Erinnerung an den Holocaust Emder Filmfest zeigt Dokumentation über Zeitzeugen
Leon Schwarzbaum hat lange geschwiegen. Erst im Alter entwickelte er die Kraft, an den Holocaust zu erinnern. Entstanden ist ein Film, der 2018 Premiere in Emden feierte und nun wieder zu sehen ist.
Emden - Leon Schwarzbaum gilt als einer der letzten Zeitzeugen des Holocausts. Mitte März dieses Jahres verstarb er im hohen Alter von 101 Jahren. Der gebürtige Hamburger hatte gleich mehrere Verbindungen nach Ostfriesland. Das Internationale Filmfest Emden-Norderney nimmt dies zum Anlass, um das Leben Leon Schwarzbaums mit einer Sondervorführung zu ehren.
Was und warum
Darum geht es: Das Internationale Filmfest Emden-Norderney zeigt in einer Sondervorführung den Film „Der letzte Jollyboy“.
Vor allem interessant für: Besucher des Filmfests sowie alle, die sich für die Aufarbeitung des Holocausts interessieren
Deshalb berichten wir: Leon Schwarzbaum hat eine besondere Verbindung zu Ostfriesland und insbesondere zum Filmfest Emden-Norderney. Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de
Was und warum
Darum geht es: Das Internationale Filmfest Emden-Norderney zeigt in einer Sondervorführung den Film „Der letzte Jollyboy“.
Vor allem interessant für: Besucher des Filmfests sowie alle, die sich für die Aufarbeitung des Holocausts interessieren
Deshalb berichten wir: Leon Schwarzbaum hat eine besondere Verbindung zu Ostfriesland und insbesondere zum Filmfest Emden-Norderney. Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de
Rund drei Jahre lang begleitete der ostfriesische Regisseur Hans-Erich Viet aus Heinitzpolder (Gemeinde Bunde) den Auschwitz-Überlebenden. Es entstand eine Dokumentation, die 2018 ihre Weltpremiere auf dem Filmfest Emden-Norderney feierte und dabei auch einen der begehrten Preise gewann. In einer Art Roadmovie erzählt „Der letzte Jollyboy“ die Geschichte von Schwarzbaum in nicht chronologischer Reihenfolge. Der Film ist ein Streifzug durch die deutsche und polnische Geschichte und durch die Gegenwart – mit einem Mann, der als Jugendlicher mit seiner „Boygroup“, den ‚Jolly Boys‘, amerikanischen Swing interpretierte. Schwarzbaum spricht in Hans-Erich Viets Dokumentarfilm mit Gefangenen im Gefängnis Zeithain und mit Markus Lanz.
Mehrere Konzentrationslager überlebt
Schwarzbaum wuchs in Bedzin, einer Kleinstadt in Oberschlesien auf. Nach seiner Zeit im polnischen Ghetto wurde er im August 1943 nach Auschwitz verschleppt und dort als Zwangsarbeiter eingesetzt. Er überlebte als Einziger in seiner Familie unter anderem die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Buchenwald und Haselhorst sowie die Todesmärsche von Auschwitz nach Gleiwitz und von Sachsenhausen nach Schwerin. Im letzten Auschwitz-Prozess gegen den ehemaligen SS-Mann Reinhold Hanning war Schwarzbaum einer der Zeugen und auch Nebenkläger.
„Es war für mich eine emotionale, sehr schwierige Zeit“, sagte der Protagonist im Anschluss an die Premiere. „Nachts, wenn ich schlafe, kommen die Bilder immer wieder hoch.“ Nackte Menschen, die auf Lastwagen zu den Vergasungsanlagen gebracht wurden, ein SS-Mann, der ein Mädchen an den Haaren hochzog und vor seinen Augen erschoss: All das seien Erinnerungen, die er noch vor Augen habe.
Unermüdliches Engagement
Filmemacher Hans-Erich Viet betonte bei der Premiere, wie wichtig dieses Projekt für ihn gewesen sei: „Er sieht sich in der Pflicht, zu reden. Ich sehe mich in der Pflicht, das festzuhalten.“ Kennengelernt hätten die beiden sich zufällig über Freunde. Mit der Zeit sei die Idee zum Film entstanden. „Ich hatte das Gefühl, mit dem Mann kann man etwas erleben“, sagte Viet seinerzeit im Gespräch mit unserer Zeitung.
Anlässlich des Besuchs von Leon Schwarzbaum in Emden lud die Stadt ihn ein, sich in das Goldene Buch einzutragen. Selbst im hohen Alter besuchte Schwarzbaum noch Schulen, um von seinen Erlebnissen zu berichten und sich für mehr Toleranz einzusetzen. Er berichtete von seinem Überleben im Ghetto, als Zwangsarbeiter und Häftling in den Konzentrations- beziehungsweise Vernichtungslagern Auschwitz und Sachsenhausen. Leon Schwarzbaum verstarb am 13. März 2022 in Potsdam.
„Der Dokumentarfilm wurde zu einem grandiosen Festivalerfolg“, schreibt das Filmfest in seiner Ankündigung zur erneuten Aufführung von „Der letzte Jollyboy“. Gezeigt wird der Film am 12. Juni um 15.31 Uhr im Cinestar-Kino sowie am 14. Juni um 19 Uhr im Forum der Volkshochschule.