Osnabrück  Deshalb wird es ab 1. Juni zu Engpässen an Tankstellen kommen

Sven Stahmann
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Von Sven Stahmann
| 20.05.2022 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schon früh morgens kann es am 1. Juni zu vielen Staus vor Tankstellen kommen. Foto: IMAGO / lausitznews.de
Schon früh morgens kann es am 1. Juni zu vielen Staus vor Tankstellen kommen. Foto: IMAGO / lausitznews.de
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Ab dem 1. Juni gilt der Tankrabatt, wodurch Benzin und Diesel günstiger werden. Der Geschäftsführer vom Zentralverband des Tankstellengewerbes erklärt, warum sich Tankstellen darauf nicht richtig vorbereiten können und warum manche Tanks leer bleiben werden.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) geht davon aus, dass es aufgrund des Tankrabatts ab 1. Juni zu Schlangen vor Tankstellen kommen könnte. Auch Jürgen Ziegner, Geschäftsführer vom Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG), ist der Meinung, dass sich das nicht verhindern lässt. “Das bestehende Personal an den Tankstellen wird darauf vorbereitet”, antwortet Ziegner auf die Frage, was Tankstellen im Vorfeld dafür tun können, damit ein Chaos ausbleibt. Das Problem: Es ist nicht genug Personal vorhanden, um beispielsweise den Verkehr an den Zapfsäulen zu regeln.

Verbraucher sollten sich laut Ziegner dennoch überlegen, Ende Mai zu tanken, damit ein größeres Chaos an Deutschlands Tankstellen Anfang Juni ausbleibt. Der Tankrabatt, der für drei Monate gelten soll, soll über die Senkung der Energiesteuer geschaffen werden. Dadurch reduziert sich der Steuersatz bei Benzin um 29,55 Cent pro Liter, bei Diesel um 14,04 Cent pro Liter reduziert. Dabei geht die Steuerbelastung sogar noch weiter zurück, weil auf den entfallenden Teil der Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer mehr fällig wird. 

Grafik: So hat sich der Spritpreis seit April 2020 entwickelt

Wie das Bundesfinanzministerium bestätigte, liegt die steuerliche Entlastung insgesamt also bei 35,2 Cent pro Liter Benzin und 16,7 Cent pro Liter Diesel. Diesen Betrag müssen Autofahrer an den Zapfsäulen dann jeweils weniger bezahlen. Viele werden aufgrund der sinkenden Preise also versuchen, bis Ende Mai nicht nachtanken zu müssen. “Es wird wahrscheinlich so sein, dass viele leere Autotanks auf viele leere Tanks der Tankstellen treffen werden”, sagt Ziegner. 

Aber warum sind die Tanks an den Tankstellen leer? “Der Sprit in den Tankstellen-Tanks ist bereits versteuert. Der Sprit in den Raffinerien und in den sogenannten Steuerlagern ist hingegen noch nicht versteuert”, erklärt der ZTG-Geschäftsführer. In dem Moment, wenn die Tankstelle die Kraftstoffe geliefert bekommt, muss sie diese versteuern - bis Ende Mai also noch zu den regulären, höheren Steuersätzen. 

Ziegner rechnet vor: Tankstellen haben Tanks, die bis zu 120.000 Liter Kraftstoff fassen. Wenn diese noch bis Ende Mai mit dem ungefähr 30 Cent höher besteuerten Benzin aufgefüllt werden, haben Tankstellen einen Verlust von 40.000 Euro, sobald Autofahrer die dann günstigeren 120.000 Liter erst im Juni tanken. Daher warten auch die Tankstellen mit dem Auffüllen ihrer Tanks bis zum 1. Juni.

“Ganz viele Tankwagen werden dann an Raffinerien warten, um die Tanks an den Tankstellen wieder aufzufüllen”, sagt Ziegner. Aber auch hier gibt es ein Problem. Sowohl Tankstellen, die von großen Mineralölgesellschaften betrieben werden - beispielsweise Aral oder Shell - als auch privat geführte Tankstellen, haben nicht genügend Tankwagenfahrer zur Verfügung, um die Tanks schnell aufzufüllen. Dadurch wird es laut Ziegner einigen Tankstellen Anfang Juni an Kraftstoff fehlen.

Den Fehler sieht der ZTG-Geschäftsführer beim Bundesfinanzministerium. Dieses habe es nicht möglich gemacht, dass Tankstellen Ende Mai zu höheren Preisen einkaufen, um dann im Nachhinein eine Erstattung zu bekommen. Mit digitalen Formularen hätte Ziegner das aber für möglich gehalten. “Dann wären alle Tanks voll gewesen”, sagt er.

Ende August erwartet Ziegner ein gegenteiliges Szenario. Dann würden die Autofahrer selbst für wenige Liter an die Zapfsäule fahren und auch die Tankstellen würden alles versuchen, um die Tanks vollzuladen.

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