Monatlicher Wetterrückblick

Frost und tagelange Trockenheit: April macht, was er will

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 06.05.2022 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Staubtrockener Boden: Viele Äcker in Ostfriesland lechzen nach Regen. Foto: Ortgies
Staubtrockener Boden: Viele Äcker in Ostfriesland lechzen nach Regen. Foto: Ortgies
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Die Großwetterlage bescherte Ostfriesland im vergangenen Monat lange Zeit stabile und ungewöhnliche Bedingungen. Jörg Deuber vom Wetterdienst erklärt, was es damit auf sich hat.

Ostfriesland - Rein statistisch gesehen, war das Wetter im vergangenen Monat in Ostfriesland in vielen Punkten durchschnittlich – und damit auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär. Die Regenmenge und die Temperaturen im April wichen kaum von den Werten früherer Jahre ab. Und doch weckt die Auswertung der Daten beim Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Jörg Deuber, Interesse.

Denn auf den zweiten Blick entdeckt der erfahrene Wetterbeobachter und Analyst erneut klare Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel. Ganz so normal war der April eben doch wieder nicht, stellt er fest.

20 Tage ohne Regen

Als „sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit“ bezeichnet Jörg Deuber ein Hochdruckgebiet über Island, das seine Position für Wochen kaum änderte. Die Auswirkung für Ostfriesland: Mehr als 20 aufeinander folgende Tage ohne Regen oder nennenswerten Niederschlag.

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Der Wetterexperte aus Oldersum macht dafür eine vom Hoch gesteuerte Strömung verantwortlich. Mit ihr sei „polare Kaltluft von den Lofoten und Spitzbergen“ angezapft und konstant in den Nordwesten Deutschlands gelenkt worden.

April war trotz reichlich Bodenfrost zu warm

Die trockene Luft bescherte den Ostfriesen zwar himmelblaue Tage mit insgesamt fast 205 Stunden Sonnenschein. In den ebenfalls wolkenlosen Nächten aber wurden häufig Minusgrade gemessen. An 15 Tagen herrschten vor der Morgendämmerung Temperaturen unter Null.

Mit der Sonne kletterte die Anzeigen der Thermometer im Tagesverlauf oft über die 15-Grad-Marke im Schatten. Im Monatsdurchschnitt waren es an der Messstation des DWD am Emder Flugplatz 8,1 Grad. Im Vergleich zum langjährigen Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 sind das 0,6 Grad zu viel.

DWD-Mitarbeiter Jörg Deuber steht an der Messstation am Emder Flugplatz. Foto: Ortgies/Archiv
DWD-Mitarbeiter Jörg Deuber steht an der Messstation am Emder Flugplatz. Foto: Ortgies/Archiv

Nasser Start mit 30 Litern an drei Tagen

Angesichts einer ungewöhnlich langen Trockenperiode ab dem 11. April wäre eine unterschiedliche Niederschlagsmenge nicht verwunderlich. Tatsächlich aber fielen mit insgesamt 43,1 Liter auf den Quadratmeter gerade einmal 2,7 Liter weniger als statistisch zu erwarten war.

Grund dafür waren zum Teil starke Regengüsse in den Anfangstagen des Monats. „Das erste Drittel war sehr nass“, bestätigt Jörg Deuber. Alleine an den drei Tagen vom 5. bis zum 7. April fielen mehr als 30 Liter in den Messbecher der DWD-Station.

Die Eisheiligen fallen in diesem Jahr aus

Mit einer knappen 9 auf der Beaufort-Skala wehte der Wind am 7. April am kraftvollsten. „Es reicht schon eine Böe dieser Stärke, um Dachpfannen abzudecken“, so Deuber. An den anderen Tagen im April mussten sich Immobilienbesitzer darüber allerdings keine Gedanken machen.

Bleibt noch der Blick nach vorne: Für die kommenden zwei Wochen sind in Ostfriesland eher moderat-milde Temperaturen zu erwarten. „Die Eisheiligen fallen in diesem Jahr aus“, sagt Jörg Deuber voraus. Der im Mai häufig festzustellende kurze Kälteeinbruch sei nicht in Sicht.

Ebenfalls nicht zu erwarten ist für die nahe Zukunft ein Ende der Trockenheit. „Zum Leidwesen der Pollenallergiker und Landwirte“, so Deuber, solle es kaum nennenswerten Niederschlag in Ostfriesland geben.

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