Schutz vor Hochwasser Nein, die Zentralklinik säuft nicht ab
Was passiert mit der geplanten Zentralklinik, wenn es einmal regnet wie im vergangenen Sommer im Ahrtal? Zwei Ingenieure geben Antworten. Sie schauen auch in die Nachbarschaft.
Südbrookmerland - Selbst wenn es in Südbrookmerland zu einem Jahrhunderthochwasser wie im vergangenen Sommer im Ahrtal kommen sollte, steht die geplante Zentralklinik in Uthwerdum hoch und trocken. Das ist die Kernaussage des Diplom-Ingenieurs und Landschaftsarchitekten Georg von Luckwald (Hameln), dessen Büro im Auftrag des Landkreises Aurich ein Entwässerungskonzept für das Krankenhaus entwickelt. Das neue Klinikum für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden soll 2028 eröffnet werden. Von Luckwald und sein Kollege Gerd Borstelmann erläuterten am Donnerstagabend dem Umwelt- und dem Bauausschuss des Rates Südbrookmerland die Planung.
Das 814-Betten-Haus wird in einem Gebiet errichtet, das für die Entwässerung von großer Bedeutung ist, dem sogenannten nassen Dreieck – was Naturschützer kritisieren. Durch die zusätzliche Versiegelung werde die Entwässerung erschwert, erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Plangebiet gilt jedoch nicht als Hochwasser-Risikogebiet im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes, sonst dürfte dort nicht gebaut werden. Zum Schutz vor Überschwemmung wird das Krankenhaus auf einer zwei Meter hohen Warft errichtet, einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel.
Vorfluter muss verlegt werden
Das künftige Klinik-Grundstück ist von Entwässerungsgräben durchzogen. In Geländesenken sammelt sich regelmäßig Wasser. Der Uthwerdumer Vorfluter als Hauptentwässerungsstrang quert die Baufläche und muss daher nach Norden verlegt werden. „Dieses Gewässer ist dem Projekt im Wege“, sagte von Luckwald. Die beiden Ingenieure erklärten, dass sich durch die Umstrukturierung des Gewässernetzes die Situation für die angrenzende Siedlung in Teilen sogar verbessern werde. Um den Abfluss des Niederschlagswassers vom Klinikgelände in die Umgebung zu verzögern, seien Regenrückhaltebecken, Dachbegrünung, eine Flutmulde und Außenanlagen geplant.
Obwohl es im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren nicht vorgeschrieben sei, habe man bei der Planung auch ein Jahrhunderthochwasser wie 2021 im Ahrtal simuliert, sagte von Luckwald. Angenommen wurde eine Regenmenge von 200 Litern pro Quadratmeter binnen 24 Stunden. Selbst in diesem Fall bliebe das Klinikgebäude nach den Berechnungen der Ingenieure vom Hochwasser verschont und über die Bundesstraße erreichbar. Um die Warft herum würde das Wasser auf 75 Zentimeter Höhe steigen. Im Ahrtal sei die Situation durch das Gefälle verschlimmert worden. Die Ausgangslage in Ostfriesland sei günstiger, sagte von Luckwald. „Selbst bei einem Deichbruch würde die Klinik nicht überspült.“
Kritiker können Stellung nehmen
Außerdem wurde Starkregen simuliert, wie es ihn im vergangenen September in Moordorf gegeben hatte: mit 100 Litern pro Quadratmeter binnen zwei Stunden. Ergebnis: Auch ein solches Ereignis würden das Gebäude und die angrenzende Siedlung unbeschadet überstehen. Die Untersuchungen der Ingenieure sind noch nicht abgeschlossen. An dem Konzept werde weiter gefeilt, sagte von Luckwald. Bis August soll die wasserrechtliche Planung abgeschlossen sein. Dann werden die Pläne öffentlich ausgelegt, und Kritiker wie die Naturschutzverbände können Stellung nehmen.
Zu den Zuhörern am Donnerstagabend gehörte auch der Bürgermeister der Gemeinde Südbrookmerland. Thomas Erdwiens (FWG) vertraut der Kompetenz des Architekturbüros: „Sämtliche Szenarien sind ja durchgespielt worden.“ Deshalb müsse man sich um die Entwässerung und die Sicherheit der angrenzenden Siedlung keine Sorgen machen. Ansonsten sei er wie die meisten Zuhörer von den vielen Fakten ein wenig erschlagen worden, sagte Erdwiens: „Es ging viel um Wasser, aber die Materie war sehr trocken.“
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