Soziales

„Tied för di“ – Ein Zeitgeschenk für Kinder und Jugendliche

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 08.05.2022 15:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Tom Bohmfalk zeigt eines der Banner, die für die Aktionen im Rahmen der Kampagne ausgeliehen werden können. Foto: Gettkowski
Tom Bohmfalk zeigt eines der Banner, die für die Aktionen im Rahmen der Kampagne ausgeliehen werden können. Foto: Gettkowski
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Während der Corona-Pandemie mussten Kinder lange auf sportliche Aktivitäten und Sozialkontakte verzichten. Um negativen Folgen gegenzusteuern, wurde in Ostfriesland eine einmalige Kampagne initiiert.

Leer - Lehrer – für Tom Bohmfalk ist das kein Beruf, sondern eine Berufung. Der 64-Jährige ist zwar schon seit 2018 in Pension, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu unterstützen, liegt ihm aber immer noch am Herzen. „Das lässt mich nicht los. Das ist mein Leben“, sagt der Leeraner. Er möchte Kindern gemeinsame Zeit schenken und hat sich dazu die ostfrieslandweite Kampagne „Tied för di“ ausgedacht.

Auf die Idee gebracht hat den Pädagogen eine besorgniserregende Studie des Instituts für Generationenforschung in Augsburg. Der Psychologe Rüdiger Maas kommt darin zu dem Ergebnis, dass Kinder, die nach 2010 geboren sind, Auffälligkeiten im sozialen, sprachlichen und motorischen Bereich hätten. Eine Entwicklung, die sich durch die Digitalisierung noch verstärken könnte, befürchtet Tom Bohmfalk: „Jedes zweite Kind wird heute kurzsichtig, weil es viel Zeit am Smartphone verbringt.“ Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, in der Kinder und Jugendliche kaum soziale Kontakte hatten, kämen noch hinzu.

Ein niedrigschwelliges Angebot

Tom Bohmfalk möchte Kinder in Bewegung und in Kontakt mit Gleichaltrigen bringen. Zum Mitmachen animieren möchte er Vereine, Institutionen, aber auch Privatpersonen. Keine leichte Aufgabe zu Zeiten, in denen viele Vereine selbst Schwierigkeiten haben, Trainer und Betreuer zu finden. Bohmfalk schwebt daher ein niedrigschwellige Angebot vor. „Die Ehrenamtlichen müssen sich nicht zu regelmäßigen Aktionen verpflichten, sondern den Kindern eine Stunde schenken, wenn sie gerade etwas Zeit erübrigen können.“

Tom Bohmfalk ist Initiator der ostfrieslandweiten Kampagne "Tied för di". Er selbst hat in den Osterferien ein Bolzangebot gemacht, an dem zwölf Kinder teilnahmen. Foto: Gettkowski
Tom Bohmfalk ist Initiator der ostfrieslandweiten Kampagne "Tied för di". Er selbst hat in den Osterferien ein Bolzangebot gemacht, an dem zwölf Kinder teilnahmen. Foto: Gettkowski

Es müssten gar keine spektakulären Angebote organisiert werden. „Ein Picknick mit Lagerfeuer und Stockbrot, ein Bolztreff auf dem Fußballplatz oder ihnen einfach mal ein Feuerwehrauto von innen zeigen“, zählt er einige Beispiele auf. Für Vereine und Institutionen biete sich so die Möglichkeit, auf diesem Wege sogar neue Mitglieder zu gewinnen.

Kampagne läuft bis Oktober

Wenn es darum geht, andere für eine gemeinsame Sache zu motivieren, wirkt Bohmfalk auf viele wie ein Motor. Er war 2008 gemeinsam mit Helmut Collmann Mitbegründer des Ostfriesischen Turn- und Sportfördervereins (OTS), organisiert Workshops für Jugendliche und engagiert sich in der Ausbildung von Ehrenamtlichen und Benefizveranstaltungen wie der „Ostfriesischen Turnshow“. Als Unterstützer hat Bohmfalk für die Kampagne bereits die Landkreise Leer, Aurich und Wittmund sowie die Stadt Emden gewonnen. „Sie haben insgesamt 1200 Vereine angeschrieben“, erzählt er. Die ostfriesischen Schulen und Kindergärten seien ebenfalls informiert worden. Die jeweiligen Freiwilligenagenturen werden die ehrenamtlichen Aktivitäten koordinieren. Alle, die ein Angebot machen möchten oder eine Projektidee haben und dabei Unterstützung benötigen, können sich dort melden. Unter www.kampagne-tied-foer-di.de können Angebote abgerufen werden.

Tom Bohmfalk hofft, dass die Kampagne, die zunächst bis Oktober befristet ist, ein Erfolg wird. „Ich habe den Schneeball ins Rollen gebracht und hoffe, dass er eine Lawine auslöst“, sagt der Leeraner. Dann hätte der 64-Jährige sogar schon eine Idee für ein Folge. „Tied för di könnte man auch für Senioren anbieten.“

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