Berlin Erdogan-Schmäh bis Fynn Kliemann: So hat sich Jan Böhmermann gewandelt
Mit seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ sorgt Jan Böhmermann für gute Einschaltquoten. Das könnte auch an seiner Wandlung liegen – von Schmähgedichten gegen ausländische Staatschefs hat sich der Moderator verabschiedet.
Seit 2013 ist Jan Böhmermann fest im Programm des ZDF verankert. Bis 2019 lief seine Late-Night-Show „Neo Magazin Royale“ im ZDFneo, einem Spartensender des ZDF. Im November 2020 wechselte Böhmermann mit der Nachfolgesendung „ZDF Magazin Royale“ ins Hauptprogramm. Nach 1,5 Jahren werden die Verantwortlichen eine positive Bilanz ziehen: Die Sendung hat gute Einschaltquoten und viele Zuschauer mögen Böhmermanns neuen Stil.
Denn das ZDF Magazin Royale ist keine Kopie des Neo Magazin Royale, das einfach ins Hauptprogramm gehoben wurde. Im Gegenteil, Böhmermanns neuer Stil ist weitaus seriöser als noch zuvor im ZDFneo. Was auffällt: Während im Neo Magazin Royale noch viel Comedy, Musik, Talk und Quatsch mit ein wenig journalistischen Beiträgen kombiniert wurde, sind die Sendungen jetzt überwiegend journalistisch-investigativ geprägt.
Das zeigt auch eine Recherche aus dem Mai, wo Böhmermann und sein Team Masken-Deals des Influencers Fynn Kliemann aufdeckten und eine riesige Debatte um die Geschäfte von Influencern auslösten. Die vielen Mitarbeiter in Böhmermanns Redaktion widmen sich also der investigativen Recherche.
Im Neo Magazin Royale hat Böhmermann zwar auch journalistisch gearbeitet und auf Missstände hingewiesen. Die Beiträge waren aber stets mit viel Comedy und Unterhaltung der Zuschauer verbunden, auch die großen Kontroversen.
An dieser Stelle sei unter anderem sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan aus dem März 2016 genannt, das sogar Auswirkungen auf die türkisch-deutschen Beziehungen hatte. Oder „#Varoufake“, als Böhmermann der Talkshow von Günther Jauch ein gefälschtes Video unterjubelte, in dem der griechischen Außenminister Yanis Varoufakis Deutschland den Mittelfinger zeigt.
Hohe Wellen hat außerdem „#verafake“ geschlagen, wo das Neo Magazin Royale Schauspieler als Kandidaten in die RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ von Vera Int-Veen einschleuste. Die Zuschauer bekamen so ein ziemlich klares Bild davon, wie RTL mit den Kandidaten der Sendung umgeht.
In den Beiträgen des ZDF Magazin Royale steht aber nicht mehr der Comedy-Aspekt, sondern eher die investigative Recherche im Vordergrund. Natürlich kann nicht jede Woche ein Skandal wie bei Kliemann oder große Recherche-Ergebnisse wie die mangelhafte Polizeiermittlungen bei Hasskriminalität im Netz präsentiert werden. Jedoch schafft es Böhmermann oft, viele vorhandene Erkenntnisse auf den Punkt gebracht zusammenzufassen und den Zuschauern einen Mehrwert zu bieten.
Über die Jahre haben Böhmermann und seine Sendung damit eine Wandlung durchgemacht – von der Comedy-Late-Night-Show im Spartenprogramm hin zu einem investigativen Journal im ZDF-Hauptprogramm. Böhmermann hat die Zeit mit Schmähgedichten und gefälschten Stinkefingern hinter sich gelassen und stürzt sich mit dem ZDF Magazin Royale rein in die investigative Welt.