Hamburg Dua Lipa: Wieso kann ich nicht ausgelassen feiern?
Dua Lipas langersehnter Tournee-Auftakt in Hamburg war ein gigantisches Show-Feuerwerk. Zwei Jahre haben ihre Fans auf diesen Auftritt warten müssen, auch ich. Doch beim Bad in der Menge merke ich, dass mich die lange konzertfreie Zeit irgendwie verändert hat.
In diesem Artikel erfährst du:
In Hamburg sind Auftritte großer Musikstars eigentlich fester Bestandteil eines Kalenderjahres. Seit Jahren aber galt das pandemiebedingt nicht mehr. Viele Künstler mussten ihre Konzerte in der Hafenmetropole verschieben und ihr Publikum vertrösten. Auch die britisch-kosovarische Sängerin Dua Lipa, die gerade auf einer beispiellosen Erfolgswelle schwebt.
Die Zeit hat sie aber sichtbar gut genutzt. Ihre „Future Nostalgia“ Show wirkt perfekt arrangiert, ihre Kleider harmonieren mit dem futuristischen Bühnenbild. Eines ihrer Designer-Kostüme ist mit 120.000 Brillianten besetzt. Und singen kann sie sowieso wie keine Zweite. Das zeigt sich spätestens beim Hit „Be The One“ – einem ihrer ersten Songs mit mehr Oktaven als Strophen.
Um mich herum tanzen die meisten Leute anderthalb Stunden durch. Kaum jemand trägt mehr eine Maske, an Abstand ist auch nicht zu denken. In der ganzen Halle sind die Pandemie-Verhaltensmuster nur noch freiwillig. Die Menschen in Hamburg haben sich nach Abenden wie diesen gesehnt. Einige Outfits junger Besucher stehen den Kostümen auf der Bühne in nichts nach. Dua Lipas Auftritt ist der erste internationale Act seit Langem, der die Massen in die Barclays Arena zieht.
Meine Vorfreude war entsprechend groß. Und obwohl die wiedergewonnene Freiheit ohne Maskenpflicht und Abstand das Konzerterlebnis wieder lockerer macht, fühle ich mich seltsam gehemmt. Die Energie schwappt nicht auf mich über, obwohl ich Livemusik liebe und mich gerne dazu bewege. Ich frage mich: Müsste ich nicht euphorischer sein, mehr aus mir herausgehen?
Ich schaue mich um, blicke durch die tanzenden Körper hindurch und sehe: Manchen anderen scheint es ähnlich zu gehen. An der Stimmung im Saal und der grandiosen Performance liegt es nicht. Es ist vielmehr eine innere angezogene Handbremse, die ich zunächst nicht ergründen kann.
Zwei Jahre lang habe ich nicht mehr in so einem vollen Saal gestanden und mich treiben lassen. Eine Leichtigkeit kommt in mir auch deshalb nicht auf, weil ich den Kontakt zu anderen unterbewusst wohl immer noch lieber meide. „Let’s get physical“ hieß es für mich in einer Menschenmenge aus Sorge, sich mit Corona zu infizieren, schon lange nicht mehr.
Zwei Momente fangen meine Gedanken wieder ein und machen mir Hoffnung, dass mich meine Konzertlust nicht verlassen hat. Als die 26-Jährige auf einem Seilplateau durch die Halle fliegt, reißt es mich doch von den Sitzen. Und bei der stimmungsvollen Ballade „Boys Will Be Boys“ zücken alle im Publikum ihre Smartphonelichter. Ich schließe mich an und genieße es, Teil eines großen Ganzen zu sein. Die Stimmung packt mich und ich merke, dass es wohl nur etwas Zeit und noch weitere Konzerte braucht, um mich der Atmosphäre letztlich wieder so hingeben zu können wie vor der Pandemie.