Krippenpläne in Wiesmoor  Stadt plant Kindergarten-Umbau trotz Übernahme-Plänen des Kreises

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 13.05.2022 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ähnlich in der Krippengruppe des neuen Kindergartens „Tiddeltopp“ in Wiesmoor soll auch in dessen bisherigen Räumen eine Gruppe für die Kleinsten eingerichtet werden. Foto: Cordsen/Archiv
Ähnlich in der Krippengruppe des neuen Kindergartens „Tiddeltopp“ in Wiesmoor soll auch in dessen bisherigen Räumen eine Gruppe für die Kleinsten eingerichtet werden. Foto: Cordsen/Archiv
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Gut eine halbe Million Euro investiert die Stadt Wiesmoor in den Umbau des alten „Tiddeltopp“-Gebäudes. Eine wichtige Frage ist aber noch offen.

Wiesmoor - Ab September sollen wieder Kinder durch das ehemalige Gebäude des Kindergartens „Tiddeltopp“ an der Mullberger Straße in Wiesmoor toben. Die Einrichtung selbst ist im vorigen Herbst in einen 2,7 Millionen Euro teuren Neubau an der Wittmunder Straße gezogen und konnte am Freitag erstmals nach langer Corona-Pause ihr Eltern-Café ausrichten. Das bisherige Gebäude wird jetzt aber umgebaut und soll ans benachbarte „Kinnerhuus an’t Markt“ angebunden werden. Eine Krippengruppe für 15 Kinder soll dort künftig einziehen. Neu errichtet wird ein Gebäude mit einer Mensa und einer Küche, über das beide Einrichtungen miteinander verbunden werden. Gut eine halbe Million Euro hat die Stadt Wiesmoor, der das Haus längst gehört, dafür veranschlagt. Doch wie geht es mit den Planungen weiter – nun, wo der Landkreis Aurich die Hoheit über alle gut 130 Kindertagesstätten in seinem Gebiet übernehmen will?

Was und warum

Darum geht es: Trotz Übernahmeplänen des Landkreises Aurich plant die Stadt Wiesmoor eine neue Krippengruppe

Vor allem interessant für: Familien mit kleinen Kindern aus dem Landkreis Aurich, insbesondere aus Wiesmoor

Deshalb berichten wir: Der Landkreis Aurich möchte die Trägerschaft für die Kitas im Gebiet übernehmen. Das wirft die Frage auf, ob das Einfluss auf die laufenden Planungen für eine neue Krippengruppe in Wiesmoor hat.

Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de

„Eltern brauchen Planungssicherheit“

Wiesmoors Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) versichert: „Wir brauchen die Krippe, egal wer am Ende Träger sein wird. Der Bedarf ist groß, und das sind wir unseren Eltern schuldig. Entsprechend halten wir selbstverständlich an unseren Plänen fest. Alles andere wäre nur zum Nachteil der Kinder und Familien in unserer Stadt.“ Die Planungen der Stadt waren schon vorangeschritten, bevor der Landkreis mit dem umstrittenen Vorhaben vorpreschte, künftig die Trägerschaft für alle Kitas zu übernehmen. „Das ändert aber ja nichts daran, dass wir Eltern haben, die einen Krippenplatz für ihre Kinder benötigen. Die brauchen Planungssicherheit, denen haben wir zugesagt, Deswegen gehen wir da weiter voran“, sagt Lübbers.

Dies ist auch im Sinne des Landkreises. Der betont auf Anfrage, „dass wir die Gemeinden im Kreisgebiet auch schriftlich ausdrücklich dazu aufgefordert haben, ihre Sanierungs-, Aus- sowie Neubauplanungen und deren Umsetzung uneingeschränkt weiterzuverfolgen. Keinesfalls darf die Diskussion um die Trägerschaft zu Verzögerungen bei Bauvorhaben führen“, so Sprecher Rainer Müller-Gummels.

Pläne für Heizungsanlage geändert

Wiesmoors Bürgermeister Sven Lübbers betont, man gehe mit dem Umbau auch neue Wege: Aktuell habe man im Verwaltungsausschuss der Stadt beschlossen, die neue Einrichtung statt wie bisher mit einer Erdgas-Heizung mit einer Luft-Wärme-Pumpe auszustatten. „Das ist natürlich schon etwas teurer, aber bislang haben wir bei den Kosten keine nennenswerten Ausreißer“, sagt Lübbers. Um die Kosten im Rahmen zu halten, haben auch Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs zahlreiche Arbeiten übernommen. Dessen Leiter Johann Burlager sagt: „Wir haben neue Durchbrüche geschaffen, weil wir für die Krippenkinder eine andere Aufteilung sinnvoller fanden. Auch Maurerarbeiten haben wir übernommen.“ Eine Fußbodenheizung ist inzwischen unter Estrich verlegt worden. Dafür, wie auch für Putzarbeiten, sind Aufträge vergeben worden. „Und wir bereiten jetzt gemeinsam mit dem Architekten die weiteren Ausschreibungen vor“, sagt Burlager. Das Obergeschoss, in das künftig die Verwaltung der Einrichtung einziehen soll, wird renoviert. Zudem soll das Gebäude, das aus den 1970er Jahren stammt, besser gedämmt werden und neue Fenster erhalten.

Kostenfragen sind noch zu klären

Inhaltlich möchte Bürgermeister Lübbers die Pläne des Kreises, die Trägerschaft zu übernehmen, nicht bewerten – auch wenn er im Einklang mit allen Bürgermeistern der Städte und Kommunen im Kreis Aurich betont hatte, man würde die Aufgabe gern weiter übernehmen. „Es hat inzwischen Gespräche gegeben, es soll eine Machbarkeitsstudie geben. Wir warten jetzt die Ergebnisse ab.“

Definitiv zu klären wäre für den Fall der Übernahme durch den Kreis die Kostenfrage: Kauft der Landkreis sämtliche Einrichtungen – und wenn ja, wie finanziert er das? Wird er Mieter – und wenn ja, entstehen dadurch zusätzliche Kosten für die Betreuung, obwohl Gebäude in öffentlicher Hand der Städte oder Gemeinden sind? Dies ist etwa beim bisherigen „Tiddeltopp“-Gebäude der Fall, das der Stadt Wiesmoor gehört. Lübbers verweist auf die noch laufenden Gespräche. „Vielleicht kommen wir als Stadt auch selbst als freier Träger infrage“, sagt Lübbers. Der Landkreis versichert: „Ein finanzielles Risiko für die Kommunen wird unsererseits nicht gesehen, da der Landkreis bei Übernahme der Betriebsverantwortung für die Kindertagesstätten mindestens die jährlich anfallenden Kapitalkosten für die in Anspruch zu nehmenden Kita-Gebäude tragen würde. Konkreteres hierzu bleibt den Verhandlungen zwischen Landkreis und Kommunen vorbehalten.“

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