Soziales

Geboren in Aurich – auch nach 2028?

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 05.05.2022 19:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es ist zum Heulen: Nach 2028 soll es in Aurich keine Entbindungsmöglichkeit mehr geben. Dagegen wehrt sich die Stadt. Foto: Jaspersen/dpa
Es ist zum Heulen: Nach 2028 soll es in Aurich keine Entbindungsmöglichkeit mehr geben. Dagegen wehrt sich die Stadt. Foto: Jaspersen/dpa
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Wenn 2028 die Zentralklinik in Uthwerdum eröffnet wird, schließt die Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich und damit die letzte der bestehenden Entbindungsstationen. Die Stadt Aurich will sich damit nicht abfinden.

Aurich - Wenn 2028 die Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich schließt und durch eine Zentralklinik in Uthwerdum ersetzt wird, sollen Frauen trotzdem weiterhin in Aurich Kinder zur Welt bringen können. Der Auricher Rat hat am Donnerstag einstimmig eine Resolution beschlossen, in der der Erhalt einer Entbindungsmöglichkeit in der Kreisstadt gefordert wird.

An den heutigen Klinikstandorten plant der Landkreis Aurich ambulante Gesundheitszentren. Dazu ist gerade eine Machbarkeitsstudie in Arbeit. „In dieser Phase fordern wir als Rat der Stadt Aurich, dass (...) eine wohnortnahe Entbindung an dem bisherigen Standort in Aurich erhalten bleibt“, heißt es in der Resolution des Stadtrates. Außerdem müssten in Aurich Räume für Geburtsvorbereitungskurse und weitere Angebote rund um die Geburt vorgehalten werden.

Kreisrat hält es für unrealistisch

In Norden gibt es bereits seit 2003 keinen Kreißsaal mehr. Die Geburtsstation in Emden wurde 2021 geschlossen. Und Aurich? Dem Wunsch nach Erhalt einer Entbindungsmöglichkeit in der Kreisstadt hatten zuletzt sowohl die Klinik-Geschäftsführung als auch die Kreisverwaltung eine klare Absage erteilt. Im März sagte der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert in einer Ausschusssitzung des Kreistags, weder in Aurich noch in Emden oder Norden sei eine solche Einrichtung realistisch. Geburten, so Puchert, seien „zentral wichtig“ und gehörten ausschließlich in die Zentralklinik nach Uthwerdum. „Ich halte daher ein Geburtshaus in einer der Kommunen für nicht realistisch.“

Zentralklinik-Chef Claus Eppmann hatte sich bereits 2019 ablehnend geäußert. „Die Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden wird die klinische Geburtshilfe zukünftig an einem Standort konzentrieren“, hieß es damals in einer Stellungnahme. „Wir werden nach der Inbetriebnahme der Zentralklinik keine klinischen Geburtsangebote in den Städten Aurich, Norden und Emden anbieten.“ Im Februar dieses Jahres bekräftigte die Trägergesellschaft diese Haltung. Ein Geburtshaus sei „derzeit nicht Gegenstand der Planungen“, hieß es.

Informationsveranstaltung geplant

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Birgit Ehring-Timm lässt sich davon nicht entmutigen. Es gebe unterschiedliche Einschätzungen, was möglich ist. „Und das muss man eben jetzt prüfen.“ In einer Informationsveranstaltung sollen mit dem Landkreis, der Klinik-Trägergesellschaft, dem Hebammenverband, der Elterninitiative Mother Hood sowie den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten aus dem Landkreis Aurich und der Stadt Emden Möglichkeiten geklärt werden, heißt es in der Resolution, die der Rat beschlossen hat.

Eigentlich sollte die Resolution bereits im Februar auf den Weg gebracht werden. Damals sahen die Ratsmitglieder allerdings noch Beratungsbedarf. FDP-Fraktionschefin Sarah Buss hatte gefordert, es müsse genau definiert werden, was man eigentlich wolle und wie das Projekt finanziert werden soll. Dass etwa in der Debatte immer wieder von einem Geburtshaus die Rede sei, führe in die Irre. Das sei eine von Hebammen selbstständig und außerklinisch betriebene Einrichtung zur Betreuung von Geburten. Ein solches Modell sei unter anderem wegen der exorbitant hohen Versicherungsprämien für Hebammen kaum realisierbar.

„Das gehört zur Wahrheit dazu“

Auch jetzt war Buss, die ihre neugeborenen Zwillinge mit in die Ratssitzung gebracht hatte, mit dem Textentwurf nicht zufrieden. Es gebe keine Hebammen, die sich in der Lage sähen, in Aurich ein Geburtshaus oder einen Kreißsaal zu leiten. „Das gehört zur Wahrheit dazu.“ Ihre Fraktion stimme der Resolution dennoch zu, um die Dringlichkeit des Themas zu verdeutlichen. „Ich finde es gut, dass wir da dran bleiben.“

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Viola Czerwonka (Grüne), die ebenfalls ihre beiden Kinder mit in die Sitzung gebracht hatte, sagte: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Die Stadt spreche mit einer „starken Stimme“ und sende mit der Resolution „ein großes Signal“ an den Landkreis, an Hebammen, Mütter und Familien. „Es geht hier um mehr als nur die Gesundheitsversorgung“, heißt es in der Resolution. „Es geht um einen gesunden Start ins Leben für die gesamte Familie.“ Dazu gehöre eine wohnortnahe Geburt.