Es geht nicht ums Geld Was fehlt dem Tierschutz im Kreis Leer?
Wer Hund oder Katze findet, ist auf die Hilfe von Tierschützern angewiesen. Hunderte Fundtiere landen im Kreis Leer im Jahr bei Heimen und Vereinen. Wie lange geht das noch gut?
Rheiderland - Plötzlich hockt da ein felliges Wesen und man möchte helfen: Wer einen Hund oder eine Katze findet, ist auf die Menschen angewiesen, die sich im Kreis Leer um den Tierschutz kümmern. Immer wieder kam es wohl vor, dass sich Personen beschwerten, die ein Tier aufgefunden haben, weil sie umherirrten, ehe sie jemanden finden konnten, der ihnen hilft. Das beschrieb die Gruppe SPD/Grüne/Linke im Landkreis Leer in einem Antrag und brachte damit das Thema Tierschutz auf den Tisch im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umwelt, Natur, Verkehr und Klima.
Was und warum
Darum geht es: Hunderte Fundtiere gibt es jährlich im Kreis Leer. Wer Hund oder Katze findet, kann sich an mehrere Stellen wenden. Nicht immer ist es so einfach, einen Ansprechpartner zu finden.
Vor allem interessant für: Tierfreunde
Deshalb berichten wir: In der Politik wurde über das Thema gesprochen. Wir haben bei Tierschützern nachgefragt, was sie brauchen. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Generell gibt es mehrere Anlaufstellen im Kreisgebiet, wenn man ein Tier findet: Die Fundbüros der Städte und Gemeinden, die Tierheime in Jübberde, Stapelmoor und auf Borkum, die von Tierschutzvereinen betrieben werden. Zusätzlich gibt es kleinere ehrenamtliche Vereine ohne Tierheime wie zum Beispiel Bunte Kuh (Leer) den Tierschutzverein Pfötchen Notdienst (Westoverledingen) und die Streunerkatzen Rheiderland (Bunde). Die kleineren Vereine sind im Gegensatz zu denen mit Tierheimen keine Vertragspartner der Kommunen und bekommen somit keine sogenannten „Fundtieranzeige“ durch die Ordnungsämter ausgestellt und bleiben so auf den Kosten sitzen, heißt es im Antrag. Die Aufgabe des Tierschutzes werde auf die Vereine „abgewälzt“. Stimmt das? Oder fehlt es an anderer Stelle?
Fachpersonal gesucht
Es geht nicht nur ums Geld: Da ist man sich beim Tierheim Stapelmoor und beim Verein Streunerkatzen Rheiderland einig. „Natürlich wird alles teurer. Tierfutter, Strom, Lohn - das geht auch nicht spurlos an uns vorbei“, sagt Tierheimleiterin Iris Holzapfel. Dennoch sei das dringendste Problem, Fachpersonal zu finden, um ein Tierheim zu führen. „Wir sind äußerst dankbar für unsere Ehrenamtlichen, aber ohne mehr Fachpersonal können wir das hier nicht schaffen.“ 15 Fundhunde und 75 -katzen aus dem Rheiderland hat das Tierheim 2021 aufgenommen. Aus der Umgebung noch weitere. „Das waren schon mehr, wir hoffen, dass die Kastrationspflicht und die vielen Aktionen und Aufrufe helfen“, sagt sie.
Es würde bereits etwas Druck wegnehmen, wenn die Tiere gechippt und registriert würden, so Holzapfel. „Man muss das Tier selbst registrieren, das übernimmt nicht der Tierarzt“, sagt sie. Dank Facebook fänden dennoch viele Tiere den Weg zurück nach Hause. Damit alle Tierheime besser erreichbar werden, wolle man sich bald an einen Tisch setzen. In Jübberde wurden 22 Fundhunde und 240 -katzen aufgenommen.
Anerkennung wäre wichtig
Drei Katzen haben bereits Nachwuchs bekommen, bei dreien steht es noch aus und die Saison hat gerade erst begonnen, so beschreibt Andrea Pastoor die Lage beim Verein Streunerkatzen Rheiderland. „Immer wieder kommen vernachlässigte Tiere zu uns. Werden sie alt oder krank wollen die Menschen sie nicht mehr und lassen sie einfach zurück“, sagt sie. Der Verein mit fünf Pflegestellen nehme zwar nicht so viele Katzen auf, wie das nahegelegene Tierheim in Stapelmoor, „aber wir vermitteln jedes Jahr rund 130“, sagt sie. Teilweise seien sie bei ihnen auf die Welt gekommen, teilweise aufgenommen worden.
„Man bekommt das Gefühl, dass es die Kommunen nicht sehr interessiert“, sagt sie. Dabei gehe es ihr nicht ums Geld, das der Verein investieren muss, ob beim Tierarzt oder für die Verpflegung. „Wir wünschen uns, dass zum Beispiel die Kastrationspflicht kontrolliert wird“, sagt sie. Damit könne das Leid vieler Tiere verhindert werden. „So viel können auch die Tierheime sonst nicht aufnehmen“, sagt sie. „Selbst wenn wir Personen kennen, die ihrer Pflicht nicht nachkommen, vielleicht sogar Katzen über Anzeigen verkaufen, interessiert das niemanden, hat man das Gefühl“, sagt sie. Es müsse ein Umdenken bei den Menschen geben. „Es werden einfach zu viele ausgesetzt und sich selbst überlassen. Keiner fühlt sich zuständig. Das muss aufhören“, sagt sie.