Empörung auf Langeoog  Restaurant „Bunte Kuh“ bewirtet keine Kinder mehr

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 31.05.2022 12:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kinder im Restaurant: Das empfinden manche als störend. Foto: Kraufmann/dpa
Kinder im Restaurant: Das empfinden manche als störend. Foto: Kraufmann/dpa
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Die „Bunte Kuh“ auf Langeoog empfängt nur noch Gäste ab zwölf Jahren. Einigen schmeckt das gar nicht. Dabei ist dies längst kein Einzelfall mehr.

Langeoog - Über Gerald Hausmann fegt gerade ein regelrechter Shitstorm hinweg, auf Langeoog und in den sozialen Medien: Der Gastronom hat jüngst entschieden, in seinem Restaurant „Bunte Kuh“ keine Kinder unter zwölf Jahren mehr zu bewirten. Auch im dazugehörigen „Suiten-Hotel Mare“ heißt es „Adults only 12 +“. Damit hat der Gastronom und Hotelier eine Welle der Empörung losgetreten, erfährt zugleich aber auch viel Zuspruch. Dabei ist er nicht der Einzige auf der Insel, der diesen Kurs eingeschlagen hat.

Was und warum

Darum geht es: Ein Restaurant auf Langeoog bewirtet nur noch Gäste ab einem Alter von zwölf Jahren.

Vor allem interessant für: Langeoog-Liebhaber und Restaurantbesucher mit und ohne Kinder

Deshalb berichten wir: In den sozialen Medien kochen die Emotionen schnell hoch. Wir fragen nach, was hinter dem Vorstoß des Gastronomen steckt.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

Auf Facebook hatte ein Nutzer in einer öffentlichen Langeoog-Gruppe vor gut einer Woche seiner Enttäuschung darüber Ausdruck verliehen, dass er in Hausmanns „Bunter Kuh“ mit Kind nicht mehr essen könne. Die Bandbreite der Kommentare darunter reicht nun von „Ein No-go für eine Familieninsel!“ bis hin zu „Zum Glück ist es immer noch so, dass der Wirt entscheidet, wer bei ihm zu Gast ist.“ Und das ist eine eher sachlich gehaltene Auswahl. „Bei Facebook entsteht da eine Eigendynamik. Wir sind keine Kinderhasser“, versichert Hausmann mit Blick auf manches, was im Netz kursiert. „Unsere Mitarbeiter sind erschüttert über diese Aussage.“ Auch das Verhalten von Kindern und Eltern im Restaurant sei nicht ausschlaggebend gewesen. Das wurde im Internet vielfach spekuliert. Durchaus nicht ohne Grund, wie eine Nachfrage bei Birgit Kolb-Binder ergibt. Die Bezirksvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) für Ostfriesland sagt, „dass viele Eltern ihre Kinder nicht beaufsichtigen“ würden und sich darum zuweilen unschöne Szenen abspielten.

Essen wird auf offener Flamme zubereitet

Die Rote Karte für Familien im Langeooger Kiebitzweg ist laut Hausmann aber eine rein konzeptionelle Entscheidung: Im Hotel und Restaurant sei es eng. Kinderwagen und Buggys hätten in den vergangenen Jahren immer wieder Fluchtwege versperrt. Familienzimmer wie in anderen Hotels, die auf Eltern mit Kindern eingestellt sind, gebe es im Mare nicht. Somit waren kleine Kinder hier ohnehin eine Seltenheit. Andere Reisende hätten sich oft am Geschrei gestört. Er habe es immer allen recht machen wollen. Damit ist nun Schluss. Seit Saisonbeginn am 1. März gilt darum das Mindestalter von zwölf im „Mare“. Das Hotelrestaurant „Bunte Kuh“, in dem vorrangig die Hotelgäste zu Abend essen, zog kurze Zeit später nach.

Im Restaurant „Bunte Kuh“, das zum Suiten-Hotel „Mare“ auf Langeoog gehört, müssen Gäste jetzt zwölf Jahre oder älter sein. Foto: Archiv
Im Restaurant „Bunte Kuh“, das zum Suiten-Hotel „Mare“ auf Langeoog gehört, müssen Gäste jetzt zwölf Jahre oder älter sein. Foto: Archiv

Ein weiterer wichtiger Grund ist Hausmann zufolge die Zubereitungsart des Essens. Das werde auf einem heißen Stein direkt am Tisch und teils über offener Flamme gegart. „Das Schlimmste wäre, wenn sich so ein Zwerg verbrennt“, gibt der 53 Jahre alte Gastronom und zweifache Vater zu bedenken. Alternativen gibt es, betont Hausmann. Er führt weitere Gastrobetriebe auf der Insel. Seit 37 Jahren beispielsweise das „Dwarslooper“. Ein Laden, in dem Kinder noch immer gern gesehene Gäste seien. Auch im „Captain`s“ bewirte man sie. „Wir grenzen niemanden aus.“ Vielmehr spezialisiere man sich auf Zielgruppen.

Andere Hotels setzen beim Alter noch höher an

Die Zugangsbeschränkung beim Alter hatte schon vor vier Jahren an der Ostsee für Aufregung gesorgt. Ein Gastronom auf Rügen brachte den Stein ins Rollen. Kinder unter 14 Jahren mussten ab 17 Uhr draußen bleiben. Seither sind einige Berufskollegen seinem Beispiel gefolgt. Die Reaktionen im Netz waren denen auf Langeoog stets ähnlich. Gerald Hausmann sagt, er habe dies nicht mitbekommen. Auf seinem Eiland ist er mit dem „Konzept kinderlos“ nicht mal allein: Sein Hotel ist einer von drei Langeooger Beherbergungsbetrieben mit Altersbeschränkung. Das „Brandaris“ empfängt Gäste ebenfalls erst ab zwölf Jahren. Das „Norderriff“ zieht bei 16 Jahren eine Grenze. Das seien legitime Entscheidungen des Inhabers, das eigene Profil zu schärfen, bewertet Kolb-Binder dies aus Dehoga-Sicht. „Es gibt Kinderhotels – und es gibt Erwachsenenhotels.“

Die Gastronomin betreibt unter anderem auf Langeoog mehrere Hotels und Gastrobetriebe. Trotz der genannten drei Hotels hält sie das Thema „Adults only“ auf der Familieninsel eher für eine Nische, interessant für kleine Häuser. Unter den Restaurants der Insel ist die „Bunte Kuh“ allerdings allein mit ihrem eingeschlagenen Kurs. Und das, so sagt Gerald Hausmann, darf gern so bleiben. „Ich will da kein Trendsetter sein.“

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