Ausbildung
Inselschüler schnuppern in die Berufswelt
Wie wird man Polizist? Welche Jobs gibt es bei der Borkumer Kleinbahn? Was macht eine Hotelfachfrau? Einen Vormittag lang konnten Siebtklässler Experten mit Fragen löchern und sich informieren.
Borkum - „Darf man als Polizist rauchen?“ „Warum gibt es auf Borkum keine Hundestaffel?“ „Wie oft ist es schon vorgekommen, dass man die Waffen benutzen musste?“ Philipp Zarncke und Paul Zidorn löchern Markus Zarncke mit Fragen – und der Polizeioberkommissar steht den beiden 13-Jährigen gerne Rede und Antwort. Denn dafür ist er da. Philipp und Paul gehören zu den knapp 30 Siebtklässlern der Inselschule, die am Montagmorgen im Rahmen einer praktischen Berufsweltorientierung in den Räumen der Berufsbildenden Schulen Borkum zu Gast sind.
Die Polizeistation Borkum ist dort ebenso vertreten wie die Borkumer Kleinbahn, deren Mitarbeiter über die Berufe Kaufmann/-frau im Büromanagement, Kraftfahrzeugmechatroniker/in und Fahrradmonteur/in informieren. Ebenfalls am Start: das Inselhotel Vier Jahreszeiten mit den Ausbildungsmöglichkeiten Koch/Köchin und Hotelfachmann/-frau. Das „Rundlauf“-Format mit verschiedenen Stationen entwickelt und die einzelnen Teilnehmer angeschrieben hat die Gronen-Schulen Niedersachsen GmbH.
In der Jogginghose zum Dienst? Keine gute Idee
Aber zurück ins Klassenzimmer zu Polizeioberkommissar Zarncke. Er erläutert, welche körperlichen, schulischen und anderen Voraussetzungen es für einen Job bei der Polizei braucht. Team- und Kommunikationsfähigkeit, Kontaktfreude, also keine Angst, Leute anzusprechen, sowie psychische und physische Belastbarkeit sind wichtig, listet er auf. Und: „Man muss stressresistent sein, gerade in Extremsituationen: Alle rennen weg, ihr rennt hin.“ Ebenfalls zu beachten: das äußere Erscheinungsbild. „In der Jogginghose zum Dienst kommen, ist schlecht.“ Dafür, so Zarncke, erwarteten einen als Polizist nicht nur gute Jobchancen (Stichwort Pensionswelle), sondern allgemein ein abwechslungsreicher, unvorhersehbarer Berufsalltag. „Jeder Tag ist anders.“
Einige Räume weiter erwarten Tim Ehlers und Mika Baalmann von der Borkumer Kleinbahn die Inselschüler. Meister Ehlers und Geselle Baalmann sprechen über die Ausbildung zum/zur Kraftfahrzeugmechatroniker/in und allgemein übers Handwerk. Sie informieren über Weiter- und Spezialisierungsmöglichkeiten, etwa im Bereich Klimatechnik, verraten, dass das Hände schmutzig machen ebenso zum Job gehört wie Erfolgserlebnisse, „wenn die Fahrzeuge wieder funktionieren, der Motor wieder läuft. Man sieht direkt, was man geschafft hat“. Überdies seien die Zukunftsaussichten – Schlagwort Fachkräftemangel – gut. Qualifiziertes Personal, berichtet Tim Ehlers, werde auch auf Borkum gebraucht, wenngleich Insellage und Wohnungsmangel die Suche nicht immer leicht machten.
Erster Schnuppertag für den Jahrgang sieben
Der erste Berufsorientierungstag speziell für die Siebtklässler (Alter meist 13), erklärt Joachim Oest, Bereichsleiter Wirtschaft und zuständiger Lehrer von der Borkumer Inselschule, sei eigentlich bereits vor zwei Jahren geplant gewesen, wurde aber wegen Corona verschoben. „Der Gedanke war, auch schon im Jahrgang sieben einen Schnuppertag zu machen, und nicht erst im achten. Dort kommt ja schon das erste Praktikum.“ In Kooperation mit der Borkumer Berufsschule finde dieser Schnuppertag bewusst direkt vor Ort statt, damit die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck von Werkstatt und Co. bekämen.
Aufseiten der Berufsschule stelle man gern die „Hardware“ zur Verfügung und mache sich „ein bisschen schlank“, damit alles nebenbei klappt, verrät Daniel Weisz, Fachbereichsleiter Bau- und Holztechnik und für die Berufsorientierung verantwortlich. Die Ausbildungskooperation mit der Inselschule sei wichtig, „weil wir wissen, dass das unser zukünftiges Klientel ist“. Die Hälfte jedes Inselschul-Jahrgangs, schätzt Weisz, lande nach dem Abschluss in der Borkumer Berufsausbildung.
Fehlen zum Abschluss noch die Antworten auf die Fragen vom Anfang. Laut Polizeioberkommissar Markus Zarncke dürfen Polizisten rauchen, müssen aber ihre Fitness regelmäßig bei jährlichen Sportprüfungen unter Beweis stellen. Eine eigene, dauerhafte Polizeihundestaffel würde sich für Borkum allein nicht lohnen, könne aber bei Bedarf aus Aurich angefordert werden. Und Waffen habe die Polizei auf Borkum bisher nicht benutzen müssen.