Venne
Was das Venner Moor mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu tun hat
Die Wiedervernässung von Moorflächen ist ein aktiver Beitrag, um den Klimawandel zu bremsen. Im Naturschutzgebiet Venner Moor werden deshalb 65 Hektar renaturiert.
Der Landkreis Osnabrück koordiniert das Vorhaben. Ein Großteil der Flächen ist nämlich im Besitz des Kreises. Es handelt sich um Gebiete, die abgetorft oder landwirtschaftlich genutzt wurden. Die Arbeiten sind mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und den lokal tätigen ehrenamtlichen Umweltverbänden wie Nabu und Umweltforum Osnabrücker Land abgestimmt und werden intensiv begleitet.
Warum sind Moore wichtig für den Klimaschutz? „Sie bergen nicht nur große Mengen Kohlenstoff, richtig vernässt sind sie außerdem besonders gut geeignet, um der Atmosphäre CO2 wieder zu entziehen“, so das Umweltforum. Moore binden sogar mehr Kohlenstoff als der Wald. Und natürlich seien sie darüber hinaus auch wichtig für die Bewahrung der Artenvielfalt.
Durch den Abbau von Torf und die landwirtschaftliche Nutzung wird dagegen CO2 freigesetzt. Bis sich dieser Prozess umkehrt und das Moor wieder zu eine CO2-Speicher wird, dauert es allerdings. Die Renaturierung ist ein Langzeitprojekt. „Moore wachsen nur einen Millimeter pro Jahr“, erläutert Matthias Schreiber, 2. Vorsitzender des Umweltforums.
Wiedervernässung heißt nicht, dass das Areal etwa geflutet wird. Vielmehr werden Drainagen auf der Fläche unterbrochen und bestehende Entwässerungsgräben abgedichtet. „Moor braucht Nass“, das ist Motto der Maßnahmen. Ziel: Es soll kein Wasser mehr aus dem Moor abfließen, aber auch kein nährstoffreiches Wasser einfließen. Regen ist zudem hilfreich bei der Renaturierung. In anderen Worten: Die trockenen vergangenen Jahre waren nicht gerade förderlich beim Prozess der Moorbildung.
Steigt der Wasserstand dann an, siedeln sich Torfmoose und andere Pflanzen an, die CO2 binden. Langsam entsteht wieder ein Hochmoor. Die Arbeiten werden auch von der Firma Klasmann-Deilmann ausgeführt. Diese setzt auf innovatives Verfahren, wie Andre Schoebe berichtet. Der Substrathersteller bringt vorab in Gewächshäusern und auf Freiflächen gezogene torfbildende Bulten-Torfmoose auf die Flächen ein und beschleunigt so den Prozess. Durch dieses Verfahren wird im Gegensatz zur herkömmlichen Wiedervernässung mindestens 30 Jahre früher eine hochmoortypische Vegetation und Klimawirkung hergestellt.
Umweltverbände und der Osnabrücker Kreistag sind sich einig, dass die Wiedervernässung im Kampf gegen den Klimawandel wichtig ist. Der Landkreis investiert rund eine Million Euro in das Vorhaben, das im Venner Moor realisiert wird. Vor Ort überzeugten sich am Dienstagabend Vertreter von Kreisbehörde, Verbänden und Kreispolitik vom Stand des Projektes. Das Zusammenarbeit der Beteiligten sei ein guter Schulterschluss, sagt Landrätin Anna Kebschull.
Die jetzt begonnene Wiedervernässung - ein schwieriges, aber tolles Projekt, so Kebschull - ist nur der Anfang. Im Fokus stehen derzeit die landkreiseigenen Flächen. Um die Klimaziele zu erreichen, sind weitere Renaturierungen nötig. Parallel dazu sollen Gespräche mit betroffenen Landnutzern gesucht und finanzielle Mittel eingeworben werden, um in den Folgejahren auch mit klimawirksamen Vernässungen auf weiteren Flächen beginnen zu können.
Das betrifft auch landwirtschaftliche Flächen. Die Besitzer brauchen eine langfristige Perspektive. Erst in den 1930er Jahren setzte im Venner Moor die Erschließung und Besiedlung ein und die bis dahin unberührten Moorflächen wurden in Acker- und Weideland umgewandelt Ziel damals: die Produktion von Lebensmitteln. Diesem Zweck können die Grundstücke nach eine Renaturierung dann nicht mehr dienen. Was wird aus den Höfen?
Kritisch sieht das Umweltforum die Abtorfungen. Diese finden noch auf rund 180 Hektar statt – zum Teil bis zum Jahr 2042. Wenn man von einer Abbauschicht von nur einem Meter ausgehe, werde letztendlich der Kohlenstoff von 1,8 Millionen Kubikmeter Torf freigesetzt. Nach einer Studie der Hochschule Osnabrück resultierten daraus 460.000 Tonnen Klimagase, was die vom Kreis bisher identifizierten Einsparpotenziale laut Schreiber mehr als auffresse. Der Abbau sollte daher gestoppt werden.