Vierte Ossiloop-Etappe Tolle Stimmung und eine farbenfrohe Inklusion
An der Spitze gab es nichts Neues, aber die Stimmung in Aurich zog die Läuferinnen und Läufer in ihren Bann. Auch einige Teilnehmer der Läufer der Werkstätten für behinderte Menschen waren begeistert.
Aurich - An der Spitze ließen die beiden Tofavoriten auch auf der vierten Etappe überhaupt nichts anbrennen. Andreas Kuhlen (Braunschweiger LC) und auch Katharina Saathoff (Braunschweiger LC) holten sich auf der Strecke von Egels/Popens zum Auricher Marktplatz den vierten Etappensieg in Serie. Während Saathoff mit über vier Minuten Vorsprung wieder sehr deutlich vorne lag, war diesmal Johannes Wiltfang (Pewsumer Windhunde) der stärkste Konkurrent. Am Ende behielt Rekord-Etappensieger Kuhlen aber mit vier Sekunden die Oberhand.
In der Auricher Innenstadt kam schon wieder so etwas wie altbekannte Ossiloop-Stimmung auf. Viele Zuschauer säumten die Strecke und feuerten die Läuferinnen und Läufer lautstark an. Verständlicherweise wurden noch nicht die Zahlen aus den „Vor-Corona-Jahren“ erreicht, aber auch Organisator Edazrd Wirtjes zeigte sich sehr zufrieden.
Im neongrünen Dress
Die Läufer der Werkstätten für behinderte Menschen Aurich-Wittmund kann man gut an ihren neongrünen T-Shirts erkennen. Seit einigen Jahren nimmt die inklusive Laufgruppe am Ossiloop teil – und das mit Erfolg. „Das ist eine wirklich tolle Sache. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich“, sagt Joachim Remmers im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 59-Jährige arbeitet im berufsbildenden Bereich der Werkstatt in Burhafe und koordiniert das Laufprojekt gemeinsam mit seinem Kollegen Hermann Rößing.
Zweimal wöchentlich trainieren die Beschäftigten und Mitarbeiter der Behindertenwerkstätten für verschiedene Wettkämpfe. Vor Corona habe die Gruppe an bis zu 35 Wettkämpfen im Jahr teilgenommen, sagt Joachim Remmers. In diesem Jahr stand für Sportler neben dem Ossiloop – dort sind 19 Teilnehmer von ihnen gelistet – bisher der Citylauf in Papenburg und der Harlingerland Waldcrosslauf an.
Manchen rennen wie die Weltmeister
Etwa die Hälfte der Teilnehmer hat eine körperliche oder geistige Einschränkung. Das tut der sportlichen Leistung aber keinen Abbruch, sagt Joachim Remmers lachend: „Ich komme immer etwas später ins Ziel als die jungen Bengels. Manche rennen wie die Weltmeister. Die sind dann immer ganz stolz und zeigen mir ihre gelaufene Zeit.“
Einer von ihnen ist Pasquale Hammers. Er ist seit etwa drei Jahren Teil der inklusiven Laufgruppe und hat nach wie vor viel Spaß an der Sache. „Das ist immer eine richtig tolle Auszeit. Da kann ich mich auspowern. Erst recht, wenn ich mal einen schlechten Tag hatte, kann ich mich mit dem Sport ablenken“, erklärt der 21-Jährige, der aktuell im Berufsbildungsbereich der Behindertenwerkstätten tätig ist.
Schicksale liegen am Herzen
Die Schicksale seiner Schützlinge liegen Joachim Remmers am Herzen. Viele von ihnen hätten nicht nur aufgrund ihrer Behinderung ein Päckchen zu tragen. Auch Alkohol, Drogen und schwierige familiäre Verhältnisse gehörten zum Alltag. „Wir versuchen, sie mit dem Laufen davon wegzubringen, ihnen eine gute Alternative zu bieten. Das klappt zum Glück echt gut“, berichtet der 59-Jährige stolz und fügt hinzu: „Das ist so ein tolles Gefühl, wenn die glücklich über die Ziellinie laufen.“
Auch für Remmers selbst ist das Laufen eine Wohltat. „Bevor ich vor vier Jahren meine Stelle angenommen habe, war ich gar nicht sportlich gewesen. Aufgrund eines Schlaganfalls war ich zwei Jahre zuhause.“ Nachdem er während einer Reha eine Behindertenwerkstatt besucht hatte, bewarb sich der damals 55-Jährige auf eine freigewordene Stelle in Burhafe. Hermann Rößing ermutigte ihn dann wenig später, an der Laufgruppe teilzunehmen – eine Entscheidung, die Remmers nicht bereut: „Für meine Gesundheit ist das echt top und es macht einfach super viel Spaß“, sagt er.
Zieleinlauf beeindruckend
„Vor allem der Zieleinlauf war beeindruckend. Wir konnten die Stimmung auf der Strecke sogar teilweise aufsaugen. Jetzt genießen wir noch ein bisschen die Atmosphäre und freuen uns auf ein verdientes Bierchen“, meinte Remmer. Für ihn, Pasquale Hammers und die anderen knapp 900 Ossilooper geht es am Dienstag mit der fünften Etappe weiter. Die vorletzte Teilstrecke führt sie von Plaggenburg nach Dunum.