Aufstiegsrunde zur Regionalliga  Tor des Monats beim Spiel des Jahres in Emden

Sören Siemens
|
Von Sören Siemens
| 29.05.2022 21:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach dem Fallrückzieher-Traumtor von Tido Steffens (rechts) staunte auch Mitspieler Ayo Adeniran. Foto: Doden
Nach dem Fallrückzieher-Traumtor von Tido Steffens (rechts) staunte auch Mitspieler Ayo Adeniran. Foto: Doden
Artikel teilen:

Das Emder 2:1 gegen den Bremer SV hat die Tür zur 4. Liga für Kickers weit geöffnet. Tido Steffens traf traumhaft und Stefan Emmerling gelang Besonderes. Ein Video mit den Highlights gibt‘s im Artikel.

Die Höhepunkte des Spiels sind in diesem Video zusammengefasst. Ab Minute 0:55 können Sie den erfolgreichen Fallrückzieher von BSV-Torjäger Tido Steffens sehen.

Emden - Oberliga-Vizemeister Kickers Emden präsentierte sich Sonntag beim Spiel des Jahres schon mal im Regionalliga-Format. Eine traumhafte Kulisse mit 2039 Zuschauern erlebte ein Traumtor von Tido Steffens und einen Traum-Start in die Aufstiegsrunde zur Fußball-Regionalliga. Nach dem 2:1-Sieg gegen den Bremer SV können die Ostfriesen bereits am Mittwoch beim zweiten der drei Entscheidungsspiele den Aufstieg feiern. Da die weiteren Konkurrenten Concordia Hamburg und SV Todesfelde 1:1 spielten, wäre Kickers bei einem Sieg gegen Hamburg einer der beiden Aufstiegsplätze nicht mehr zu nehmen. So dürften sich am Mittwoch einige Hundert Fans auf den Weg nach Oberneuland machen, wo die Partie auf neutralem Platz um 19.30 Uhr stattfindet.

Toller Rahmen: Als die Teams um 15.13 Uhr einliefen, knisterte es im Ostfrieslandstadion. Foto: Doden
Toller Rahmen: Als die Teams um 15.13 Uhr einliefen, knisterte es im Ostfrieslandstadion. Foto: Doden

„Wir haben noch nichts erreicht und müssen uns nun schnell regenerieren“, sagte BSV-Trainer Stefan Emmerling auf der Pressekonferenz im rappelvollen VIP-Raum, nachdem er den Hut vor seiner Mannschaft gezogen hatte. Die befand sich zu dem Zeitpunkt eine Etage tiefer teilweise schon in der „Eistonne“. „Respekt an meine Mannschaft. Das war das BSV-Spiel, was wir uns wünschen.“

Steffens-Antwort ist sensationell

Weil die Gäste wegen eines Staus etwas verspätet angereist waren, begann die Partie vor der Saison-Rekordkulisse mit 15-minütiger Verspätung. Als die Teams um 15.13 Uhr zu rockiger Musik den Platz betraten, herrschte schonmal Viertliga-Atmosphäre im Ostfrieslandstadion, das um 15.30 Uhr jedoch fast verstummte. Ugo-Mario Nobile köpfte den Ball nach einer Ecke wuchtig zum 0:1 ein (15.). Die rund 200 mitgereisten Bremer Fans hatten schon eine Minute zuvor den Torschrei auf den Lippen, als Gäste-Torjäger Lamine Diop den Ball aus kurzer Entfernung auf das Emder Tor köpfte und dieser von der Latte auf die Linie sprang und BSV-Keeper Jannik Wetzel in höchster Not zur Ecke klärte. „Wir sind nicht ganz so gut ins Spiel gekommen“, analysierte Emdens Torjäger Tido Steffens nach der Partie die Anfangsphase.

Wie in „alten Zeiten“: Neben der Haupttribüne mit einem ausverkauften Sitzplatzbereich war auch die unüberdachte Gegengerade (Stehplätze) bestens gefüllt. 2039 Zuschauer bedeuteten einen Zuschauerrekord in dieser Saison. Foto: Doden
Wie in „alten Zeiten“: Neben der Haupttribüne mit einem ausverkauften Sitzplatzbereich war auch die unüberdachte Gegengerade (Stehplätze) bestens gefüllt. 2039 Zuschauer bedeuteten einen Zuschauerrekord in dieser Saison. Foto: Doden

Der Angreifer war es dann, der Kickers schnell neues Leben einhauchte: und wie! Nach einer „Einwurf-Flanke“ von Abwehrhüne Alagie Jabbie setzte der Großheider zum Fallrückzieher an und und traf in Tor-des-Monats-Manier aus 13 Metern zum 1:1. Das Stadion tobte. „Als ich hochgesprungen bin, habe ich gewusst, dass ich den Ball super treffe“, sagte der Mann, der am Donnerstag 28 Jahre alt wurde und einer der Garanten des Emder Höhenfluges ist. „So ein Tor in so einem Spiel zu erzielen, ist natürlich Wahnsinn.“ Die Teams begegneten sich bis zur Pause auf Augenhöhe, wenngleich Kickers in der Schlussphase bei einer Drangphase drei Möglichkeiten besaß.

Einige Chancen zum 3:1

Manche Fans dürften noch an der Wurst- oder Fischbude gestanden haben, als nach dem Wiederanpfiff das Dezibel-Barometer nochmals rapide anstieg und Ibrahim Sillah zum 2:1 traf. „Dieses Tor ist exemplarisch für unsere Saison“, schwärmte BSV-Kapitän Bastian Dassel, der alles „wegverteidigte“. Holger Wulff erkämpfte sich im Strafraum gegen einen schläfrigen Bremer den Ball und bediente Tido Steffens, der mit dem Rücken zum Tor stehend den Ball behauptete und auf den heranrückenden Sillah legte, der per Flachschuss aus zwölf Metern traf (47.).

Tido Steffens war in der Luft und am Boden wieder kaum zu stoppen. Foto: Doden
Tido Steffens war in der Luft und am Boden wieder kaum zu stoppen. Foto: Doden

Danach war Kickers mehrmals dem 3:1 näher als der Gast aus Bremen dem 2:2. Zweimal Tido Steffens nach herausragenden Einzelaktionen (55./63.), Heiko Visser (63.) und Ayo Adeniran (87.) vergaben die guten Chancen knapp. Auf der anderen Seite ließ Emden nicht viel zu, verteidigte leidenschaftlich und auch umsichtig wie der überragende Milad Faqiryar. Bis auf einen Freistoß und einen Fernschuss von Sebastian Kurkiewicz kam bei Bremens Offensivbemühungen nicht viel herum.

Erst Nagelsmann, nun Emmerling

Doch der Gast warf natürlich alles nach vorne. Als dann die dreiminütige Nachspielzeit schadlos überstanden war, war der Jubel im Stadion riesig. „Diesen Sieg haben wir uns verdient. Es war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Kapitän Bastian Dassel und hielt seine beiden kleinen Söhne (2/1) auf dem Arm.

Torwart Jannik Wetzel durfte nach dem Sieg auf den Zaun und beim Feiern den Vorsänger machen. Foto: Doden
Torwart Jannik Wetzel durfte nach dem Sieg auf den Zaun und beim Feiern den Vorsänger machen. Foto: Doden

Ein paar Minuten später lauschte auch er im VIP-Raum den Trainer-Worten bei der Pressekonferenz, die für Bremens Coach Benjamin Eta ungewöhnlich war. 39 Punkt- und Pokalspiele in Serie hatte der souveräne Bremer Meister und Pokalsieger nicht mehr verloren (37 Siege, zwei Unentschieden). Am 25. August 2021 gratulierte Eta Bayerns Trainer Julian Nagelsmann zum 12:0-Sieg im DFB-Pokal – neun Monate später gingen seine Gratulationen Richtung Stefan Emmerling.

Ähnliche Artikel