Seit 23 Jahren immer dabei  Dieser Mann ist total verrückt nach Kickers Emden

| | 30.05.2022 18:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Kontakt zu den Emder Spielern (links Ibrahim Sillah) ist Gerhard Wieting wichtig. Nach dem letzten Oberliga-Spiel in Braunschweig feierte er noch bis weit nach Abpfiff den Vize-Titel und die Qualifikation für die Aufstiegsspiele. Fotos: Homes
Der Kontakt zu den Emder Spielern (links Ibrahim Sillah) ist Gerhard Wieting wichtig. Nach dem letzten Oberliga-Spiel in Braunschweig feierte er noch bis weit nach Abpfiff den Vize-Titel und die Qualifikation für die Aufstiegsspiele. Fotos: Homes
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Gerhard Wieting hat am Sonntag geweint – vor Freude wegen des Sieges von Kickers. Der 57-Jährige ist Emdens Kult-Fan. Als dieser hat er schon einiges erlebt und investiert.

Emden - Die Kickers-Spieler rissen die Arme hoch, schrien ihre Freude raus. Auch die mehr als 2000 Zuschauer im Emder Ostfrieslandstadion jubelten nach dem 2:1-Sieg gegen den Bremer SV ausgelassen. Der Aufstieg in die Fußball-Regionalliga ist zum Greifen nahe. Bei einem Mann kullerten sogar Freudentränen – und das ist noch untertrieben formuliert. „Ich habe geheult wie ein Schlosshund, als der Schiri abpfiff und die Mannschaft zu uns Fans kam“, gesteht Gerhard Wieting. „Es war eine Super-Riesen-Mega-Gala. Ich bin noch immer total überwältigt und einfach stolz auf die Mannschaft.“

Der 57-Jährige aus Großefehn ist der Kult-Anhänger schlechthin des BSV Kickers. „Ich habe in 23 Jahren so gut wie gar kein Spiel verpasst. Ich hatte nur eine kurze Auszeit aus privaten Gründen“, sagt Gerhard Wieting durchaus stolz. Und damit meint er nicht nur jedes Heimspiel. „Ich bin bei jedem Auswärtsspiel, Freundschaftsspiel und Hallenturnier dabei“, sagt der Fehntjer, ehe er in der Vergangenheit schwelgt: „Ich habe die schwere Zeit mit dem Absturz aus der 3. Liga in die Landesliga mitgemacht. Wie oft habe ich bei Auswärtsspielen alleine da gestanden?“ Diese Zeit ist jetzt aber vorbei. Denn um den BSV Kickers Emden herrscht nach der Vize-Meisterschaft in der Oberliga und dem Sieg im ersten Spiel der Aufstiegsrunde große Euphorie.

Die Kickers-Heimspiele verfolgt Gerhard Wieting traditionell durch den Zaun auf der Stehtribüne hinter dem Tor. Dabei hat der 57-Jährige immer dasselbe Trikot an – dieses wurde schon notdürftig geflickt.
Die Kickers-Heimspiele verfolgt Gerhard Wieting traditionell durch den Zaun auf der Stehtribüne hinter dem Tor. Dabei hat der 57-Jährige immer dasselbe Trikot an – dieses wurde schon notdürftig geflickt.

Nach dem Vize-Titel zum Chef

Am Mittwoch in Oberneuland, wo Kickers mit einem Sieg gegen Concordia Hamburg den Aufstieg in die Regionalliga perfekt machen kann, wird Gerhard Wieting gewiss nicht der einzige Emder Anhänger sein. Es werden deutlich mehr als 100 erwartet, die privat anreisen werden. Auch wenn es einen Fanbus gegeben hätte, würde der „verrückteste Kickers-Fan“ – so betitelt sich Gerhard Wieting selbst – mit dem Auto anreisen. „Ich habe das einfach lieber. Dann bin ich auch flexibler.“ Denn Gerhard Wieting kommt gerne auch mal eine Stunde vor dem Anstoß und bleibt auch mal noch länger nach den Spielen da. „Ich fahre nach Abpfiff nicht gleich nach Hause, sondern würdige die Mannschaft noch.“ Nach dem 4:0-Sieg von Kickers am letzten Oberliga-Spieltag in Braunschweig und der damit geglückten Vize-Meisterschaft feierte Gerhard Wieting noch gut zwei Stunden mit der Emder Mannschaft. Da war der Fanbus schon längst auf der Heimreise.

Tags darauf auf der Arbeit ging Gerhard Wieting erstmal zu seinem Chef. „Ich musste mir ja für die drei Aufstiegsrunden-Spiele frei nehmen“, sagt der Mann, der für einen Leeraner Malerei- und Lackierungsbetrieb tätig ist. Seine Urlaubstage oder sein Überstunden-Abbau richtet sich nach dem Spielplan von Kickers.

Mit Motorrad-Weltmeister durch Europa

Bei den Partien ist der 57-Jährige auch als Emder Kult-Fan erkennbar. Schließlich trägt Gerhard Wieting immer ein Kickers-Trikot aus einstigen Regionalliga-Zeiten – und die sind schon 14 Jahre her. Gerhard Wieting hat das Trikot schon so oft genutzt, dass sich der Stoff rund um die Schrift des Herstellers „Saller“ auf der Brust ablöst. „Das habe ich mit Panzertape notdürftig geflickt“, sagt Gerhard Wieting.

Er spielte einst selber Fußball, in der Jugend des SV Großefehn. Danach hing er seine Schuhe an den Nagel – und begleitete seinen besten Kumpel Egon Müller zu dessen Motorrad-Rennen im In- und Ausland. Müller ist mehrfacher Deutscher Meister und sogar Weltmeister im Speedway. Als Egon Müller 1997 seine Karriere beendete, widmete sich Gerhard Wieting wieder mehr dem Fußball. „Wenn ich Eintritt bezahle, möchte ich auch guten Fußball mit Herz und Leidenschaft sehen“, sagt Wieting. „Kickers Emden ist da nun mal in der Region das Maß der Dinge, der FC Bayern Ostfrieslands sozusagen“, begründet er seine Kickers-Leidenschaft. Die erkennt man auch bei ihm zu Hause. So ziert beispielsweise eine große Kickers-Uhr die Wand seines „Fußball-Zimmers“. „Ich besitze alles an Fan-Artikeln, die es so gibt: Mütze, Schal, Schlips, Kugelschreiber und so weiter.“

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