Ökologische Station: Der große Wurf? Jeder fünfte Wiesenbrüter ist Ostfriese
Landwirte und Naturschützer haben nicht nur gute Erfahrungen miteinander gemacht. Bei der Ökologischen Station, die im Rheiderland entstehen soll, wollen sie zusammen etwas für die Umwelt tun.
Rheiderland - Tausende Hektar Natur mit riesigen Vogelschwärmen, weiten Wiesen, flachen Seen und naturnahen Mooren gibt es in Ostfriesland, gerade das Rheiderland ist beliebt bei Uferschnepfen und Co. – und hier soll eine neue Ökologische Station entstehen.
Was und warum
Darum geht es: Schutzgebiete auszuweisen reicht nicht, damit es der Natur gut geht. Naturschützer, Landwirte, Waldbesitzer, Jäger, Behörden: Bei Ökologischen Stationen will man alle zusammenholen.
Vor allem interessant für: die, die sich für die Natur interessieren.
Deshalb berichten wir: Im Rheiderland soll eine neue Ökologische Station entstehen. Wir wollten wissen, was das heißt. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Hier sollen alle Akteure an einen Tisch kommen – Jäger, Waldbesitzer, Landwirte, Naturschützer und Behörden – und gemeinsam überlegen, wo die Probleme liegen und Lösungen aushecken, mit der alle Seiten leben können. Großer Wurf für den Artenschutz nennen es die einen, die anderen haben ihre Skepsis gerade erst überwunden.
Was sind Ökologische Stationen?
Um der Frage auf den Grund zu gehen, was die Rheiderländer mit einer Ökologischen Station erwarten könnte, wenn es mit der Förderung klappt, hilft ein Blick in den Kreis Aurich. Dort gibt es die Ökologische Nabu-Naturschutzstation Ostfriesland. Michael Steven vom Nabu leitet sie. Seit einigen Jahren ist man dort dabei, die sogenannten Natura-2000-Gebiete zu betreuen. Das sind rund 20.000 Hektar schützenswerter Seen-, Marsch- oder Moorgebiete in Aurich, Wittmund und Emden. Arten wie der Moorfrosch sollen erhalten bleiben. Nun steht die Förderung für eine weitere Station im Rheiderland in Aussicht. Im Rahmen des „Niedersächsischen Weges“ will das Land Niedersachsen 15 weitere Stationen fördern.
Der Niedersächsische Weg ist eine bundesweit einmalige Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik. Das Papier verpflichtet alle, konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz umzusetzen. Die Ökologischen Stationen werden vom Nabu geführt, auf Augenhöhe ist das Landvolk beteiligt und auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Leer. Naturschützer, Landwirte und Politik haben gemeinsam ein Konzept ausgeklügelt.
Was will man angehen?
„Es sollen drei Mitarbeiter tätig sein, zum Beispiel Biologen“, erklärt Michael Steven, der die Naturschutzstation Ostfriesland im Kreis Aurich leitet. Ein großer Teil der Arbeit werde wohl der Wiesenvogelschutz einnehmen. Insgesamt gibt es im Kreis Leer rund 17.000 Hektar, um die man sich kümmern müsse. Von Kolk und Wald über Moor bis hin zu Wiesen und Binnendünen. Wie in den vergangenen sechs Jahren in Aurich wolle man zukünftig bei der Station im Kreis Leer schauen, wo der Hase im Pfeffer liege, so Stevens. Es reiche nicht, Schutzgebiete auszuweisen, man müsse sich kümmern.
„Wir schauen uns an, warum es der Natur nicht gut geht. Dann geht es darum, mit den Flächenbesitzern ins Gespräch zu gehen. Wenn man Maßnahmen gefunden hat, mit denen alle leben können, ist es noch immer eine Frage des Geldes. Zum Beispiel, wenn ein Bagger zur Pflege ran muss“, so Steven. Mit den Anträgen für die Förderung habe der Nabu Erfahrung. „Dann kann allerdings auch zum Beispiel die Jägerschaft die Leitung eines Projektes übernehmen.“
Gemeinsame Sache: Naturschutz und Landwirtschaft?
„Wir haben die neue Station zunächst skeptisch gesehen“, sagt Rudolf Bleeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für den Kreis Leer. Ob es unbedingt noch eine Station geben müsse, neben der Naturschutzstation Ems in Terborg, der Naturschutzstation Fehntjer Tief in Ihlow und der Nabu-Station Ostfriesland in Wiegboldsbur habe man zunächst in Frage gestellt. „Wir haben diese Auffassung geändert“, sagt er. Man habe gemeinsame Lösungen für die geplante neue Station erarbeitet. Gleichzeitig sei die Entscheidung, mit Naturschützern zusammenzuarbeiten, bei einigen Mitgliedern des Landwirtschaftlichen Hauptvereins umstritten: „Nach Jahrzehnten der Kämpfe ist das so. Auch aufseiten der Naturschützer gibt es sicherlich diejenigen, die das nicht gerne sehen“, sagt er. Es sei allerdings eine Frage des Vertrauens und das wolle man nun aufbringen. „Jeder fünfte Wiesenvogel in Deutschland ist Ostfriese, da haben wir natürlich eine Verantwortung“, sagt er.
Lange Zeit habe man große Areale unter Wasser gesetzt und die Landwirtschaft weitestgehend ausgeschlossen, um Naturschutz zu betreiben. „Mittlerweile ist klar, dass solche Gebiete überwuchern und Raubtiere und -vögel anziehen. Damit ist den Wiesenbrütern nicht geholfen. Natürlich brauchen sie ihre Rückzugsorte, aber es braucht auch Flächen, die intensiver genutzt werden“, sagt er. Es gebe zum Beispiel Flächen, die Landwirte im Frühjahr vernässten und sie erst mähten, wenn die Wiesenvögel mit ihrer Aufzucht durch seien. „Der Nabu kann zum Beispiel auch eine Drohne bieten, um die Nester zu suchen“, ergänzt Steven. Sie könnten, wenn nötig, weggebracht werden. Wenn nun eine Fläche unbedingt zu einem gewissen Zeitpunkt gemäht werden muss.