Landtagswahl in Niedersachsen  Zwei Auricher sitzen im neuen Landtag

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 23.05.2022 16:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Saskia Buschmanns Lieblingsplatz in Aurich ist das Pingelhus – hier auf einem Gemälde von Karl Gramberg. Fotos: Archiv/Ortgies
Saskia Buschmanns Lieblingsplatz in Aurich ist das Pingelhus – hier auf einem Gemälde von Karl Gramberg. Fotos: Archiv/Ortgies
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Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass dem Landtag in Hannover künftig zwei Auricher angehören werden, ein Mann und eine Frau. Vor Jahren gelang der CDU ein Coup.

Aurich/Hannover - Wenn im kommenden Herbst in Hannover der neu gewählte Landtag zusammentritt, werden unter den Abgeordneten aller Voraussicht nach zwei Auricher sein: Der gelernte Bankkaufmann und Berufspolitiker Wiard Siebels (SPD) und die Polizeibeamtin Saskia Buschmann (CDU) haben gute Aussichten, ins Parlament gewählt zu werden. „Das wäre klasse“, sagt Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). „Das kann für unsere Stadt nur gut sein.“

Siebels gehört dem Landtag bereits seit 2008 an. Der 44-Jährige strebt an, am 9. Oktober den Wahlkreis Aurich erneut direkt zu gewinnen. Seine Gegenkandidatin von der CDU ist relativ neu in der Politik. Die 43-jährige Buschmann sitzt seit dem vergangenen Jahr im Auricher Rat und im Kreistag. Aus dem Stand ist sie auf der Landesvertreterversammlung ihrer Partei am vergangenen Wochenende in Bad Nenndorf auf den aussichtsreichen Listenplatz 22 gewählt worden.

Liste zog 2017 bis Platz 27

Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte die Liste der CDU bis Platz 27 gezogen, im Nachrückverfahren sogar noch bis Platz 30. Wenn die Christdemokraten also auch nur annähernd ihr Wahlergebnis von 2017 wiederholen (33,6 Prozent), ist Buschmann drin. „So weit oben auf der Liste hat lange kein Auricher Kandidat gestanden“, sagt der neue CDU-Kreisvorsitzende Dr. Joachim Kleen (Großheide). „Mit Saskia Buschmann haben wir der Landespartei ein gutes Angebot gemacht, und wir haben überall für sie geworben. Das hat sich ausgezahlt.“ Der Anspruch der CDU sei es, den Wahlkreis direkt zu gewinnen.

Wiard Siebels (links) – hier auf einem Foto von 2017 – hat einen guten Draht zu seinem Parteifreund Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen.
Wiard Siebels (links) – hier auf einem Foto von 2017 – hat einen guten Draht zu seinem Parteifreund Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen.

Das allerdings ist gegen den SPD-Kandidaten Siebels eine echte Herausforderung. Schon bei der ersten Kandidatur 2008 hatte der damals 29-Jährige den Wahlkreis Aurich direkt gewonnen, 2012 erneut. 2017 holte er 52,5 Prozent der Erststimmen, rund doppelt so viele wie sein CDU-Herausforderer Folker Diermann. Zum Wahlkreis Aurich gehören neben der Stadt Aurich die Gemeinden Großefehn, Großheide, Ihlow und Südbrookmerland sowie die Samtgemeinde Brookmerland.

„Genau das, was die CDU braucht“

Doch Überraschungen hat es auch in diesem Wahlkreis schon gegeben: 2003 gelang Wolfgang Ontijd, wie Buschmann von Beruf Polizeibeamter, ein Coup. Der CDU-Politiker aus Sandhorst gewann nach Jahrzehnten der SPD-Dominanz das Direktmandat gegen das SPD-Urgestein Hermann Bontjer aus Südbrookmerland († 2014). Arnold Gossel, CDU-Fraktionschef im Auricher Rat, rechnet zwar nicht unbedingt mit einem Direktmandat für Buschmann, doch er sagt auch: „Man weiß nie. Bis zur Wahl sind es noch viereinhalb Monate. Ich wünsche Saskia von Herzen, dass sie es schafft. Sie ist eine engagierte junge Frau. Das ist genau das, was die CDU braucht.“

Die Kandidatin ist nach eigenen Angaben „sehr begeistert“ von ihrem guten Listenplatz und auch stolz auf ihr Ergebnis. „Da, wo ich jetzt bin“, sagt Buschmann, „kommt man nicht hin, indem man die Hände in den Schoß legt.“ Die gute Platzierung entbinde sie aber nicht von der Verantwortung, „einen vernünftigen Wahlkampf zu führen“.

„Ich werte das als Bestätigung“

Auch der SPD-Kandidat Siebels hat am Wochenende auf der Landesvertreterversammlung seiner Partei in Hildesheim einen guten Listenplatz bekommen: Er steht auf Platz 15 und damit so weit oben wie kein anderer SPD-Kandidat aus Ostfriesland. Das hänge mit seiner Position als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion zusammen, sagt der 44-Jährige. „Ich werte das als Bestätigung meiner Arbeit.“

Allerdings ist das mit den Listenplätzen bei der SPD so eine Sache. 2017 haben die Sozialdemokraten in Niedersachsen so viele Direktmandate gewonnen, dass die Liste keine Rolle spielte. „Auf Listenplätze verweisen nur Verlierer“, heißt es dazu aus der Landesgeschäftsstelle der Partei. Der Anspruch der Sozialdemokraten sei es, ihre Wahlkreise direkt zu gewinnen, also durch die Mehrheit der Erststimmen.

„Erkennbare Veränderung“ bei der CDU

Diesen Anspruch stellt auch Siebels an sich selbst: „Das will ich versuchen und ich meine auch, dass ich das schaffen kann. Aber der Wähler entscheidet.“ Zu seiner Gegenkandidatin Buschmann möchte der SPD-Abgeordnete keinen Kommentar abgeben. Doch er zeigt sich beeindruckt, dass auf der CDU-Liste deutlich mehr Frauen stehen als früher: „Die CDU hat eine erkennbare Veränderung herbeigeführt.“

In den Reihen von FDP und Grünen werden übrigens aller Voraussicht nach keine Abgeordneten aus Aurich sitzen. Der FDP-Ratsherr Menko Bakker steht bei der Landtagswahl auf dem aussichtslosen Listenplatz 44, die Grünen-Ratsfrau Viola Czerwonka auf Platz 53.

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