Sylt  „Bares für Rares“: Sylt-Gemälde wechselt für stolze Summe den Besitzer

Lea Pischel
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Von Lea Pischel
| 19.05.2022 14:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Colmar Schulte-Goltz (48), Kunsthistoriker und Experte bei „Bares für Rares“, zeigte sich begeistert von dem Sylt-Gemälde. Foto: ZDF/Bares für Rares
Colmar Schulte-Goltz (48), Kunsthistoriker und Experte bei „Bares für Rares“, zeigte sich begeistert von dem Sylt-Gemälde. Foto: ZDF/Bares für Rares
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In der Sendung „Bares für Rares“ wollte Karin Bunke ihr Sylt-Gemälde „Blaue Stube“ verkaufen. Über den Preis hatte die 63-Jährige eine ungefähre Vorstellung, doch am Ende wurde sie von den Händlern überrascht.

Das Bild stamme aus dem Erbe ihrer Patentante und sie habe es schon als Kind gemocht, erzählte Karin Bunke aus Sehlde (Landkreis Wolfenbüttel) zu Beginn der Sendung. „Aber es passt bei mir nicht so rein, wir sind ein bisschen moderner“, erklärte sie den Verkaufsgrund. Das Alter des Bildes schätzte die ehemalige Steuerfachangestellte auf über 100 Jahre.

Da traf es sich, dass Colmar Schulte-Goltz, Kunsthistoriker und Experte bei „Bares für Rares“, das Gemälde kannte. „Blaue Stube“ lautet nach seinen Angaben der Titel des Bildes, das im Kapitänshaus „Altfriesisches Haus“ auf Sylt entstanden ist und heute als Museum vom Sylter Heimatverein, der Sölring Foriining, betreut wird. Zu sehen ist ein Alkoven (Bettnische), davor sitzt eine Frau neben einer Babywiege.

Der Künstler ist Ernst Kolbe, Berliner Spätimpressionist, der unter anderem an der Kunstakademie in Berlin studierte. „Er hat sehr viele Reisen unternommen und diese vielen Reisen haben ihn vor allem in Gegenden geführt wo er historische Bauten und auch Landschaften gemalt hat. Eine dieser Reisen hat ihn auch nach Sylt geführt“, sagte der Experte. Von diesem Sylt-Motiv, das vermutlich um 1908 entstanden ist, existieren demnach mehrere.

In einem perfekten Zustand sei das Bild aber nicht, sagte der ZDF-Experte in der Sendung. Unter anderem sei es verformt, es fehle Farbe und an einer Stelle sei es übermalt worden, zudem fehle der Original-Rahmen, der durch einen neuen ersetzt wurde. „Das Bild muss gereinigt werden und einen neuen Firnis bekommen.“

Doch trotz der zahlreichen Alterserscheinungen schätzte Schulte-Goltz das Ölbild von Brunke als wertvoller ein, als gedacht. „Weil es ein bestimmter Ort und sogar ein bestimmtes Haus und noch dazu ein bestimmtes Zimmer ist, gibt es einen Anlass bei ganz vielen Herrschaften, das Bild interessant zu finden“, sagte er. Hinzu komme der Sylt-Vorteil.

Statt der von Brunke erhofften 500 Euro ging Colmar Schulte-Goltz von einer Expertise von 1200 bis 1500 Euro aus – trotz des Zustands. „Ich bin sprachlos, das es doch so viel wert ist, hätte ich nicht gedacht“, sagte die Verkäuferin.

Dass der gemalte Ort bekannt ist und noch immer besichtigt werden kann, sei ein wichtiger Aspekt, bestätigten auch die Händler. Mit mäßigen 250 Euro starteten sie in die Gebote-Runde. Vier der fünf anwesenden Händler boten mit. Nur Walther Lehnert (55) hielt sich raus.

Es kam zum Bieter-Duell zwischen Julian Schmitz-Avila und Wolfgang Pauritsch (50), der ebenfalls als Kunsthändler arbeitet. Kopf an Kopf schmetterten sie sich die Gebote für das Kolbe-Gemälde hin und her, gingen in 50-Euro-Schritten über 1000 Euro. Am Ende setzte sich Wolfang Pauritsch mit 1450 Euro durch.

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