Grüne Energie Ist Fernwärme in Wiesmoor machbar, Herr Nachbar?
Die Stadt Wiesmoor will mehr umweltfreundliche Energie nutzbar machen. Dabei soll vor allem das Biomassekraftwerk am südlichen Stadtrand helfen.
Wiesmoor - Seit Jahresanfang zieht sich die Suche nach Alternativen zu Öl und Gas als Energiequellen wie ein roter Faden durch die Arbeit von staatlichen und privaten Institutionen. Die Stadt Wiesmoor ist da keine Ausnahme. Dort arbeitet die Verwaltung gerade an einer Idee für eine besonders nachhaltige und umweltfreundliche Versorgung. Im Fokus steht dabei das Biomasse-Heizkraftwerk, das die Wiesmoorer Biomasse Energie GmbH (WBE) in der Ilexstraße betreibt.
Das Kraftwerk erzeugt Strom und Wärme durch die Verbrennung von tierischer und pflanzlicher Biomasse. Biomasse ist gegenüber Gas oder Öl CO₂-neutral, weil kein über Jahrtausende gebundener Kohlenstoff aus der Erde geholt und verfeuert wird. Hauptsächlich beliefert das Kraftwerk derzeit verschiedene Gartenbaubetriebe mit Wärme, über eine bereits bestehende Fernwärmeleitung werden außerdem Haushalte in der Azaleenstraße und der Fliederstraße sowie in der Rhododendronstraße versorgt. Ein Großteil der erzeugten Energie verpufft jedoch mangels Abnehmern noch als Abwärme.
SWB soll untersuchen, was möglich ist
Um das zu ändern, hat die Stadt jetzt bei den Stadtwerken Bremen (SWB) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. SWB soll herausfinden, wie viele Wiesmoorer mit CO2-neutraler Energie versorgt werden können und welche Quellen dafür zur Verfügung stehen. Eine erste Idee der Stadt dazu ist die Erweiterung der Fernwärmeleitungen vom Biomassekraftwerk nach Norden in die Stadtmitte hinein. Laut Fachbereichsleiter Hinrich Beekmann kann sich die Stadt einen Ausbau der Versorgungsbereiche in vier Stufen vorstellen: Der erste Bereich könnte vom Kraftwerk bis ins derzeit geplante Gewerbegebiet D11 etwa auf Höhe des Drosselwegs reichen. Der zweite Bereich ginge bis zu den bestehenden Gewerbebetrieben auf Höhe des Amselwegs. In einer dritten Ausbaustufe könnte das Netz bis an die Hauptstraße reichen, dabei wären Abzweigungen etwa zur Wiesmoor Gärtnerei denkbar. Im vierten Bereich schließlich könnte das Hallenbad mit Fernwärme versorgt werden. Laut Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) wäre dort auch ein Schwenk zur Kooperativen Gesamtschule (KGS) und zur Blumenhalle vorstellbar. „Dann wird die Leitung aber auch sehr lang und womöglich verlustreich“, gibt Beekmann zu bedenken.
Lübbers hofft schon im Interesse der Stadt, dass die Versorgungsgebiete möglichst groß ausfallen, da sich entlang der Strecke schon mehrere städtische Liegenschaften befinden, wie etwa der Kindergarten und die Grundschule in Hinrichsfehn. „Aber auch für die Gewerbebetriebe an der Oldenburger Straße dürfte die Fernwärmeversorgung interessant werden“, ist der Bürgermeister überzeugt. Dazu passt für ihn auch eine kürzliche Ansage des kommunalen Energieversorgers EWE. „Die EWE hat angekündigt, dass sie schon ab 2023 in Neubaugebieten keine Gas-Infrastruktur mehr verlegen will“, erklärt Lübbers. „Unser Umdenken in der Wärmeversorgung kommt insofern keinen Moment zu früh.“ Das spiegelten ihm derzeit auch die Wiesmoorer. „Wir bekommen seit Kriegsbeginn zunehmend Anfragen von Bürgern, die entlang der bestehenden Fernwärmeleitung wohnen, und wissen wollen, wie sie angeschlossen werden könnten“, sagt Lübbers. „Viele wollen allein schon der Preise wegen so schnell wie möglich aus dem Gas aussteigen.“
Wer könnte das Netz ausbauen?
Wer das Fernwärmenetz ausbaut und betreibt, müsste in einer späteren Ausschreibung geklärt werden. SWB wäre laut Lübbers ein denkbarer Partner, weil das Unternehmen in Bremen bereits einige Erfahrung mit nachhaltiger Energieversorgung und der damit einhergehenden Quartiersentwicklung gesammelt hat. Kraftwerksbetreiber WBE hätte nach Angaben Lübbers‘ derzeit wenig Interesse, ein größeres Versorgungsnetz auszubauen und zu betreiben.
Das kann das Unternehmen auf Anfrage dieser Zeitung aber nicht bestätigen. „Es gibt derzeit Verhandlungen mit der SWB und wir liefern dem Unternehmen Daten für seine Arbeit“, erklärte ein Sprecher der WBE. Eine konkrete Zu- oder Absage des Unternehmens zum Ausbau des Netzes gebe es aber seines Wissens nach nicht.
Welche Ausbaustufen im Endeffekt möglich und wirtschaftlich sind, lässt sich noch nicht voraussagen. Sven Lübbers ist aber guter Hoffnung. „Und selbst wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass ein großer Teil davon oder womöglich das ganze Projekt finanziell nicht darstellbar ist, dann wollen wir als Stadt wenigstens sagen können, dass wir es versucht haben“, so der Bürgermeister.