Berlin RB Leipzig: Für Liebe gibt es keinen Pokal
Leipzig feiert seinen ersten Titel mit einer widerstandsfähigen Leistung im Endspiel gegen Freiburg. Dem Retortenclub fliegen aber auch weiterhin nicht die Herzen zu
Da saß Domenico Tedesco nun wie der sprichwörtlich begossene Pudel. Die Stimmung des Trainers von RB Leipzig passte allerdings nicht zum Sprachbild. Tedesco war einfach nur „überglücklich“ über den Gewinn des DFB-Pokals und konnte entsprechend gut mit der Bierdusche seiner Spieler währende der Presskonferenz leben. In einem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Finale in Berlin hatte seine Mannschaft den SC Freiburg mit 4:2 im Elfmeterschießen niedergerungen, nachdem es nach 120 Minuten 1:1 gestanden hatte.
Dass die Leipziger beim weitaus größten Teil aller Fußballfans nicht auch der Sieger der Herzen sein können, stand schon vorher fest. Die Sympathien waren klar verteilt im Duell aufstrebender Retortenclub gegen badischen Traditionsverein mit diesem sympathisch-kauzigen Trainer. Und wer die 120 Minuten plus x im Olympiastadion miterlebte, konnte ohne weitere Umschweife sagen: zu Recht. Freiburg präsentierte sich im ersten Pokalfinale seiner Geschichte samt und sonders des Anlasses würdig.
Leipzig flogen und fliegen auch weiterhin nicht die Herzen zu, aber der erste Titel der kurzen Vereinsgeschichte steht ab jetzt natürlich trotzdem auf dem Briefkopf. Insofern ist die teils trotzige Freude von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, Trainer Tedesco und Co. durchaus nachvollziehbar. Ganz nüchtern betrachtet, hatten sie sich diesen Sieg im Finale auch durchaus verdient.
Wie der Coach anmerkte, waren alle knappen Entscheidungen gegen seine Mannschaft ausgefallen. Vor dem 1:0 der Freiburger durch Maximilian Eggestein (19.) hatte Roland Sallai den Ball mit der Hand berührt – der Treffer zählte (zu Recht). Kurz vor dem Ende hätte es nach dem Ausgleich des gewohnt starken Christopher Nkunku (76.) Elfmeter für Leipzig geben können, doch Schiedsrichter Sascha Stegemann entschied sich auch nach Ansicht der Bilder dagegen. Hinzu kam, dass RB nach dem völlig berechtigten Platzverweis gegen Marcel Halstenberg (57.) rund eine Stunde in Unterzahl agierte.
Die personell besser aufgestellten Leipziger, bei denen Spieler wie Nordi Mukiele, Dominik Szoboszlai und Dani Olmo von der Bank kamen, waren bissig, zeigten Widerstandsfähigkeit und einen bemerkenswerten Zusammenhalt. Nicht zu verachten ist außerdem der Faktor Glück, wie allein drei Freiburger Aluminiumtreffer in der Verlängerung belegen.
Im Elfmeterschießen verwandelten Nkunku, Willi Orban, Olmo und Benjamin Henrichs dann beeindruckend sicher, während für Freiburg nur Keven Schlotterbeck und Nils Petersen verwandelten. Christian Günter zielte über das Tor, und der Versuch von Ermedin Demirovic prallte von der Unterkante der Latte zurück ins Feld. „Dieser Elfmeter ist irgendwie symptomatisch“, meinte Streich.
Tedesco wusste natürlich auch, dass etwas Glück zum Titelgewinn gehörte, merkte aber auch mit Blick auf seinen Vorgänger an: „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, sie hat extreme Widerstandsfähigkeit gezeigt. Ich habe immer wieder betont, dass wir damals im Dezember eine intakte Mannschaft vorgefunden haben. Jesse Marsch hat die Mannschaft so hinterlassen, zwei Pokalrunden bestritten, auch er hat einen großen Anteil.“
Direkt nach dem Sieg hatte Tedesco noch richtig Ärger gehabt. Von einer Person auf der Freiburger Bank habe ihm nach dem Platzverweis während des Spiels kurzzeitig „purer Hass“ entgegen geschlagen. Nach dem Spiel kam es zu einem weiteren Aufeinandertreffen, das nicht zur Beruhigung beitrug. Tedesco solle sich „verpieseln und feiern“, habe es geheißen, woraufhin der Trainer eine abfällige Geste machte. Als er dann biergeduscht bei der Pressekonferenz saß, war die Sache vor allem mit Streich aber aus der Welt geschafft.
Um Sympathien der Fans in ganz Deutschland muss sich RB ja eher keine Gedanken machen – oder wie es Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ausdrückte: „Wer es immer noch nicht kapiert hat, dass RB Leipzig ein fester Bestandteil des deutschen Fußballs ist, dem ist nicht mehr zu helfen – und denen wollen wir auch nicht mehr helfen.“ In der Ahnengalerie der Pokalsieger stehen die Leipziger nun in jedem Fall, ebenso wie im Goldenen Buch ihrer Stadt. Dort durften sie sich nach einer Partynacht in Berlin eintragen – vermutlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein.