Bauwerke in Leer Was wird aus der Stadtvilla der Kreishandwerkerschaft?
Die Kreishandwerker haben einen neuen Standort in Leer gefunden. Auch in Wittmund ist man umgezogen. Nun beginnt der Neustart ohne die repräsentativen Gebäude.
Leer - Es ist eine schmucke Stadtvilla, die in der Neuen Straße 8 steht. Mit ihrem gelblichen Stein ist sie auffällig und bietet einen tollen Blick über die Rathausbrücke. Und dennoch wird das Gebäude demnächst verkauft werden. „Das Gebäude sticht da schon heraus. Wegen unserer Insolvenz im Jahr 2019 müssen wir es aber verkaufen“, sagt Bastian Wehr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Leer-Wittmund.
Was und warum
Darum geht es: Die Kreishandwerker stellen sich neu auf. Dazu gehört der Verkauf der alten Standorte
Vor allem interessant für: Alle, die wissen wollen, was aus der Stadtvilla wird.
Deshalb berichten wir: Die Kreishandwerker haben einen neuen Standort in Leer gefunden Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Die Villa wurde im Jahr 1887 als Wohngebäude errichtet und steht komplett unter Denkmalschutz. Sie bietet drei Geschosse und einen Keller. Im hinteren Bereich ist zudem ein Parkplatz angelegt. Vier Wohneinheiten stehen in dem etwa 380 Quadratmeter großen Gebäude zur Verfügung. Besonders die helle Fassade ist in dem Gebiet ungewöhnlich. Die meisten Gebäude im Umfeld sind nämlich rot verklinkert. „Der Verkaufsprozess wird demnächst starten“, so Wehr. Gerade für seine zwei Mitarbeiterinnen sei die Trennung von dem repräsentativen Bau in der Innenstadt hart gewesen. „Die beiden arbeiten seit 20 beziehungsweise 30 Jahren für die Kreishandwerkerschaft. Die Trennung fiel schwer“, sagt Wehr.
Standort in Wittmund ist bereits verkauft
Auch in Wittmund unterhalten die Kreishandwerker einen Standort. Doch auch dort ist das ursprüngliche Gebäude nicht mehr in ihrem Besitz. „Das wurde bereits verkauft und es wird dort eine Arztpraxis einziehen. Schön ist, dass der Name ,Haus des Handwerks` bleiben soll“, so der Geschäftsführer. Dazu, wie viel Geld bei dem Verkauf der Gebäude herauskam, kann er aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens nichts sagen. Sehr wohl aber zur Zukunft der Kreishandwerker.
„Wir schauen nach vorn und machen unsere Arbeit ganz normal weiter“, betont Wehr. Dazu gehört auch, dass man sich weder aus Leer noch aus Wittmund zurückzieht. In Wittmund teilt man sich nun Räumlichkeiten mit dem Wirtschaftsförderkreis Harlingerland in der Osterstraße. Auch in Leer hat man neue Räumlichkeiten gefunden. In der Konrad-Zuse-Straße 16 haben die Kreishandwerker ein neues zu Hause gefunden. „Den Standort hier in Leer habe ich durch Zufall gefunden. Schön ist, hier ist alles neu“, so Wehr.
Fokus auf den Auftrag
Neben dem Geschäftsführer sind eine Assistentin und eine Buchhalterin bei den Kreishandwerkern beschäftigt. Zudem hat am Montag eine weitere Assistentin ihre Arbeit aufgenommen. „Bisher musste ich mich stark mit dem Insolvenzverfahren und den neuen Räumlichkeiten befassen. Jetzt fokussieren wir uns mehr auf die inhaltliche Arbeit“, betont Bastian Wehr.
Dazu gehört: Künftig werden keine Projekte mehr angeschoben. Diese waren ein Grund dafür, dass die Kreishandwerkerschaft in die Insolvenz gerutscht war. Man wolle sich in Zukunft wieder mehr auf die alten Werte und die eigentlichen Stärken berufen. „Wir sind ein Dienstleister für das selbstständige Handwerk“, erklärt der Geschäftsführer. Dabei geht es um die Beratung von Unternehmen, die Abnahme von Gesellenprüfungen und die Kontaktvermittlung. „Wir sind klein und agil. Unser Ziel ist es, Lösungen zu finden für die Probleme der Betriebe. Dabei wollen wir als verlässlicher Ansprechpartner auftreten“, so Wehr.
Dazu gehöre auch, dass man bei möglichen Problemen entweder direkt helfen könne oder einen Ansprechpartner finde, der helfen kann. Dabei habe auch die Coronapandemie in gewisser Weise geholfen, da die Betriebe nach verlässlichen Informationen dazu suchten, wie die Arbeitsregelungen sind. „Diese Infos konnte ich brühwarm an unsere Betriebe weitergeben bevor sie sich die Infos selber suchen mussten“, sagt der Geschäftsführer. Auch in Zukunft will er die Betriebe in der Region so schnell über Änderungen informieren, wie es geht. „Darüber hinaus wollen wir wissen, welche Bedarfe die Unternehmen wirklich haben, um sie dabei unterstützen zu können“, sagt er. Jetzt gilt es aber erst einmal die letzte Altlast, die repräsentative Stadtvilla in Leer abzuwickeln. „Das passiert mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist ein Neustart“, sagt Wehr.