Todesfall überschattet Matjestage  Die Organisatoren ziehen Bilanz in Emden

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 29.05.2022 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die ersten Matjestage nach drei Jahren waren in Emden ein voller Erfolg, sagen die Organisatoren. Es kamen so viele Gäste und Schiffe wie lange nicht. Ein Todesfall stellt aber alles in den Schatten.

Emden - Der Gang über das Matjesfest am Sonntag hat einen bitteren Beigeschmack. Tausende Besucher lauschen der fröhlichen Musik, bestaunen die Traditionsschiffe im Delft und bedienen sich bei den Verkaufsständen. Dass das große Karussell an der Einfahrt zur Emsmauerstraße fehlt, dürfte nur den wenigsten auffallen. Dort ist in der Nacht zu Sonntag eine junge Frau gestorben. Die 18-jährige Angestellte des Fahrgeschäfts war tödlich verletzt worden, als sie gegen 0.30 Uhr in den Gefahrenbereich des aktiven Karussells geraten war. Sie verstarb laut Polizei im Krankenhaus.

Was und warum

Darum geht es: Zum ersten Mal nach drei Jahren fanden wieder Matjestage in Emden statt. Die waren ein voller Erfolg, sagen die Organisatoren. Überschattet wird das aber von einem Todesfall in der Nacht zu Sonntag.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Besucher der Matjestage, Schausteller.

Deshalb berichten wir: Am Sonntagabend endeten die Matjestage. Zuvor zog der Arbeitskreis noch Bilanz und sprach auch noch einmal den tragischen Unfall in der Nacht an.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Der Betreiber des Karussells baute noch in der Nacht das Fahrgeschäft ab - aus Respekt vor den Angehörigen der jungen Frau, sagte Marktmeister Uwe Hellmann im Gespräch mit dieser Zeitung am Sonntag. Es sei ein „tragischer Betriebsunfall“ gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Keiner der anderen Schausteller sei allerdings abgereist, so Hellmann. Das Fest ging seinen fast gewohnten Gang. Am Abend wurde beim Hafentor eine Schweigeminute eingelegt, als eigentlich das Abschlusssingen der Shanty-Chöre hätte stattfinden sollen. Das war angesichts des Todesfalls abgesagt worden.

Am Sonntagmorgen war das große Karussell, durch das die 18-Jährige tödlich verletzt wurde, schon abgebaut. Foto: Hanssen
Am Sonntagmorgen war das große Karussell, durch das die 18-Jährige tödlich verletzt wurde, schon abgebaut. Foto: Hanssen

Eilers: „Auch wenn wir trauern, das Leben geht weiter“

In Gedanken sei man bei den Angehörigen, sagte Wilhelm Eilers vom Arbeitskreis Matjestage. „Wir können und wollen nicht weiter fröhlich Musik machen“, meinte er. Während das Publikum an der Bühne schwieg, ging der Jahrmarkttrubel auf der Festmeile ungehindert weiter. „Auch wenn wir trauern, das Leben geht weiter“, sagte Eilers abschließend. Eine einzelne Rose lag am Abend auf einem Hydranten nahe der Unfallstelle. Ob diese für die Verstorbene abgelegt wurde, ist unklar.

Nahe der Unglücksstelle lag Sonntagabend eine einzelne Rose auf einem Hydranten, vielleicht in Gedenken an die verstorbene 18-Jährige. Foto: Hanssen
Nahe der Unglücksstelle lag Sonntagabend eine einzelne Rose auf einem Hydranten, vielleicht in Gedenken an die verstorbene 18-Jährige. Foto: Hanssen

Der „dunkle Schatten der Trauer“ habe sich über die sonst rundherum erfolgreichen Matjestage gelegt, schrieb Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) am Sonntagmorgen auf der Webseite der Stadt. Bei dem Bilanzgespräch am Sonntagnachmittag äußerte sich der Arbeitskreis Matjestage tatsächlich ansonsten positiv zu dem nach dreijähriger Pause wieder stattgefundenen Großspektakel. Über die vier Festtage verteilt seien bis zu 180.000 Besucher gekommen, sagte Frank Nowak vom Arbeitskreis und berief sich dabei auf eine Rasterschätzung der Polizei. „Mehr Menschen haben wir noch nicht gehabt“, meinte Wilhelm Eilers. Die Hotels und Unterkünfte waren alle voll, die Gastronomie hatte gut zu tun. Viele hätten schon fürs kommende Jahr ihr Hotelzimmer gebucht, sagte Alfred Marahrens als Vertreter der Gastronomie und Hotelerie.

Abends - wir hier am Freitag - war vor den Bühnen am Hafentor und am Rathaus viel Gedränge. Foto: Hanssen
Abends - wir hier am Freitag - war vor den Bühnen am Hafentor und am Rathaus viel Gedränge. Foto: Hanssen

Schausteller zeigten sich mit Umsatz zufrieden

Die Schausteller hätten sich mit den Umsätzen zufrieden gezeigt, sagte Uwe Hellmann. Auch sei alles „relativ ruhig“ verlaufen, obwohl die Innenstadt insbesondere am Donnerstag durch Vatertags-Gruppen überlaufen war. Man sei im Großen und Ganzen zufrieden. „Es hat nicht groß Polizeieinsätze direkt auf dem Matjesfest gegeben“, so Hellmann. Man habe aber immer einen Blick auf Jugendliche haben müssen, sagte er. Es sei deutlich zu spüren gewesen, dass sie „hungrig“ gewesen seien auf ein wenig ausgelassenes Feiern. Bis in die Nächte hinein hatten Hunderte vor den Bühnen am Hafentor und beim Rathaus getanzt - trotz fast herbstlicher Temperaturen. „Die gesamte Stimmung gegenüber dem Fest war noch nie so gut wie heute“, meinte Frank Nowak. Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der am Freitag das Freundschaftstreffen der Shanty-Chöre und das Traditionsschiffstreffen eröffnete, schwärmte von den Festtagen und Emden an sich.

Oberbürgermeister Tim Kruithoff wurde am Freitag zum Fotografen, als sich eine Frau mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil ablichten lassen wollte. Foto: J. Doden
Oberbürgermeister Tim Kruithoff wurde am Freitag zum Fotografen, als sich eine Frau mit Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil ablichten lassen wollte. Foto: J. Doden

37 Traditionsschiffe seien für die Matjestage aus Deutschland und den Niederlanden gekommen, sagte Willy Grix vom Arbeitskreis. Das seien mehr gewesen als sonst, und viele Skipper hätten jetzt schon verkündet, im kommenden Jahr wiederzukommen und andere einzuladen. Auch die Greetsieler Kutter wollen dann wieder die Emder Nachbarn besuchen, sagte Günter Klever, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Küstenfischer. Wilhelm Eilers schilderte, dass die mehr als 1000 deutschen und niederländischen Shanty-Sängerinnen und Sänger „alle happy“ gewesen seien. 41 Auftritte hatte es gegeben. „Viele wollen wiederkommen. Sie freuen sich schon aufs nächste Jahr“, so Eilers.

Drei Krabbenkutter aus Greetsiel, 37 Traditionsschiffe und zahlreiche Sportboote belebten den Emder Delft. Foto: Hanssen
Drei Krabbenkutter aus Greetsiel, 37 Traditionsschiffe und zahlreiche Sportboote belebten den Emder Delft. Foto: Hanssen
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