Berlin

Das sagt Fynn Kliemann zu den Betrugsvorwürfen von Jan Böhmermann

Torben Kessen, Jakob Patzke
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Von Torben Kessen, Jakob Patzke
| 07.05.2022 08:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Moderator Jan Böhmermann erhebt schwere Anschuldigungen gegen Fynn Kliemann. Foto: Collage NOZ/imago images (2)/Christoph Hardt/Nicole Kubelka
Moderator Jan Böhmermann erhebt schwere Anschuldigungen gegen Fynn Kliemann. Foto: Collage NOZ/imago images (2)/Christoph Hardt/Nicole Kubelka
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Das „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann wirft dem bekannten Youtuber Fynn Kliemann aus Niedersachsen Betrug mit Corona-Schutzmasken vor. Jetzt hat der Beschuldigte sich auf Instagram geäußert. Erste Partner ziehen Konsequenzen.

In diesem Text erfährst Du:

In der neuesten Folge des „ZDF Magazin Royale“ erhebt der populäre Satiriker und Moderator Jan Böhmermann schwere Anschuldigungen gegen den Youtube-Star Fynn Kliemann. Der Vorwurf: Kliemann soll die Öffentlichkeit und seine Fans bei Maskenverkäufen betrogen haben.

Nach Recherchen des „ZDF Magazin Royale“ sollen Kliemann und sein Geschäftspartner Tom Illbruck falsche Aussagen darüber gemacht haben, woher die von ihnen verkauften Corona-Schutzmasken stammten. Böhmermann und sein Team behaupten, dass die Masken aus Vietnam und Bangladesch stammen würden und nicht – wie von Kliemann gegenüber seiner Community angepriesen – fair produziert aus Europa kommen.

In einer am Freitagnachmittag bekannt gewordenen Stellungnahme, über die zuerst der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete, wehrt Kliemann sich gegen die Anschuldigungen. „Ich nehme diese Vorwürfe sehr ernst“, schrieb der 34-Jährige laut NDR. „Ja, Global Tactics hat auch in Bangladesch Masken herstellen lassen. Nein, ich habe diese Masken nie verkauft oder beworben. Ich habe ausschließlich über www.maskeoderso.de Masken angeboten und diese kamen zu 100 % aus Portugal und Serbien.“

Nach Angaben von Kliemann waren die Masken, die über Global Tactics in Bangladesch produziert wurden, „ein reines Großhandelskontingent für die Handelspartner und Großabnehmer von Global Tactics, und wurden auch nur an diese verkauft“. Er habe zwar mit dem Verkauf von europäischen Masken über seinen Shop Geld verdient. „Aber bezugnehmend auf das Herkunftsland habe ich niemals jemanden getäuscht oder etwas für etwas ausgegeben, was es nicht war.“

Die vom „ZDF Magazin Royale“ veröffentlichen E-Mails seines Geschäftspartners Illbruck zum „Umlabeln“ bezeichnete Kliemann als „schlimm“. Auf Rückfrage habe Illbruck ihm aber mitgeteilt, dass jede Bestellung, auch jene aus Portugal und Serbien, vor dem Weiterverkauf umgelabelt würden, da die Produzentenangaben ein Geschäftsgeheimnis seien. Kliemann beteuerte: „Verschleierung des Herkunftslandes, sei sie gewollt oder ungewollt, ist nicht das, wofür ich stehe.“

Am Freitagabend meldete sich Kliemann bei Instagram zu Wort:

In der über siebenminütigen Stellungnahme zeigt sich Kliemann aufgewühlt, während er von Blättern abliest. Er wolle sich bei Fans und Unternehmen entschuldigen, die er „auf den ersten Blick enttäuscht“ habe. Allerdings wolle er auch einige Dinge richtigstellen, um so zu „Transparenz und Aufklärung“ beizutragen.

2020 hatte Kliemann von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP) für sein soziales Engagement mit Blick auf die Schutzmasken noch den Sonderpreis des Next Economy Awards erhalten. Jetzt reagiert die Stiftung und erkennt Kliemann den Preis ab, da er „unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen hat“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch der Onlinemodehändler About You, über den die Schutzmasken von Kliemanns Marke „Oderso“ teilweise vertrieben wurden, hat jetzt reagiert. „Aktuell prüfen wir den Fall intern, um uns ein genaues Bild über den Sachverhalt zu verschaffen“, teilt eine Unternehmenssprecherin gegenüber der „Wirtschaftswoche“ mit. „Im ersten Schritt haben wir daher die ‘Oderso’-Masken offline genommen.“

Womöglich hatte About You jedoch Kenntnis davon, dass die Schutzmasken nicht ausschließlich aus Deutschland kamen. „About You wusste Bescheid, dass die Lieferungen aus verschiedenen Ländern, auch außerhalb Europas, stammten“, sagt Kliemann in seiner Stellungnahme.

Um die Vorwürfe gegen Kliemann zu belegen, rief Böhmermann die Webseite „lmaafk.de“ ins Leben, in Anlehnung an Kliemanns Ferienhaus-Vermietung „LDGG“ (Lass dir gut gehen). Dort sind unter anderem interne WhatsApp-Nachrichten und Sprachnachrichten sowie E-Mails zu sehen. Diese sollen zeigen, dass Kliemann und Illbruck verschleiern wollten, dass die Masken eigentlich aus Asien stammen. Sogar ein Video, das die Produktion in Bangladesch zeigen soll, fiel in die Hände der Redaktion vom „ZDF Magazin Royale“.

Aus den WhatsApp-Chatverläufen gehe laut Böhmermann auch hervor, dass Kliemann und Illbruck 100.000 minderwertige Masken an Flüchtlingseinrichtungen gespendet haben. Die fehlerhaften Masken würden aus einer frühen Lieferung aus Asien stammen und seien von der dortigen Produktionsfirma selbst an „Global Tactics“ gespendet worden.

Kliemann und Illbruck hätten die Öffentlichkeit weder über die minderwertige Qualität, noch darüber, dass ihnen die Masken selbst gespendet wurden, informiert, heißt es. Dass minderwertige Masken an Flüchtlingseinrichtungen verteilt wurden, kritisiert die Stiftung DNP ausdrücklich. „Diese Ausnutzung von Notlagen ist mit allem, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen, nicht zu vereinbaren“, so die Stiftung.

Kliemann empfindet diese Anschuldigung als „schlimmsten Punkt“. „Diese Masken waren laut Produzenten nicht defekt, oder hatten eine schlechte Schutz-Wirkung. Sie waren einfach nur etwas größer als die ursprüngliche Vorgabe und wurden deswegen in Einvernehmen der Parteien Global Tactics und Texolution gespendet.“

Er habe sich lediglich online dazu abfeiern lassen. „Das war falsch und tut mir sehr leid. Auch dafür möchte ich um Entschuldigung bitten“, so Kliemann in seiner Stellungnahme.

In den sozialen Netzwerken wird derzeit auch auf eine Reaktion von Singer-Songwriter Olli Schulz gewartet, der sowohl Böhmermann, als auch Kliemann sehr gut kennt. Während er mit Böhmermann zusammen den Podcast „Fest und flauschig“ betreibt, hat er mit Kliemann schon zusammen ein Hausboot in Hamburg renoviert. Das Projekt ist auch als Doku auf Netflix zu sehen.

Viele Fans fragen sich jetzt, ob und wann sich Olli Schulz zu den Enthüllungen von Böhmermann äußern wird. Einige Twitter-Nutzer meinen, dass Schulz sich in einer Zwickmühle befinde:

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