Ossiloop von Leer bis ans Meer
Der „König“ läuft vor – der Favorit siegt
Der Auftakt des Ossiloops hat gleich für mehrere Überraschungen gesorgt. So moderierte nicht etwa Heino Krüger im Ziel die ankommenden Läufer an. Sportlich setzten sich die Favoriten durch.
Insgesamt waren bei der 10,6 Kilometer langen Etappe 905 Läuferinnen und Läufer gestartet. Das sind rund Zweidrittel weniger als bei der letzten Auflage 2019. Gewonnen hat die erste Etappe Titelverteidiger Andreas Kuhlen (Braunschweiger LC) in 35:29 Minuten. Er durfte sich sogar doppelt freuen. Denn Katharina Saathoff, die von Kuhlen trainiert wird, kam in 37:33 Minuten als Gesamtsiebte ins Ziel. Ihr Vorsprung auf die zweitplatzierte Frau, Titelverteidigerin Verena Coordes, betrug fast sechs Minuten.
Zwei Jahre Warten auf die Premiere
Die Top-Läufer waren deutlich eher im Ziel als Dietrich Steinke – obwohl dieser bekanntlich einen zeitlichen Vorsprung hatte. „Ich watschel nur noch und kann nicht mehr so schnell“, führte ein erschöpfter Dietrich Steinke nach der ersten der sechs Etappen im Ziel aus. „Es war aber toll, wieder dabei zu sein.“ Das war natürlich auch seine Frau Hilde. Die 77-Jährige fehlte bisher bei keiner einzigen der nun 241 Etappen in der Ossiloop-Geschichte. Sie startete am Dienstag regulär im Teilnehmerfeld, schnackte während des Laufs hier und da mit anderen Teilnehmern, überholte gar noch ihren Mann, ehe sie ihn später im Ziel in die Arme schloss. „Es hat unglaublich Spaß gemacht“, sagte die „Etappen-Königin“.
Mehr als 900 Läufer bei der ersten Ossiloop-Etappe
Ossiloop-Königin Hilde Steinke muss nach 42 Jahren passen
Wieder mehr Anmeldungen für den Ossiloop-Auftakt
Sonne satt zum Ossiloop – Vorjahressieger verteidigen ihre Titel
Für die meisten Teilnehmer war es pandemiebedingt der erste Volkslauf seit mehr als zwei Jahren. Manche feierten am Dienstag sogar ihre Ossiloop-Premiere – so wie Catharina Bockhacker aus Weener. „Es hat alles gut geklappt. Die Stimmung habe ich sehr genossen“, sagte die 60-Jährige, die ihre Ossiloop-Erlebnisse in Zeichnungen für die Ewigkeit festhalten möchte. Diese werden in unserer Zeitung veröffentlicht. Zwei Jahre lang musste Catharina Bockhacker auf ihre Ossiloop-Premiere warten. „Eigentlich wollte ich schon 2020 mitmachen, doch dann kam Corona“, sagte die gelernte Dolmetscherin, die seit einigen Jahren aber von ihren Arbeiten mit Metall und Recycling lebt. Unter anderem stellt sie Feuertonnen her.
Laufpensum langsam gesteigert
Ende 2019 war Catharina Bockhacker mit dem Laufsport angefangen. „Ich stehe altersbedingt an einem Scheideweg. Jetzt entscheidet es sich, ob es für mich im Leben fit weitergeht oder eben nicht“, begründete die Künstlerin ihren Schritt, mit Sport anzufangen. Los ging es mit zwei Minuten Laufen und dann zwei Minuten Gehen. Als Mitglied einer Laufanfänger-Gruppe der LG Stapelmoor machte Catharina Bockhacker schnell Fortschritte. Auch vier Winterläufe – zwischen fünf und zehn Kilometer lang – meisterte die Weeneranerin als Vorbereitung auf den Ossiloop 2020, der dann jedoch der Corona-Pandemie zum Opfer fiel.
Dem Laufen blieb Catharina Bockhacker aber treu, neu entfacht wurde in den Lockdown-Zeiten dagegen ihre Leidenschaft fürs Zeichnen. „Ich habe praktisch als Tagebuch das gezeichnet, was ich gerade so Langweiliges gemacht habe“, sagte Catharina Bockhacker mit einem Schmunzeln. Auch zum Ossiloop möchte sie nun ihre Kreativität aufs Papier bringen. Dabei zeichnet sie sich immer gleich: mit orangenen Haaren – auch wenn sie mittlerweile wieder blond ist –, mit Brille und in einem langärmligen, rot-weiß-gestreiften Kleid. „Ich möchte nicht von dem Gedanken ablenken, den ich bei der Zeichnung habe“, begründet Catharina Bockhacker die Kontinuität.
Ihr Ziel beim Ossiloop ist keine bestimmte Zeit oder Platzierung. „Ich möchte einfach die Strecke durchlaufen“, sagte die Frau, die in Coburg (Bayern) geboren, im Bergischen Land (Nordrhein-Westfalen) aufgewachsten ist und nun seit 14 Jahren in Weener wohnt. Das hat sie bei der ersten Etappe mit Bravour geschafft. Am Freitag geht es nun mit der Etappe von Holtand nach Gut Stiekelkamp weiter.