Gesundheitsversorgung Geplante Emder Rettungswache steht vor neuen Problemen
Eigentlich sollten die Arbeiten bei der neuen RKSH-Wache in Emden schon starten. Noch vor dem ersten Spatenstich gibt es aber erneut Probleme. Eine Lösung ist in Sicht.
Emden - Der Baubeginn für die neue Emder Rettungswache verschiebt sich weiter nach hinten. Der private Rettungsdienst RKSH, der derzeit noch seine Station an der Wolthuser Straße hat, will eigentlich so schnell wie möglich umziehen. Die Hoffnung bestand sogar, dass das in diesem Jahr passieren könnte. Doch: Vor dem ersten Spatenstich häufen sich die Probleme. Aktuell geht es darum, dass eine Fachfirma zur Sondierung des Bodens auf Kampfmittel schwer zu finden ist, bestätigt Geschäftsführer Holger Rodiek auf Nachfrage dieser Zeitung.
Was und warum
Darum geht es: Emden soll eine neue Rettungswache bekommen. Das gestaltet sich aber schwierig.
Vor allem interessant für: Personen, die in Emden irgendwann mal auf den Rettungsdienst angewiesen sein könnten, Gesundheitsinteressierte
Deshalb berichten wir: Eigentlich sollte auf dem Grundstück an der Petkumer Straße schon einiges passieren. Da das nicht so ist, haben wir beim RKSH nachgefragt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
„Mein subjektiver Eindruck ist, dass die Firmen auch keine Langeweile haben“, sagt Rodiek. In der Baubranche insgesamt sei derzeit schließlich viel zu tun. Und: Es gebe einfach auch nicht so viele Fachfirmen für Bodensondierungen. Zwei Angebote lägen ihm jetzt auf dem Schreibtisch, ein drittes soll noch in den kommenden Tagen eintreffen. „Dann müssen wir entscheiden, was am wirtschaftlichsten ist und welche Firma am schnellsten starten kann“, sagt der Geschäftsführer. Er gehe dann davon aus, dass die Bodenuntersuchungen über den Sommer stattfinden könnten. Es gebe zwar Verzögerungen, aber er sei weiterhin „guter Hoffnung“. Er gehe jetzt erst einmal davon aus, dass die „wirklichen Arbeiten an der Wache noch in diesem Jahr starten können“, sagt er.
21 Bombenflüge über Grundstück
Das Grundstück an der Petkumer Straße in Hafennähe ist kein gewöhnliches, was die Verdachtspunkte für Kampfmittel angeht. War man zunächst davon ausgegangen, dass es womöglich einen Blindgänger auf dem Gelände sowie zwei verdächtige Stellen links und rechts davon geben könnte, sieht das nach einem neuen Gutachten ganz anders aus, so Rodiek. Die Deutsche Bahn hatte dieses in Auftrag gegeben, weil sie oberhalb des RKSH-Areals ein Unterwerk erneuern wolle. Luftbilder der Alliierten von dem Bereich zeigen nun auf, dass wahrscheinlich bis zu 21 Bombenflüge über dem Gelände stattgefunden haben. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Rodiek.
Das Risiko sei nun natürlich „sehr viel größer, dass noch sehr viel mehr im Boden sein könnte“. Da auf dem Gelände allerdings - wie fast überall in Ostfriesland - aufgrund des weichen Bodens gerammt werden müsse für den Bau, müsse die gesamte Fläche erst einmal gründlich untersucht werden. Insgesamt 476 Sondierungslöcher müssen dafür gebohrt werden. Weil mögliche Blindgänger über die Jahre abgesackt sein könnten, wird bis in eine Tiefe von acht bis zehn Metern gebohrt. Das Kuriose: Sollten Kampfmittel gefunden werden, zahlt der Bund die Entnahme, den Abtransport und die Vernichtung. Allerdings nur bei Bomben der Alliierten. Handelt es sich um deutsche Waffen, die vielleicht in einem Fluggefecht über Heimatboden abgeworfen wurden, muss es der Grundstückseigentümer zahlen.
Kosten sollen im Rahmen bleiben
Die neue Wache soll zu fast hundert Prozent von den Krankenkassen bezahlt werden. Rodiek ist aber noch optimistisch, was mögliche höhere Kosten für die Sondierungen angeht. „Wir werden gucken, wie wir mit dem vereinbarten Geld alles realisiert kriegen“, sagt er. Obwohl mit den Krankenkassen die Kostenfrage geklärt werden musste, hätten sie bei der Detailplanung nicht mehr die Finger im Spiel. „Der Part liegt auf meinem Schreibtisch“, sagt er.
Schon seit 2016 gibt es ein Hin und Her um die neue Rettungswache. Damals hatte der RKSH das Grundstück bereits erstanden. Die Verhandlungen zwischen RKSH, der Stadt Emden als Auftraggeberin des Rettungsdienstes und den Krankenkassen waren zäh und hatten sich hingezogen. Insbesondere die Größe der neuen Wache hatte zu Diskussionen geführt. Der RKSH speckte zweimal die Pläne ab. Im vergangenen Jahr fiel dann überraschend der Startschuss. Die Arbeiten sollten im Januar beginnen. Außer Gestrüpp-Beseitigung ist auf dem Gelände bislang aber nichts passiert.
Holger Rodiek hält trotz der erneuten Rückschläge an dem Areal fest. „Es gibt strategisch keinen besseren Standort“, sagt er. Die Autobahn sei „um die Ecke“ und damit der Ring um die Stadt, genauso die Innenstadt und der Hafen, schnell geht es Richtung Borssum. Die jetzige Wache ist seit 1985 als Provisorium in einer ehemaligen Tankstelle untergebracht. Wegen Platzmangels war 2020 bereits die Geschäftsstelle zusammen mit Schulungsräumen und dem Essensdienst des Anbieters an den Schweckendieckplatz gezogen. An der Petkumer Straße soll die „reine“ Wache stehen und das nur als Erdgeschoss-Bau.
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