Ossiloop Von Kuhlens Ossiloop-Rekord und einem jubelnden Letzten
Es ist Halbzeit beim diesjährigen Ossiloop. Die Favoriten stehen an der Spitze. Und wer kommt als Letzter ins Ziel? Wir haben den 80-Jährigen besucht.
Holtrop - Sichtlich gequält schleppte sich Katharina Saathoff am Dienstagabend bei der dritten Ossiloop-Etappe in Holtrop ins Ziel. „Das war ‚Stirb langsam‘ für mich. Ich habe schon echt gekämpft“, sagte die 21-jährige Moormerländerin, die auch diesmal wieder mehrere Minuten vor der zweitschnellsten Frau (Verena Coordes) ins Ziel kam. Der Abstand auf das Spitzenquartett um Seriensieger Andreas Kuhlen war aber deutlich größer als bei den vorherigen beiden Etappen – er betrug fast viereinhalb Minuten. „Ich bin die ersten vier Kilometer gut durchgekommen, aber dann wurde mir echt schlecht, mein Magen hat sich umgedreht. Ich habe einfach nur gehofft, irgendwie ins Ziel zu kommen – und nicht ins Gebüsch zu müssen.“
Gut eine Stunde später als Katharina Saathoff – aber wesentlich glücklicher – kam Magnus Müller nach den 11,95 Kilometern auf dem Dorfplatz in Holtrop an. Auf den letzten Metern riss der 80-Jährige aus Poghausen die Arme hoch, lächelte. „Da kommt der Magnus – auch schon seit Jahren mitgelaufen. Begrüßt ihn lautstark“, sagte der genesene, bunt gekleidete Moderator Heino Krüger. Es war die letzte Läuferanmoderation an diesem Abend. Denn Magnus Müller war wie schon bei den vorherigen Etappen der langsamste der gestarteten 872 Läuferinnen und Läufer. „Ich wäre heute gerne etwas schneller gewesen, aber ich bin stolz, dass ich es geschafft habe“, sagte Magnus Müller. „Die Platzierung ist mir total egal.“ Viel wichtiger ist für ihn, überhaupt dabei zu sein und Spaß beim Laufen zu haben.
Immega als Rekord-Etappenseriensieger abgelöst
Magnus Müller ist die Konstante ganz hinten im Teilnehmerfeld – Andreas Kuhlen ist sie ganz vorne. Für den Athleten des Braunschweiger Laufclubs war der Etappensieg am Dienstag dennoch ein ganz besonderer, es war nämlich der 21. in Folge. Damit hat sich Kuhlen den alleinigen Ossiloop-Rekord geschnappt. Am vergangenen Freitag hatte Kuhlen mit dem bisherigen Rekordhalter Stephan Immega, der von der zweiten Etappe 2005 bis zur dritten Etappe 2008 insgesamt 20 Etappensiege in Folge geholt hatte, gleichgezogen. Andreas Kuhlen gewinnt auch dritte Etappe und stellt Rekord auf
Tammo Oldigs bricht den ostfriesischen Marathon-Rekord
Zwei Überraschungen beim Ossiloop-Finale
Ostfriesin ist beste Amateurläuferin Deutschlands
Stephan Immega ist seit Jahren nicht mehr beim Ossiloop dabei – im Gegensatz zu Magnus Müller. Der 80-Jährige ist zwar eigentlich im Ruhestand, aber an Ruhe ist für ihn noch lange nicht zu denken. „Ich bin den ganzen Tag auf unserem Hof auf den Beinen“, sagte er. Zwar hat sein Sohn Ralph vor ein paar Jahren die Verantwortung in dem landwirtschaftlichen Betrieb übernommen, aber „ohne Opa geht gar nichts“, sagte auch seine Frau Folene. Für ein paar Dinge nimmt sich der 80-Jährige aber trotzdem Zeit. Da wäre etwa der Ossiloop oder auch das Gespräch mit unserer Zeitung.
Erster Marathon mit 72 Jahren
Müller kam erst relativ spät zum Laufsport. „Ich habe mit 58 angefangen, Fußball in der Alten-Herren-Mannschaft zu spielen“, erinnerte er sich. Die wurde aber irgendwann aufgelöst und eine Alternative musste her: „Als ich 62 war, habe ich dann die Laufschuhe geschnürt.“ Regelmäßig läuft der Landwirt seitdem im Heseler Wald und macht bei Volksläufen mit. 2003 stand sein erster Ossiloop an. „Viermal bin ich ihn ganz gelaufen und in den Jahren zwischendurch hab ich auch mal nur Einzeletappen mitgenommen.“ Doch damit nicht genug: Müller lief auch bei Halbmarathons und Marathons in ganz Deutschland mit. „Meinen letzten Marathon bin ich mit 72 gelaufen“, sagte er stolz.
„Beim Laufen schalte ich ab, da hab ich einen freien Kopf“, antwortete Magnus Müller auf die Frage, was ihm am Laufen so viel Freude bereitet. Er fügte hinzu: „Außerdem bleibt man fitter, wenn man in Bewegung bleibt.“ Mit 80 Jahren noch bei Volksläufen teilzunehmen, ist keine Selbstverständlichkeit, das weiß auch der Landwirt aus Poghausen. „Ich bin total dankbar dafür. Das ist wirklich ein Geschenk Gottes. Viele in meinem Alter laufen mit dem Gehstock oder sind gar nicht mehr da.“
Vom Hof direkt an den Start
2020 und 2021 hatte Müller am Ossiloop anners teilgenommen. „Das war auch nicht schlecht. Man konnte direkt vor der Haustür starten und ich bin immer meine Lieblingsrunde über Großoldendorf gelaufen, wo meine Mutter geboren wurde.“ Dieses Jahr will Müller wieder alle sechs Etappen schaffen. „Wenn sie mich denn hier vom Hof lassen“, fügte er lachend hinzu. Für Magnus Müller ging es nämlich auch am Dienstag direkt vom Stall an die Startlinie, nachdem er die Kühe mit Futter versorgt hatte.
Die Hälfte der sechs Etappen in diesem Jahr haben Magnus Müller und die anderen Ossilooper nun geschafft. Am Freitag geht es mit der vierten Etappe in Aurich weiter.