Naturschutz  Straßenränder sollen blühen und Lebensraum für Insekten sein

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 25.05.2022 09:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dass Bienen unsere Unterstützung brauchen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Foto: Stratenschulte/dpa
Dass Bienen unsere Unterstützung brauchen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Foto: Stratenschulte/dpa
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Straßenränder sollen nicht zu oft gemäht werden, damit sie Lebensraum für Insekten sein können. Das fordern BUND und Nabu schon lange – nicht immer mit Erfolg. Jetzt haben sie neue Hoffnung.

Ostfriesland - Im täglichen Erleben sind sie den meisten eher lästig, für das Überleben der Menschheit sind sie wohl unverzichtbar: Insekten. Seit Jahren beobachten Forscher aber einen Rückgang der Zahl von Fliegen, Bienen, Wespen, Käfern und anderen Insekten und fordern, ihnen Lebensraum zu bieten.

Kurz nachdem der BUND die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau für diesen blühenden Randstreifen an der B 72 zwischen Aurich und Bagband öffentlich gelobt hattte, wurde er gemäht. Foto: BUND
Kurz nachdem der BUND die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau für diesen blühenden Randstreifen an der B 72 zwischen Aurich und Bagband öffentlich gelobt hattte, wurde er gemäht. Foto: BUND

Während die Gartencenter mittlerweile voller ausgewiesen bienenfreundlicher Pflanzen sind, haben es andere Arten deutlich schwerer. „Seit Jahren versuchen wir das Bewusstsein zu wecken, dass Straßenränder ein guter Lebensraum für Insekten und Kleinlebewesen sein könnten. Aber da bohren wir ganz dicke Bretter“, sagt Rolf Runge, Vorsitzender des BUND-Regionalverbands Ostfriesland.

Gerade jetzt ein wichtiger Rückzugsort

Dabei wären blühende Randstreifen gerade jetzt, wo auf den landwirtschaftlichen Grünflächen gerade der erste Schnitt gemacht wurde, ein wichtiger Rückzugsort für die Tiere. Oft würden sogar die entsprechenden Blühsamen-Mischungen ausgebracht, die allerdings in vielen Fällen gar nicht mehr zum Zuge kämen, weil die Fläche zu früh gemäht werde.

Hier blieb nicht mehr viel übrig von der Blütenpracht. Foto: BUND
Hier blieb nicht mehr viel übrig von der Blütenpracht. Foto: BUND

„Meist wird damit argumentiert, dass man die Verkehrssicherheit gewährleisten müsse, aber dazu reicht es unsere Meinung nach, wenn zwei Mal in der Saison gemäht würde“, sagt Jan Schürings, der Nabu-Regionalgeschäftsführer Ostfriesland. In jedem Falle sollte die Blütezeit abgewartet werden, um den Pflanzen die Chance zu geben, sich zu vermehren, „sonst steht da nach ein paar Jahren nichts mehr“, so Schürings.

Verschiedene Ansprechpartner

Je nach Straße sind für die Pflege der Ränder die Kommunen, Kreise oder die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLSTBV) zuständig. Die Naturschutzverbände versuchen, die jeweiligen Ansprechpartner für das Thema zu sensibilisieren – mit unterschiedlichem Erfolg. Runge und Schürings loben die Gemeinde Großefehn, wo ein Bemühen zu erkennen sei, nur noch möglichst schmale Streifen zu mähen. Es gebe aber auch andere Kommunen, bei denen sie mit ihren Appellen nicht durchdrängen.

Schwierig sei es auch entlang von Bundes- und Landesstraßen, betont Runge. Vor zwei Jahren habe er die zuständige Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr extra öffentlich gelobt, weil an der B 72 zwischen Aurich und Bagband im September noch ein Seitenstreifen in voller Blüte stand. „Aber offensichtlich war das eher ein Versehen als gewollt, denn wenige Tage später war alles gemäht.“

Behörde sieht sich in einem Spagat

„Wir machen grundsätzlich so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, sagt Michael Körber vom Sachgebiet Verkehr beim NLSTBV. Das sei schon aus Kostengründen so. „Mähen ist teuer und wo wir darauf verzichten können, tun wir das.“ Allerdings könne seine Behörde keine Kompromisse bei der Verkehrssicherheit machen. So müssten die Leitpfosten immer sichtbar sein und ein einer Einmündung müssten die notwendigen Sichtfelder gewährleistet sein. Er verstehe natürlich auch das Interesse des Naturschutzes, „aber da befinden wir uns in einem Spagat“, sagt Körber.

Hoffnung macht Runge das „Aktionsprogramm Insektenvielfalt Niedersachsen“, das die Landesregierung ins Leben gerufen hat. Dort wird die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ausdrücklich zu einer ökologischen Pflege der Straßenränder verpflichtet. Bei der Pflege und Unterhaltung soll darauf geachtet werden, diese Flächen so weit wie möglich als Lebensräume für Insekten zu optimieren. Vorrang habe allerdings die Verkehrssicherheit und der Wasserabfluss, sagt auch das zuständige Umweltministerium.

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