Herausforderende Situation  In Emden leben jetzt 429 ukrainische Kriegsvertriebene

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 19.05.2022 16:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Menschen aus der Ukraine sind von Polen weiter nach Deutschland geflohen. In Emden leben derzeit mehr als 400 Geflüchtete, hauptsächlich Frauen und Kinder. Foto: Hock/Archiv
Viele Menschen aus der Ukraine sind von Polen weiter nach Deutschland geflohen. In Emden leben derzeit mehr als 400 Geflüchtete, hauptsächlich Frauen und Kinder. Foto: Hock/Archiv
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Die Stadt Emden hatte früh angesprochen, dass zu viele Ukraine-Flüchtlinge auf einmal die Verwaltung überlasten könnten. Ein Hilferuf wurde vom Innenministerium erhört.

Emden - In Emden leben derzeit 429 aus der Ukraine vertriebene Menschen. 70 Prozent der Aufnahmequote für die Stadt sind damit erfüllt. Das sagte Kerstin Snakker am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Emder Rates. Sie ist Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Soziales. Zwischenzeitlich habe man Schwierigkeiten gehabt, die Menschen schnell aufzunehmen und unterzubringen. Am Anfang seien einmal beispielsweise innerhalb von acht Tagen 75 Geflüchtete eingetroffen.

Da habe die Stadt Kontakt zum Innenministerium aufgenommen und auch eine schriftliche Antwort bekommen. „Seitdem ist mehr Ruhe reingekommen“, so Snakker. Wie lange das anhalte, sei aber unklar. Das Ministerium, das die Aufnahmequote vom vergangenen Jahr, als sie 148 betrug, auf 825 Menschen für Emden angehoben hatte, habe eingelenkt. Im vergangenen Jahr habe die Stadt schon mehr als ihre Quote erfüllt, das wurde ihr angerechnet. Außerdem habe die Stadt auch noch Geflüchtete aus anderen Ländern aufgenommen. „Wir sind jede Woche dabei, die Menschen dezentral unterzubringen“, sagte sie.

Cassens-Villa als Wohnquartier eingerichtet

Im Aufnahmezentrum in der ehemaligen Barenburg-Schule sollen bis Ende der Woche weniger als 40 Personen wohnen. „Wir wollen, dass die Menschen nicht lange im Aufnahmezentrum sind“, sagte sie. Zehn bis 14 Personen seien dort in relativ kleinen Räumen untergebracht, eine Privatsphäre sei kaum gegeben. „Es ist doch etwas anderes, wenn man seine eigenen vier Wände hat.“

Deswegen sei jetzt auch die ehemalige Cassens-Villa im Stadtteil Larrelt zum dauerhaften Wohnquartier für ukrainische Frauen und ihre Kinder geworden. „Es läuft wirklich gut dort, sie wurden gut in die Dorfgemeinschaft aufgenommen“, so die Fachbereichsleiterin. Es gebe viel Zuspruch. Die Familien würden von Flüchtlingssozialarbeitern und Ehrenamtlichen weiter betreut.

Wohnungsknappheit nimmt zu

Die Stadt hatte gleich zu Beginn der Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine „massiv Wohnungen akquiriert“ für die dezentrale Unterbringung der Menschen. Andy Danneker, Vertreter der Evangelisch-reformierten Gemeinde Emden im Ausschuss, brachte die Knappheit des Wohnraums in Emden zur Sprache. Andere Personengruppen, die auf günstige Wohnungen angewiesen seien, könnten benachteiligt werden, wandte er ein. Er habe schon 2015 „viele Gespräche“ mit Menschen führen müssen, die sich benachteiligt gefühlt hätten. „Der Wohnraum wird immer knapper“, sagte Stadtrat Volker Grendel. Beispielsweise eine Turnhalle für die Geflüchteten zu verwenden, sei aber „menschenunwürdig“.

Kerstin Snakker betonte, dass die Stadt für die Wohnungen, die sie für Geflüchtete anmiete, nicht mehr zahle. Man arbeite klar mit der „Angemessenheitsgrenze“. Das verzerre den Markt also nicht. Grendel brachte als „zweite Strömung“, die Druck auf den Wohnungsmarkt in Emden ausübe, das Anlaufen des neuen ID-Modells im VW-Werk an. Zusätzliche Mitarbeiter würden dafür nach Emden kommen, die ebenfalls untergebracht werden müssten. „Erst hieß es, es kommen 1000 Leute, dann 500, jetzt sind schon mal 100 hier“, sagte er. Es sei schlecht abzusehen, wann noch wie viele kämen. „Das macht es nicht leichter.“ Es sei eine herausfordernde Situation, „das muss man sich eingestehen“.

Auf Nachfrage, wie viele unbegleitete Kinder nach Emden geflüchtet sind, sprach Snakker von nur einem. Es war mit deutlich mehr gerechnet worden. Die Stadt hatte in einer Infoveranstaltung potenzielle Pflegefamilien angesprochen. Mehr als 60 hätten sich gemeldet und rund 30 seien jetzt geprüft. „Das werden wir weiter vorhalten“, sagte Grendel.

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