Kommentar zu „Arbeiterkind“ Die unerträgliche Undurchlässigkeit
Es ist gut, dass es Initiativen wie Arbeiterkind gibt. Es ist aber schlimm, dass es sie noch immer geben muss, findet Kommentator Claus Hock.
Emden/Ostfriesland - Jetzt wird es mal persönlich: Ich bin eines dieser Arbeiterkinder. Zwar gab es in der erweiterten Familie Menschen, die vor mir studiert haben, in meinem engen Bezugskreis aber nicht. Dennoch hatte ich Glück: Meine Eltern haben mich unterstützt, wo es nur ging. Dennoch hätte ich mir eine Initiative wie „Arbeiterkind“ an meiner Uni in meinen Studentenzeiten gewünscht.
Dass es solcher Initiativen überhaupt bedarf, ist und bleibt allerdings ein Armutszeugnis. Das Bildungsland Deutschland ist weiterhin groß darin, Bildung zu verhindern, da das familiäre Umfeld und die finanziellen Möglichkeiten der Eltern eine Rolle spielen, die kaum vom Bildungssystem ausgeglichen werden. Dadurch mangelt es an vielen Stellen, auch in der Berufswelt, weiterhin an einer Diversität der Lebensläufe. Damit verschenken wir ungeahnte Potenziale, weil wir zu viele mögliche Sicht- und Herangehensweise an Fragen, Probleme und Visionen überhaupt nicht beachten.
Und nein, das heißt nicht, dass jeder oder jede studieren soll. Das bedeutet nur, dass jedes Kind die möglichst gleichen Chancen haben sollte, die eigenen Fähigkeiten, Interessen und Begabungen zu entdecken und auszuleben. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.