Merkels Rückkehr  Merkel ist eine Politikerin aus einer anderen Zeit

Rena Lehmann
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Ein Kommentar von Rena Lehmann
| 08.06.2022 16:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Viele sagten, man werde Merkel noch vermissen. Es kam anders. Foto: Fabian Sommer/dpa
Viele sagten, man werde Merkel noch vermissen. Es kam anders. Foto: Fabian Sommer/dpa
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Ein halbes Jahr hatte Altkanzlerin Angela Merkel geschwiegen. Bei ihrem ersten größeren Auftritt blieb sie sich treu – im Guten wie im Schlechten.

Viele hatten ja behauptet, man werde Angela Merkel noch vermissen. Aber sie ist Geschichte, eine Politikerin aus einer anderen Zeit. Besonders deshalb, weil der Beginn des Ukraine-Kriegen einen Bruch markierte, die die Welt in eine Zeit davor und danach einteilt. Fast vergessen ist die Zeit, in der der allmonatliche Corona-Gipfel im Kanzleramt das Land in Atem hielt. Aber auch, weil Entscheidungen der früheren Kanzlerin plötzlich hinterfragt werden wie nie zuvor. Plötzlich scheinen für viele die Merkel-Jahre nicht mehr ganz so gut, Russlands Überfall nicht nur in den Augen des ukrainischen Botschafters Andrej Melnyk fast wie die logische Konsequenz auch ihrer Entscheidungen.

Sie selbst zeigte wenig Bereitschaft zur Selbstkritik. Schade eigentlich. Ihre Analyse, dass die jeweiligen Entscheidungen in den Umständen ihrer Entstehung zu sehen sind, mag ja stimmen. Hinterher ist man immer schlauer. Aber wenn sie sich über Putin tatsächlich nie falsche Illusionen machte, bleibt schon die Frage, warum sie das dann für sich behielt. Oder warum sie die Bundeswehr in „blankem“ Zustand übergab, wenn sie doch gewusst haben will, dass Putin nur militärische Stärke beeindruckt. Es hätte dem Ansehen der früheren Kanzlerin nicht geschadet, das eigene Tun in diesem Konflikt ausnahmsweise nicht als alternativlos darzustellen. Im Gegenteil.

Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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