Fußball

Germania Leer: Spieler streiken – folgt der Landesliga-Rückzug?

| | 04.05.2022 19:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die erste Herren von Germania Leer befindet sich derzeit am Boden. Die Landesliga-Mannschaft streikt wegen Unstimmigkeiten mit dem Vereinsvorstand. Foto: Ortgies
Die erste Herren von Germania Leer befindet sich derzeit am Boden. Die Landesliga-Mannschaft streikt wegen Unstimmigkeiten mit dem Vereinsvorstand. Foto: Ortgies
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Bei Germania Leer überschlagen sich die Ereignisse. Die Landesliga-Mannschaft will diese Woche weder trainieren noch spielen. Der Vorstand reagierte auf diese Entscheidung prompt.

Leer - Bei Germania Leer ist es zum Zerwürfnis zwischen der Landesliga-Mannschaft und dem Vorstand gekommen. Das Team will diese Woche keinen Fuß mehr auf das Germania-Vereinsgelände setzen. Den Wortlaut einer Nachricht von Kapitän Lukas Koets bestätigte der Redaktion der 2. Vorsitzende Ferhat Özdemir. Entsprechend möchte die Mannschaft weder zu einer Trainingseinheit noch zum Fußball-Landesliga-Heimspiel am Samstag gegen den SV Falke Steinfeld erscheinen. Der Streik sei als Zeichen dafür zu verstehen, dass die Mannschaft mit dem Handeln und Auftreten des Vorstands nicht einverstanden ist, heißt es aus Kreisen der Spieler. Am Sonntag hatte der Vorstand Trainer Michael Zuidema, der innerhalb der Mannschaft einen großen Rückhalt hat, entlassen.

Die – nicht einstimmige, aber mit Mehrheit beschlossene – Entscheidung des Teams, am Samstag nicht antreten zu wollen, wurde dem Vereinsvorstand mitgeteilt. Die Reaktion folgte prompt. „Sollten wir am Samstag keine Mannschaft zusammenbekommen, werden wir nicht antreten können. Als letzten Ausweg bliebe dann nur, die Mannschaft aus der Abstiegsrunde der Fußball-Landesliga zurückzuziehen“, so Özdemir. Die Tragweite eines möglichen Rückzuges war dem starken Mann von Germania Leer aber offenbar nicht bewusst.

Rückzug der Ersten gar nicht möglich

Sportlich scheint der Abstieg aus der Landesliga in die Bezirksliga kaum noch abzuwenden zu sein. Bei noch sechs auszutragenden Spielen liegt Germania neun Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz zurück. Doch eine Abmeldung aus der Landesliga – die im Vorstand thematisiert wird – hätte zur Folge, dass Germania Leer in der kommenden Saison nicht in der Bezirksliga starten darf. Das bestätigte Stefan Brinker, Bezirksspielausschuss-Vorsitzender und Landesliga-Staffelleiter, auf Nachfrage. „Von den Unruhen in Leer und einem eventuellen Rückzug habe ich bisher nur gehört. Ein offizielles Statement vom Verein liegt mir bis jetzt nicht vor.“

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Genau genommen kann Germania Leer seine Landesliga-Mannschaft gar nicht zurückziehen. „Grundsätzlich müssen Vereine ihre Teams von unten abmelden“, erläutert Stefan Brinker. Da Germania eine Reservemannschaft – als Spielgemeinschaft mit Kickers Leer in der A-Klasse – hat, müsste der Verein erst diese zurückziehen. Spieler aus der dann aufgelösten Zweiten müssten dann die Erste auffüllen, wenn diese nicht genug Spieler hat.

Bezirksliga oder A-Klasse in der neuen Saison

„Ein anderes Szenario wäre, wenn Leer in der Landesliga dreimal nicht antreten sollte. Dann hätte der Spielausschluss die Möglichkeit, die Mannschaft von der Liga auszuschließen“, sagte Brinker. Eliminiert der Spielausschuss eine Mannschaft aus einer Liga, so muss diese in der Folgesaison in der „untersten Klasse“ antreten, so Brinker. Als „ganz unten“ handhabt der Fußballkreis Ostfriesland die Ostfrieslandklasse C – auch wenn es noch die Ostfrieslandklasse D gibt. Hat der Verein mit der ausgeschlossenen ersten Mannschaft jedoch ein Reserveteam, so mutiert dieses in der neuen Saison zur neuen ersten Herren.

Im Klartext für Germania Leer heißt das: Wenn der Verein in der folgenden Saison in der Bezirksliga spielen soll, muss er in mindestens vier der sechs noch ausstehenden Partien dieser Landesliga-Saison antreten. Passiert das nicht, nimmt Germania Leer in der kommenden Spielzeit den Platz der zweiten Mannschaft in der A-Klasse ein.

Termin für Teammanagement-Bildung

Am Montagabend hat es ein rund zweieinhalb stündiges Treffen des Germania-Vorstands mit der ersten Herren gegeben. „Wir haben der Mannschaft die Gründe für den Rauswurf von Trainer Michael Zuidema dargelegt“, verriet Özdemir. Im Anschluss an die Sitzung mit dem Vorstand hat sich die Mannschaft intern beraten. Daraus ging der einwöchige Streik als Entscheidung hervor.

Özdemir hofft, dass Germania am Samstag eine Mannschaft gegen Falke Steinfeld wird stellen können. „Ich hatte Kontakt zu mehreren Spielern aus der ersten Mannschaft. Einige wollen am Freitag das Training wieder aufnehmen“, meinte Özdemir. Der Leeraner Bauunternehmer und Stadtrat der Grünen versicherte, dass Germania Leer nicht von der Bildfläche verschwinden werde. Am Donnerstag soll sich ein aus mehreren Personen bestehendes Teammanagement bei Germania konstituieren. Dieses Fachgremium solle dann auch einen neuen Cheftrainer suchen. Zudem erklärte Özdemir, dass zum Training am Freitag auch zehn neue Testspieler am Hoheellernweg erwartet werden.