Hamburg Nach Enthüllungsvideo: ProSieben prüft rechtliche Schritte gegen Ex-GNTM-Kandidatin Lijana
Kurz vor dem Finale der 17. Staffel Germany’s Next Topmodel veröffentlicht Ex-Kandidatin Lijana Kaggwa ein Enthüllungsvideo. Wie viele Frauen vor ihr spricht sie von Mobbing, Manipulation und psychischer Gewalt. Nun meldet sich ProSieben erstmals zum den Vorwürfen.
In diesem Artikel erfährst Du:
„Mein erstes YouTube-Video nach so langer Zeit und dann gleich eins, für das ich verklagt werde.“ Lijana Kaggwa nippt an einem Glas Rotwein und beginnt mit ernster Miene in die Kamera zu sprechen. Die 25-Jährige war 2020 Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel und hat in der Vergangenheit bereits häufiger Vorwürfe gegen ProSieben erhoben. Allerdings nie in der Ausführlichkeit wie in ihrem aktuellen YouTube-Video.
Lesen Sie weiter unten ein Update zu den Ereignissen. Unserer Redaktion gegenüber bestätigte ProSieben, dass man juristische Schritte gegenüber der Ex-GNTM-Kandidatin Lijana prüfe.
„Wir Models stehen unter einer Schweigepflicht“, sagt Lijana. „Teile dieser Schweigepflicht umgehe ich heute. Das hat vor mir, glaube ich, noch keine Germany’s Next Topmodel gemacht. Das heißt, in diesem Video werdet ihr Sachen erfahren, die euch vom Stuhl hauen.“
Hier kannst Du das Video von Lijana anschauen:
Um welche Sachen es geht, lässt sich durch ihre Kurzbeschreibung zum Clip erahnen: „Selbstzweifel, Suizid Gedanken, Polizeischutz. Die traurige Wahrheit hinter GNTM.“ Konkret behauptet Lijana in dem 28-minütigen Enthüllungsvideo, dass die „Mädels“ wie „Gefangene“ gehalten wurden. Kein Fernsehen, kein Handy, kein Spaziergang – sonst drohte wohl der Rausschmiss. Die Produktionsteams schnitten die Interviews so zusammen, dass die Aussagen aus dem Kontext gerissen wurden. Lijana behauptet zudem, dass die Füße einzelner Models mit Creme eingeschmiert wurden. Schwere Stürze bei Catwalks waren so programmiert.
Die heute 25-Jährige bekam bei ihrer Teilnahme die Chance, in das Finale einzuziehen. Doch noch während der Live-Sendung gibt sie ihren freiwilligen Ausstieg bekannt – wie vor ihr bereits Vanessa Stanat (2019), gefolgt von Ashley Amegan (2021).
Weil Lijana in der Show als Zicke dargestellt wurde, litt sie nach Ende der Dreharbeiten unter Cybermobbing. „Ich erhielt Morddrohungen, mein Hund wurde versucht zu vergiften, ich wurde auf offener Straße bespuckt, beleidigt und schlussendlich bekam ich Polizeischutz“, schreibt sie unter ihr YouTube-Video.
Das Video von Lijana schlägt große Wellen. Das Model ist nicht die erste, die Vorwürfe gegen den Sender erhebt. Show-Liebling der diesjährigen Staffel Sophie gibt auf TikTok ebenfalls einen kleinen Einblick hinter die Kulissen: Eine „taff“-Moderatorin soll ihr während eines Interviews Aussagen in den Mund gelegt haben, um das Model als Ghetto-Girl darzustellen.
Hier kannst Du anschauen, wie taff anscheinend das Interview mit Sophie manipuliert haben soll:
Auch Simone Kowalski, GNTM-Gewinnerin von 2019, spricht öffentlich über Mobbing in Zusammenhang mit der Show. Auf ihrem Instagram-Account schreibt sie: „Mein Name, Beruf, Familie und ich selbst werden konstant zerstört […] Mir wird mein Mund verboten und um es deutlich zu machen, habe ich Angst.“ Simone löst ihren Vertrag bei ONEins fab – der Agentur von Heidi Klums Vater Günther Klum – auf, wie vor ihr schon andere GNTM-Models: Die Siegerin von 2011 Jana Beller verschwand komplett aus der Öffentlichkeit und vertreibt heute mehrere Backshops. Auch Jacky Wruck, Siegerin von 2020, beendete die Zusammenarbeit kurz nach dem Finale.
Hier siehst Du das Instagram-Profil von Jacky Wruck, Simone Kowalski hat ihr Profil mittlerweile gelöscht:
Viele weitere „Mädels“ deuten an, dass es bei ProSieben wohl Schwierigkeiten in Sachen falsche Berichterstattung und Mobbing gäbe. Sie alle haben aber scheinbar das gleiche Problem: Der Vertrag des Senders sieht es nicht vor, über die Produktion der Modelshow zu sprechen. Lijana Kaggwa hat sich nun dazu entschlossen, teilweise diese Schweigepflicht zu sprechen.
Auf Anfrage unserer Redaktion äußert sich GNTM-Sprecherin Tina Land zu den Vorwürfen des Models: „Lijana scheint in ihrer Aufregung ein paar Dinge vergessen oder vertauscht zu haben. Nicht zuletzt für sie und mit ihr hat ProSieben während der Staffel eine Anti-Cybermobbing-Kampagne imitiert. Während der Staffel haben Lijana viele Experten unterstützt. Unter anderem die ProSieben-Konzernsicherheit in Zusammenarbeit mit der Polizei, das ProSieben-Künstlermanagement in Form von Geldzuschüssen und ein Psychologe, der sich auch noch nach dem Finale um sie gekümmert hat. Das sie jetzt, zwei Jahre danach, so unzufrieden ist, überrascht uns. Wir wünschen Lijana alles Gute für die Zukunft.“
Dass vor den Catwalks die Füße der Kandidatinnen eingecremt wurden, sei ebenfalls nicht richtig. „Nein. Das ist Quatsch und eine grobe Unterstellung. Wer wie wo und warum sich die Füße eingecrem hat, ist kein Geheimnis. Im Gegenteil: Das war Bestandteil von Folge eins in der Staffel, an der Lijana teilgenommen hat“, antwortet Tina Land und verweist dabei auf die Episode, die auf „Joyn“ zu streamen ist.
Ebenfalls nicht richtig sei die Aussage von Liljana, dass Aussagen der Models sinnentstifftend geschnitten werden. „Nein. Die Kandidatinnen antworten das, was sie antworten möchten. Und was bei #GNTM passiert, passiert“, schreibt die GNTM-Sprecherin. Falsch sei auch, dass die Produktion und nicht Heidi Klum über das Weiterkommen der Kandidatinnen entscheidet: „Heidi Klum entscheidet, wer weiterkommt und wer gewinnt. Dabei lässt sich Heidi Klum von Gastjuroren beraten.“ Drohen Liljana nun rechtliche Schwierigkeiten? „Wer wissentlich nicht die Wahrheit sagt, darf sich diese Sorgen machen. ProSieben prüft derzeit juristische Schritte“, so Land.
Das Finale der 17. Staffel wird live am Donnerstag um 20.15 Uhr auf ProSieben ausgestrahlt.