mai 2021 sich und ihre Pläne erstmals öffentlich vor. Foto: J. Doden/Archiv
In Emden stellte die H2Nord im Mai 2021 sich und ihre Pläne erstmals öffentlich vor. Foto: J. Doden/Archiv

In der Hoffnung, dass sich der Pioniergeist rechnet, gehen die Gesellschafter erheblich in Vorleistung. Benötigt werden Produktionsstätten für die Elektrolyse und jede Menge grüne Energie, um diese Anlagen klimaschonend betreiben zu können. Angedacht sind Elektrolyseure nach Informationen dieser Redaktion in Emden, Großefehn und Norden. Wie weit diese Pläne gediehen sind und ob der beabsichtigte Bau eines Photovoltaik-Parks an der Knock rechtzeitig realisiert werden kann, war in dieser Woche von der H2Nord-Geschäftsführung nicht zu erfahren. Antworten solle es nächste Woche geben, hieß es stattdessen.

Etwas auskunftsfreudiger will man sich dagegen zu den Aktionstagen im Stadtgarten zeigen. Dort soll gezeigt werden, wie der als Schlüssel zur Energiewende geltende Wasserstoff im Alltag eingesetzt werden kann. Laut Eugen Firus sind unter anderen Probefahrten mit einem Brennstoff-Bus geplant. Dazu sollen Hersteller zeigen, wie mit H2 auch kleinere Fahrzeuge angetrieben werden. Die Öffnungszeiten der Aktionstage sind jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Was ist Wasserstoff?

Das farblose Gas ist in chemischen Verbindungen wie Wasser, Säuren und Kohlenwasserstoffen gebunden. Um Wasserstoff zu gewinnen, wird Wasser (H2O) in Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H2) aufgespalten. Dafür braucht es Energie. Wird dafür elektrischer Strom genutzt, spricht man von Elektrolyse.

Wasserstoff kann vielseitig eingesetzt werden – etwa in Brennstoffzellen zur Erzeugung von Strom und Wärme oder in energieintensiven Industrieprozessen.

Je nach Art der Wasserstoff-Erzeugung wird von grünem, blauem, türkisem oder grauem Wasserstoff gesprochen. Von höchster Bedeutung für die Energiewende und den Kampf gegen den Klimawandel ist grüner Wasserstoff.

Als grün gilt er, wenn bei der Elektrolyse zur Abspaltung der H2-Moleküle Ökostrom verwendet wird. Das Gas wird mit Hilfe von erneuerbarer Energie beispielsweise durch Wind oder Sonne gewonnen. Die Umwandlung wird auch als Power-to-Gas-Verfahren bezeichnet (siehe dazu auch Glossar).

Grauer Wasserstoff wird aus fossilen Energieträgern wie Erdgas gewonnen. In der Industrie ist das Verfahren weit verbreitet. Unter Hitze entstehen H2 und das klimaschädliche Treibhausgas CO2. Wird das CO2 ungenutzt in die Atmosphäre ausgestoßen, heizt es die Erderwärmung an.

Zu blauem Wasserstoff wird das Gas, wenn das freiwerdende CO2 nicht in der Atmosphäre landet, sondern aufgefangen, weiterverwendet oder gespeichert wird (Carbon Capture and Storage, kurz CCS). Das Verpressen von Kohlendioxid in unterirdischen Lagerstätten gilt als klimaneutral.

Fehlt noch türkis: Dieser Wasserstoff wird durch die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) gewonnen. Dabei entsteht neben H2 fester Kohlenstoff. Wenn bei der Herstellung auf erneuerbare Energie gesetzt und der Kohlenstoff dauerhaft gebunden wird, gilt auch dieses Verfahren als CO2-neutral.

Die Schwächen: Um Wasserstoff herzustellen, braucht es Energie. Und Energie ist teuer. Strom aus umweltfreundlichen erneuerbaren Quellen ist bei den jetzigen Preisen im Vergleich zu fossilen Brenn- und Kraftstoffen kaum konkurrenzfähig.

Ungelöst ist auch die Herausforderung des Energiebedarfs und die begrenzte Verfügbarkeit von Ökostrom. Während sich in Gebäuden, bei elektronischen Geräten oder in der Industrie der Verbrauch durch Innovationen im einzelnen senken lassen, steigt parallel der Bedarf durch Masse. Die Digitalisierung und die E-Mobilität heizen die Nachfrage nach Energie an.

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