Historische Räder Emder sucht dringend Gebäude für sein Fahrradmuseum
Dinus Voß zeigt in seinem Hof in Wybelsum seine historischen Fahrräder. Weil das Gebäude aus allen Nähten platzt, sucht er etwas Neues. Das ist gar nicht so einfach.
Ostfriesland - Wenn Dinus Voß über seine „Schätze“ redet, funkeln seine Augen wie polierte Schutzbleche, glänzend und mit ungeheurer Strahlkraft versehen. Wie man altes Material wirkungsvoll aufbereitet, weiß der Wybelsumer sehr gut. Er ist handwerklich geschickt und kann sich um seine „Schätze“ kümmern. Dinus Voß sammelt seit Jahrzehnten historische Fahrräder. Anhand seiner Exponate kann man die Entwicklung des Fahrrads von seinen Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu den aktuellen Exemplaren nachvollziehen.
So gehört zu seiner Sammlung ein Tretkurbel-Velociped aus dem Jahr 1869, es ist ein Vorläufer des Fahrrads, wie wir es heute kennen. Selbstverständlich darf auch ein Hochrad in seiner Sammlung nicht fehlen. Für Dinus Voß ist das Exponat mehr als ein Ausstellungsstück, er kann es auch in Bewegung versetzen. Dafür schwingt er sich mit fast akrobatisch anmutender Gelenkigkeit auf den Sattel, der in der Höhe von 1,50 Meter thront und vom Fahrer fast so etwas wie Schwindelfreiheit erfordert. In den 1870er Jahren galten Hochrad-Fahrer als Hasardeure, die durch Abenteuerfahrten von sich reden machten. In den Anfängen war das Rad kein Nutzgefährt, sondern ein Vehikel, das als Spaß- und Sportgerät vor allen Dingen von einer wohlhabenden Schicht geschätzt wurde.
Das Original kommt nicht zum Einsatz
Stichwort Geld: Wenn Dinus Voß seine „Schätze“ bei einer Veranstaltung präsentiert, hat er einen Nachbau des Hochrads im Gepäck. Das Original bleibt aus Sicherheitsgründen im Ostfriesischen Zweiradmuseum in Wybelsum. Die Geschichte vor allen Dingen des lokalen Radsports zu recherchieren, ist eine Leidenschaft des Mannes, der sein Geld damit verdient, dass er als Angestellter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auf dem „Tower“ der Jann-Berghaus-Brücke in Leer arbeitet.
Dort geht es ebenso um Verkehr wie bei seinem Hobby. Die Leidenschaft dafür hat er, wie er mit einem leichten Grinsen sagt, von seinem Vater geerbt. Der heißt ebenfalls Dinus Voß und interessiert sich auch für historische Fahrräder. Langsam wird der Heimathafen für die „Schätze“ zu klein: „Wir suchen ostfrieslandweit ein neues Domizil für unsere Exponate“, sagt er. Er wünsche sich ein rund 700 Quadratmeter großes Gebäude. Ideal wäre es, wenn dort auch ein Wohnhaus angrenze. Er würde gerne eine kleine Gastronomie anbieten, damit die Gäste nach dem Besuch des Museums noch ein wenig verweilen können.
Leider keinen Zuschlag erhalten
Ein erster Vorstoß, etwas Passendes zu finden, liegt schon hinter ihm. Als ein Nachfolger für den Betrieb des Apollo-Gebäudes in Emden gesucht worden sei, habe er sich beworben, aber leider nicht den Zuschlag erhalten. Jetzt suche er weiter. „Das Fahrrad ist voll im Trend“, sagte Dinus Voß. Eigentlich dürfe es nicht schwierig sein, etwas zu finden. Offenbar hat der Rad-Enthusiast bisher noch nicht sehr viel Werbung für sein Vorhaben gemacht. Bei einer Anfrage dieser Zeitung in einigen Städten und Kommunen waren die Verantwortlichen nämlich ausnahmslos erstaunt.
„Davon habe ich noch nicht gehört“, sagte Horst Feddermann. Aurichs Bürgermeister (parteilos) sprach davon, dass es für ihn eine „frische Idee“ sei, die er aber „super-interessant“ finde. Er werde sie aufgreifen und in die entsprechenden Gremien tragen. Beim 1. Ostfriesischen Fahrradtag in Aurich, an dem Dinus Voß sich präsentiert hatte, habe er den Emder kennengelernt und gemerkt, dass er seine historischen Fahrräder mit Sorgfalt und vielen kreativen Ideen zur Schau stelle. Für eine „sehr gute Idee“ hält auch Frank Patschke das Vorhaben, ein Zweiradmuseum in der Stadt aufzubauen. Aurichs Fahrradbeauftragter war durch einen Bericht in der Zeitung auf die Rad-Sammlung aufmerksam geworden.
Eher reserviert äußerte sich eine Sprecherin der Stadt Leer auf eine Anfrage der Redaktion hin:
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