Berlin  Kapitulation oder Eskalation: Was passiert, wenn Putin den Krieg verliert?

Jakob Patzke
|
Von Jakob Patzke
| 21.05.2022 07:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Russlands Präsident Putin hält weiter am Krieg in der Ukraine fest. Foto: imago images/SNA
Russlands Präsident Putin hält weiter am Krieg in der Ukraine fest. Foto: imago images/SNA
Artikel teilen:

Während der Westen die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützt und Russland mit wirtschaftlichen Sanktionen belegt, steht Kreml-Chef Wladimir Putin mit dem Rücken zur Wand. Kann der Präsident noch gesichtswahrend aus dem Konflikt kommen? Der Harvard-Politologe Graham Allison hat eine dunkle Vorahnung.

In einem Punkt dürften sich wohl die meisten Menschen einig sein: Wladimir Putin hat sich den Einmarsch seiner Truppen in die Ukraine ganz anders vorgestellt. Statt einer Einnahme innerhalb weniger Tage wehren sich die Ukrainer nun seit mittlerweile knapp drei Monaten gegen die russische Invasion. Die westlichen Staaten haben sich vom Kreml-Chef abgewandt, unterstützen die Ukraine mit Waffen und arbeiten an einer Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen.

Die Lage könnte für Putin kaum düsterer aussehen, dennoch hält er an seinem Vorhaben fest: die Einnahme der Ukraine. Umso mehr stellt sich die Frage, ob der russische Präsident überhaupt noch eine Chance hat, den Krieg aufzugeben, ohne sein Gesicht zu verlieren. Oder bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Flucht nach vorn zu wagen? In einem Interview mit dem „Spiegel“ spekuliert der Harvard-Politologe Graham Allison darüber, wie ein Ende des Ukraine-Krieges für Putin aussehen könnte.

Allison greift darin die Frage auf, ob Putin ein Ende der Auseinandersetzungen überhaupt überleben würde. „Ich glaube, er geht zu Recht davon aus, dass er im Fall einer eindeutigen Niederlage die Macht und wahrscheinlich auch sein Leben verlieren wird“, erklärt der Politologe. Seiner Ansicht nach würde Putin als der Mann in die russische Geschichte gehen, der die Ukraine verloren und vermutlich zu einer Erstarkung des Westens beigetragen hat. Dies könne nicht in seinem Interesse sein.

Der Harvard-Politologe glaubt jedoch nicht, dass ein solches Ende ohne weitreichende Konsequenzen bleiben würde. „Wenn wir ihn [Putin, Anm. d. Red.] vor die eindeutige Alternative stellen, alles zu verlieren oder ein Risiko einzugehen, müssen wir mit dem Einsatz einer taktischen Atomwaffe rechnen“, fürchtet Allison. Ein solcher Akt könne schnell 20.000 bis 50.000 tote Menschen zur Folge haben.

Gerade deshalb hält es der Politologe für wichtig, dem russischen Präsidenten einen guten Grund zu geben, den Krieg in der Ukraine zu stoppen. „Etwas, aus dem er für sich selbst und für die Russen eine Geschichte spinnen kann“, so Allison. Dies könne etwa über eine Kontrolle des Donbass oder eine Landbrücke zur Krim gehen. Möglich sei auch das Argument, dass die Ukraine für die nächsten 15 Jahre kein Nato-Mitglied wird. Gleichzeitig merkt Allison an: „Wir freilich werden wissen, dass Putin eine strategische Niederlage erfährt.“

Ähnliche Artikel