Kiew
Prominente warnen vor dem Weltkrieg: Hört Ihnen zu!
Reinhard Mey, Alice Schwarzer, Juli Zeh, Dieter Nuhr, Richard David Precht: Prominente warnen in einem offenen Brief vor einer schleichenden Kriegsbeteiligung in der Ukraine. Sie verweisen auch auf den Humanismus. Ihre Stimme ist wichtig.
Als eine Gruppe von Künstlern um den Tatort-Star Jan-Josef Liefers unter dem Motto „Allesdichtmachen“ die Corona-Angst und -Politik als intolerant und übertrieben kritisierte, hatte das für sie beträchtliche Folgen. Aufträge wurden entzogen, Freundschaften gekündigt, der Ruf nachhaltig beschädigt.
Rückblickend muss man sagen, dass ihre Warnungen im Stil hart, aber inhaltlich nicht nur verkehrt waren. Ihre Position ist schwerlich als überzogener zu betrachten als Ansichten vom anderen pandemischen Rand. Zero-Covid war keine vernünftige Option.
Das ganze Bild ergibt sich durch die Summe.
Wenn heute Intellektuelle und Künstler in einem Brief an den Bundeskanzler in ähnlich abweichender Weise vor einem schleichenden Eintritt in einen Krieg gegen Russland warnen, wäre es geboten, ihnen nicht mit der gleichen Verachtung entgegen zu treten wie der Gruppe damals.
Zumal: In Politik und Teilen der Medien herrscht die Haltung klar vor, dass die Lieferung auch schwerer, wirkungsmächtiger Waffen dringend geboten ist. In der Bevölkerung, so zeigen Umfragen, findet diese Idee weit weniger Zuspruch.
Mindestens ist es daher die Aufgabe, die Position zu erklären und die anderer zu respektieren. Nicht zur Lösung führen wird es, die Haltung der Kritiker verächtlich zu machen oder den Pazifismus an sich. Dies hat es in den tausenden Jahren seiner Geschichte immer wieder gegeben, und doch hatte er auch während und nach schlimmsten Exzessen von Gewalt Bestand, auch schlimmeren als derzeit in der Ukraine. Genau genommen hat er sich in ihnen gebildet. Ganz so naiv und schwächlich ist er nicht.