München  Was ist von den neuen Gesichtern der DFB-Elf zu erwarten?

Susanne Fetter
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Von Susanne Fetter
| 08.06.2022 18:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jamal Musiala (Mitte) und Jonas Hofmann (2. von links) beim Länderspiel gegen England. Foto: imago images/Jan Huebner
Jamal Musiala (Mitte) und Jonas Hofmann (2. von links) beim Länderspiel gegen England. Foto: imago images/Jan Huebner
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Beim Länderspiel gegen England am Dienstagabend hat sich wieder einmal gezeigt: In der DFB-Elf gibt es neben festen Größen auch einige neue Gesichter, die zukünftig eine tragende Rolle spielen könnten. Was ist von den jungen Talenten zu erwarten?

Wäre es ein „normales“ WM-Jahr, wäre so manches private TV-Studio längst aufgebaut, Grillgut und Getränke bereits in vielen Kellern und die Vorfreude groß auf einen tollen Fußball-Sommer. Dann würde das Turnier an diesem Freitag starten. Diesmal aber wird der Weltmeister in Katar erst kurz vor Weihnachten ermittelt, und so hat die von vielen oft eher abschätzig behandelte Nations League die Aufmerksamkeit der Spieler, Trainer, Fans und Experten. Denn auch hier gibt es so manches gute Duell, das dazu dient, sich warm zu spielen für das Turnier im Winter.

Auf zwei große Namen traf die DFB-Auswahl mit England und Italien hier schon. Nimmt man die Partie gegen die Niederlande dazu, gab es in den letzten Spielen gleich drei Gradmesser. Beinahe etwas kurios endeten alle Partien 1:1.

Dreimal Unentschieden. Dreimal unbezwungen, aber auch dreimal ohne Sieg. Und was sagt das nun aus über den Zustand der Mannschaft auf dem Weg nach Katar? Zahlentechnisch wenig. Inhaltlich eine ganze Menge. Denn die wichtigste Erkenntnis lautet: Die DFB-Auswahl hat zwar noch einige Baustellen, aber auch einige feste Größen, wie Joshua Kimmich, Thomas Müller und nicht zuletzt Manuel Neuer, der mit mehreren Paraden glänzte. „Weltklasse“, nannte nicht nur Flick seine Vorstellung. Dazu kommen neue Gesichter, die Frische und Flexibilität mitbringen. Vier davon haben wir uns genauer angesehen.

Seit letztem Winter ziert der Schriftzug „Living a dream“ den Oberkörper des 24-Jährigen von der TSG Hoffenheim. Er lebt ihn gerade wirklich: seinen Traum. Wie wertvoll er für die Nationalmannschaft sein kann, belegte er gegen England auf der linken Außenbahn. „Er hat gezeigt, dass er die Seite ganz gut bespielen kann“, wertete Flick. Präzise Flanken, schnelle Läufe, eine gute Übersicht. Raum gibt nicht nur einen guten Linksverteidiger im von Flick präferierten 4-2-3-1, sondern lässt dem Bundestrainer auch die Option offen, in Katar mit einer Dreierkette zu überraschen.

Schaffe er es zur WM, so kündigte Raum bereits an, werde es ein neues Tattoo geben. Den Termin kann er langsam schon mal buchen.

Beim 1:1 in Italien leitete er als Rechtsverteidiger das Ausgleichstor von Joshua Kimmich ein. Gegen England schoss er als rechter Flügelstürmer selbst zur Führung ein. Zwei Positionen, ein Mann. Zentral kann der 24-Jährige auch noch ganz gut, wie er in Gladbach bewies. Und wo würde der Bundestrainer ihn gerne sehen? „Heute war er da schon ganz gut aufgehoben“, befand Flick über den Torschützen, der an vielen weiteren Offensivaktionen beteiligt war. „Er hat aber auch schon mehrfach bewiesen, dass er uns hinten rechts helfen kann.“ Noch eine Mehrzweckwaffe für Flick.

Wie alt ist der noch mal? Ja, er ist immer noch 19 Jahre alt. Und auch für Musiala gilt: Der Profi des FC Bayern fühlt sich gleich auf mehreren Positionen wohl. Gegen die Niederlande war er als defensiver Mittelfeldspieler „Man of the Match“. Gegen England glänzte er offensiv auf der linken Außenbahn, kam aber auch das ein oder andere Mal durch die Mitte. Wenn Musiala nach vorne lief, sah es stets so aus, als würde der Ball an seinem Fuß kleben. Seine Pässe in die Schnittstellen kamen präzise, zweimal hatte er die große Chance, seinen zweiten Treffer im 13. Länderspiel zu erzielen.

Einen „Stupid Contact“, nannte der Schiedsrichter die Aktion des 22-Jährigen, die zum Elfmeter führte, laut Mitspieler Hofmann. Frei übersetzt: Das war eine dämliche Aktion, mit der er Harry Kane, der den Elfmeter selbst verwandelte, zu Fall brachte. Es war nicht das erste Mal in seiner noch kurzen Nationalmannschaftskarriere. Doch im Gegensatz zu seinem ungestümen Foul beim 2:0 gegen Israel, als der Innenverteidiger ebenfalls einen Strafstoß verursachte, der aber ohne Folgen blieb, gab es diesmal keine Kritik von Flick.

Im Gegenteil. Der Bundestrainer schätzt Schlotterbecks selbstbewusste Art. Da dürfe man auch mal Fehler machen, sagt er. Stimmt. Wenn es nicht gleich so viele und gravierende sind wie gegen England, kann Schlotterbecks Temperament ein Gewinn für diese Mannschaft sein. Denn eine gewisse Portion Unbekümmertheit, das wissen wir nicht erst seit Lukas Podolski, tut einem WM-Team manchmal ganz gut.

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