Für die Ehre Vielleicht Popcorn dazu?
Samstags geht es in unserer Kolumne ums Ehrenamt. Diesmal ärgert sich unser Kolumnist über eine besondere Form des Gaffens.
Ein Haus brennt nieder, und die Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen, an dem Gebäude zu halten, was geht. Unzählige Atemschutzgeräteträger eilen mit Axt und Strahlrohr an den Brandherd. Immer wieder Blicke auf die linke Seite der Straße. Eine neue Form des Heimkinos konnte dort entdeckt werden. Stühle in zwei Reihen, Menschen auf dem Rasen sitzend, Getränke und kleine Snacks wurde dort rumgereicht. Die Feuerwehr und das Brandobjekt im Fokus. Schon ein bisschen zum Schmunzeln, aber in welcher Kultur sind wir angekommen?! Die einen sind am Boden zerstört, weil das Haus niederbrennt, andere versuchen zu retten, was zu retten geht, während der Schweiß aus ihrer schweren Einsatzbekleidung läuft, und diese moderne Form der Gaffer macht ein Fest. Man hatte den Eindruck, dass nur noch Popcorn gefehlt hat.
Zur Person
Manuel Goldenstein (41), geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet eigentlich als Pfleger im Klinikum Emden. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Er ist Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Aurich und Sprecher des Arbeitskreises Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrverbands Ostfriesland.
Es ist nicht verboten zu gucken, und es liegt in der Natur des Menschen, außergewöhnliche Dinge zu beobachten und neugierig zu sein. Das ist allerdings in dieser Form nach meiner Meinung, und auch der einiger anderer Einsatzkräfte, sehr verwerflich. Eine „Gaffer-Party“ in dieser Form habe ich so noch nicht erlebt. Wird die Feuerwehr von solchen Partygaffern dann als Unterhaltungsmedium genutzt? Und zählen wir dann als Schauspieler? Es fehlte nur noch, dass die Helfer angefeuert wurden.
Ein Gefühl von Fremdschämen und Unwohlsein durch die Blicke kam auf. Wie müssen sich nur die Betroffenen gefühlt haben? Wenn Menschen am Straßenrand stehen und zusehen bei Unglücksfällen, ist es anders als das nun Erlebte. Eine krasse Steigerung. Unwürdig den Feuerwehren und anderen Beteiligten gegenüber. Ist es ein Zerfall der Werte unserer Gesellschaft? Es sind nur wenige, die sich so aufführen, ihre unüberlegten Handlungen sitzen jedoch tief, aber an unserer Ehre geben sie nur kurz eine kleine Beule. Stärke in unserer Gruppe als Ehrenamtliche ist das, was unsere Werte unter anderem ausmacht. Mit dieser Stärke fragen wir dann nun mal stumpf: „Popcorn dazu?“.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Mitnanne proten
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