Berlin Warum Elon Musk Twitter auch ohne Übernahme komplett in der Hand hat
Von außen betrachtet wirkt Elon Musk bei der milliardenschweren Twitter-Übernahme wie ein Amateur. Doch unabhängig davon, ob der Deal am Ende klappt oder nicht: Twitter hat bereits verloren.
Eines muss man Elon Musk lassen: Mit ihm wird es einfach nicht langweilig. Aus heiterem Himmel und per Tweet legt er seine Twitter-Übernahme kurzerhand auf Eis und schickt die Twitter-Aktie damit auf Talfahrt; der Kurs bricht um bis zu 25 Prozent ein. Der lächerliche Grund: Angeblich müsse Musk erst genau wissen, wie viele Fake-Profile das Netzwerk tatsächlich hat.
Von außen betrachtet wirkt der Tesla-Chef zunehmend wie ein Amateur. Denn Musk hatte tatsächlich auf die übliche Prüfung der Twitter-Bücher verzichtet, bevor er rund 44 Milliarden Dollar für das Unternehmen bot. Doch niemand sollte glauben, dass die Zahl der Fake-Konten der wahre Grund für Musks Zögern ist. Wahrscheinlicher ist, dass er taktiert.
Das eigentliche Problem: Dem Milliardär fliegt offenbar die Finanzierung des Deals um die Ohren. Die beruht nämlich zum Großteil auf Tesla-Aktien, die jedoch haben seit der Verkündung der Twitter-Übernahme mehr als 25 Prozent an Wert verloren. Dieser Gegenwert fehlt dem Unternehmer nun in der Rechnung. Vieles deutet darauf hin, dass Musk nun einen Grund sucht, um den Preis für die Übernahme zu drücken – oder ganz aus dem Deal auszusteigen.
Unabhängig davon, wie die Sache am Ende ausgeht: Klar ist, dass Elon Musk Twitter auch ohne Übernahme bereits vollständig in der Hand hat. Ausgerechnet mit seinen Tweets kann Musk den Aktienkurs des Unternehmens nach Belieben rauf und runter schicken. Sollte der reichste Mensch der Welt tatsächlich noch den Daumen senken und die Übernahme scheitern, wird Twitters Aktienkurs komplett abstürzen. Das wiederum würde den Übernahmepreise deutlich senken – und dann wäre klar, das der Geschäftsmann Elon Musk eben doch kein Amateur ist.