Kolumne: Alles Kultur
Volle Punktzahl für mehr Miteinander
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal in der Woche eine Kolumne. Montags geht es um Kultur.
Ich bekenne mich: Ich bin Grand-Prix-Fan. Nein nicht Formel 1, sondern das, was seit einiger Zeit nur noch als Eurovision Song Contest (ESC) bekannt ist. Am Dienstag geht es los mit den Vorrunden und am 14. Mai ist dann das Grande Finale. Und ich weiß nicht einmal, wer für Deutschland an den Start geht. Denn wenn jemand die Chance verpasst hat, mich als Zuschauende und sogar als absolut ESC-Begeisterte auf die aufregende Reise mitzunehmen, dann sind es die dafür Verantwortlichen der ARD.
Zur Person
Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Es fehlt die Aufregung, wer „uns“ in Italien vertritt, um dann am Abend der Abende euphorisch vor dem Fernseher zu sitzen und kaum atmen zu können. Vielleicht wollte man auch einfach nur keine Hoffnungen schüren, nachdem wir in den letzten Jahren beim ESC ja echt so richtig „abgeloost“ haben.
Am Ende wird mich die Neugier doch packen und ich werde, wenn ich selbst an dem Tag von der Bühne komme und nach Hause fahre, schon im Taxi den Livestream anmachen, um die Punkteverteilung zu verfolgen – und am nächsten Tag alle Beiträge in Ruhe nachschauen. Aber ich werde nicht den ganzen Abend mit Freund*innen, Bowle und Aufregung , und vor allen Dingen nicht richtig gespannt auf die große Show sein. Ein bisschen vermisse ich die Regel, dass die Interpret*innen in ihren Landessprachen singen müssen. Wir würden uns doch alle ans lokalpatriotische Herz fassen, wenn wir tatsächlich einmal Plattdeutsch auf dieser Weltbühne hören würden.
Eine Auflage ist ja tatsächlich, dass die Lieder und Auftritte keine politische Botschaft enthalten dürfen. Wenn wir ehrlich sind, war der ESC aber noch nie unpolitisch, weder in der Teilnahme der Länder noch in der Punktevergabe. Das diesjährige Motto „The Sound of Beauty“ scheint doch sehr belanglos. Ja, den Krieg konnte man eventuell bei Planungsbeginn noch nicht antizipieren. Wäre es aber nicht gerade jetzt Zeit für „Ein bisschen Frieden“? – für weniger musikalisches Gegeneinander und mehr gesellschaftliches Miteinander. Dafür gäbe es von mir jedes Jahr 12 Points.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Die Amis und die Klischees
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