Zinserhöhung

Die EZB steckt im Dilemma

Corinna Clara Röttker
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Ein Kommentar von Corinna Clara Röttker
| 06.05.2022 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Zentrale der EZB in Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Die Zentrale der EZB in Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Trotz schwächelnder Konjunktur hebt die US-Notenbank Fed den Leitzins deutlich an. Auch die EZB sollte endlich handeln und das Geld zügig teurer machen – auch wenn davon nicht alle profitieren werden.

Man kann es als Mission Impossible bezeichnen, vor der die amerikanische Noten- und Europäische Zentralbank stehen: Sie müssen dafür sorgen, dass die Rekord-Inflationsrate im Land endlich sinkt – und das alles, ohne die schwächelnde Wirtschaft zugleich in die Rezession zu schicken. Was für ein Dilemma.

Denn erhöhen die Währungshüter den Zins um den Preisauftrieb entgegenzuwirken, ist das für die Wirtschaft schmerzlich. Kredite werden teurer, Firmen weniger investieren und produzieren. Dennoch hat sich die US-Notenbank Fed getraut und ihren Leitzins um ordentliche 0,5 Prozentpunkte angehoben. Dazu gehört viel Mut, es ist aber ein wichtiger und richtiger Schritt, dem auch die EZB zügig folgen sollte.

Keine Frage, eine Zinserhöhung birgt viele Gefahren. Nicht profitieren werden jene, die kein Geld haben – egal ob Staaten, Unternehmen oder Verbraucher. Für Staaten wird es teurer, Schulden aufzunehmen, wenn die Renditen von Staatsanleihen steigen. Insbesondere für Länder mit einer sehr großen Schuldenlast wird es schwieriger, dies zu finanzieren. Und auch für Häuslebauer sind steigende Zinsen schädlich. Höhere Bauzinsen machen es teurer, die Wunschimmobilie zu bauen. Doch das macht die Inflation auch, im Zweifel macht sie es noch schlimmer. Eben, es ist und bleibt ein Dilemma.

Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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