Sylt  Bier und Champagner: So lief das 9-Euro-Wochenende auf Sylt

Lea Sarah Pischel
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Von Lea Sarah Pischel
| 06.06.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zahlreiche Tagesgäste kamen am Wochenende nach Sylt - unter ihnen auch viele Punks. Foto: Michael Staudt
Zahlreiche Tagesgäste kamen am Wochenende nach Sylt - unter ihnen auch viele Punks. Foto: Michael Staudt
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Das 9-Euro-Ticket und Sylt: Das neue Traumziel der Klassenkampf-Freunde haben am Pfingst-Wochenende zahlreiche Tagesgäste besucht. Unter ihnen auch viele Punks. Die großen „Chaostage“ blieben aber zunächst aus.

Viel wurde vorab gespottet und debattiert über Sylt als neuen Lieblingsort von 9-Euro-Urlaubern - den befürchteten Ausnahmezustand erlebte die Insel am Pfingstwochenende aber nicht. Und das, obwohl es das erste Pfingstwochenende nach zwei Jahren strenger Corona-Regeln war. Erwartet wurde, dass Punks die Insel stürmen - und sie kamen auch. Allerdings ohne große politische Aktionen und Chaos.

Die Polizei sprach am Montag von einer normalen Einsatzlage. „Aus polizeilicher Sicht war die Insel zwar voll, aber die Pfingstfeiertagsstimmung und Einsatzbelastung war keine andere als in den Jahren vor der Corona-Zeit“, teilte Sandra Otte, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg mit. Rund 22 Mal rückten die Beamten am Samstagabend sowie in der Nacht zum Sonntag aus: Unter anderem wegen Ruhestörungen, illegalem Campen und Aufenthalt in den Dünen, urinieren in der Fußgängerzone, Sachbeschädigungen und weiteren Delikten, die im Zusammenhang mit dem Alkohol standen.

Meist in Westerland, aber auch in Kampen, Hörnum und Wenningstedt. Bei Kontrollen waren laut Otte zudem 31 Menschen gestoppt worden, die unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen mit dem Auto, E-Roller oder Fahrrad unterwegs waren.

150 Punks waren mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt gefahren und hatten sich am Samstag rund um den Brunnen „Wilhelmine“ in Westerland zum Feiern und Bier trinken getroffen. Bereits Freitagabend waren einige Punks aus unter anderem Berlin, Hamburg und dem schleswig-holsteinischen Festland in Westerland angekommen. Einer von ihnen Punker Beety (30) aus Castrop-Rauxel: „Wir wollen nur feiern und Spaß haben“, sagt er auf Nachfrage. Es gehe ihnen lediglich darum, ein Zeichen auf Sylt zu setzen, für eine andere Subkultur, sagte ein anderer.

Während die einen mit Bier anstießen, prosteten sich die Pfingst-Gäste in Kampen eher mit Champagner vor dem Porsche zu: In der legendären Whiskymeile im Strönwai sowie in der Strandbar „Buhne 16“ starteten die Partys am Mittag. Zeitweise feierten bei Sonnenschein am Sonntag rund 2000 Menschen ausgelassen und friedlich am Strandabschnitt an der Buhne 16 in Kampen. Anders als an den vergangenen zwei Pfingsten, als die Strand-Zugänge in Kampen wegen zu vieler Feiernder gesperrt werden mussten, war in diesem Jahr alles offen geblieben.

„Für Pfingsten war das heute nichts Besonderes“, sagt Lars Lunk, Abteilungsleiter Strand beim Tourismusservice Kampen. „Die Stimmung war bislang trotzdem sehr gut, ausgelassen und friedlich, fast wie auf einem Festival, nur ohne Zwischenfälle.“ Am Abend ging es dann im Club Rotes Kliff sowie im Pony und Dorfkrug weiter: „Das war teilweise wie Silvester, viele warteten drauf, reingelassen zu werden. Schwerwiegende Vorkommnisse gab es aber auch da nicht“, so Lars Lunk.

Voll war es auch in der Friedrichstraße in Westerland: Bis Samstagmittag hatten sich vielerorts Feier-Grüppchen gebildet, es gab Musik aus Lautsprecherboxen, die Stimmung war trotz bedecktem Himmel gut. Vor allem die Westerländer Innenstadt kristallisierte sich zum 9-Euro-Touristen Hot-Spot heraus. An den Stränden der Insel tummelten sich am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel zahlreiche sonnenhungrige Tagesgäste. Einige Abgehärtete wagten auch den Sprung in die noch recht kühle Nordsee.

Auch in den Personen-Zügen auf die Insel sowie auf den Bahnhöfen auf der Marschbahnstrecke war es am Samstag und Sonntag zeitweise sehr voll, aber friedlich geblieben, sagte Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Flensburg am Montag. Vom Festland auf die Insel habe es demnach am Samstag eine Zugbelastung von 120 Prozent gegeben, das heißt keine Sitzplätze mehr. Am Sonntag und Montag waren die Züge dann mit rund 80 Prozent „normal voll“ für einen Tag im Juni.

Größere Einsätze habe es aber nicht gegeben, die anreisenden Touristen seien in „Partylaune“. Wegen übervoller Züge „einschreiten und vom Hausrecht Gebrauch machen“, um die Züge für weitere Fahrgäste abzuriegeln, mussten die Beamten am gesamten Pfingstwochenende bis Montagabend aber nicht. An den Pfingsttagen waren die Beamten mit verstärkter Präsenz und zusätzlichen Kräften an den Bahnhöfen unterwegs.

Auch mit dem Autozug sowie der Fähre reisten viele nach dem langen Wochenende am Montag zurück in ihre Heimatorte: Lange Wartezeiten oder Stau gab es rund um die Verladung zum Autozug aber nicht. „Die Abreise ist an Pfingsten entzerrt und zieht sich über mehrere Tage“, sagte Kay Becker, Sprecher des DB Syltshuttle auf Nachfrage. Bei der Sylt-Fähre, die zwischen Sylt und der dänischen Nachbarinsel Röm pendelt, waren am Montag einige Fahrten ausgebucht, aber über den Tag verteilt immer noch Plätze frei, wie Tim-Kunstmann, Geschäftsführer der FRS-Syltfähre, mitteilte.

Ob die sogenannten Chaostage auf Sylt noch kommen, bleibt weiter offen. Das 9-Euro-Ticket gilt bundesweit bis Ende August in allen Regionalzügen. Unter anderen die antikapitalistische Initiative „Aktion Sylt“ plant im Rahmen des Billigtickets über Telegram und Reddit ein großes Protest-Camp im August.

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