Tourismus
Ein Rauchverbot am Strand: Wär das was?
An Barcelonas Stränden darf bald nicht mehr gequarzt werden. Wäre so eine Regelung auch in ostfriesischen Ferienregionen im oder am Meer denkbar? Wir haben auf Inseln und am Festland nachgefragt.
Borkum/Ostfriesland - Adiós Glimmstängel!: An den Stränden Barcelonas darf ab Juli nicht mehr geraucht werden. Das Verbot war im vergangenen Jahr bereits an einigen Abschnitten getestet und von der Bevölkerung gut angenommen worden. Ziel der neuen Regelung ist neben dem Schutz vor unfreiwilligem Passivrauchen vor allem die Müllvermeidung durch Zigarettenkippen. Ein Rauchverbot an Stränden – wäre das auch etwas für Urlaubsregionen in Ostfriesland? Wir haben auf zwei Inseln und am Festland nachgefragt.
Borkum: Grundsätzlich könne ein Rauchverbot für die Strände ausgesprochen werden, lässt Joachim Bakker, Ordnungsamtsleiter der Stadt Borkum, wissen. Schließlich sei die Stadt beziehungsweise die Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG) Pächter der Strände (FKK-Bereich bis zum Deckwerk am Südstrand). „Dies wäre allerdings eine politische Entscheidung. Es stellt sich die Frage, ob weitere Einschränkungen für die Bürger sinnvoll sind“, erklärt Bakker. Das bestehende Rauchverbot in bestimmten Gebäuden und Gastronomiebetrieben mache Sinn und lasse sich durch die Ordnungsbehörde überwachen, führt der Amtsleiter aus. Am Strand sei eine Überwachung dagegen kaum möglich.
Wenn, dann sollte ein Rauchverbot generell für den Strandbereich ausgesprochen werden, findet Joachim Bakker. Denn „wer von den Rauchern würde schon bestimmte Strandabschnitte aufsuchen, um mal eine Zigarette zu rauchen?“. Überdies sei es nach §4 der Allgemeinen Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Borkum verboten, Zigarettenkippen auf Straßen und anderen öffentlichen Flächen zu hinterlassen. „Auch, wenn das Wegwerfen der Zigarettenkippen eine Ordnungswidrigkeit darstellt, ist es schwierig, hier jemanden zu ermitteln“, räumt Bakker ein.
Zigarettenkippen seien grundsätzlich ein Problem auf Borkum. Sie würden achtlos weggeworfen. „Neben Mikroplastik enthalten sie eine Menge von Chemikalien und verschmutzen unsere Umwelt. Die Schadstoffauswaschung durch weggeworfene Zigarettenstummel erfolgt hauptsächlich durch Regenwasser, wodurch Böden, Oberflächengewässer aber auch das Grundwasser belastet werden“, erläutert der Amtsleiter. Auf zahlreiche Mikroorganismen, Tiere und Pflanzen wirkten sie toxisch. Letztendlich komme es „zur Anreicherung in unserer Nahrungskette“. Ziel müsse es deshalb sein, das Bewusstsein von Rauchern zu schärfen, damit Zigarettenkippen in den Restmüllbehältern entsorgt würden und nicht in die Kanalisation gelangten.
Auch bei der NBG steht man einem Rauchverbot an Stränden skeptisch gegenüber. „Freiheit“, heißt es auf Nachfrage von Dennis Möller aus dem Bereich Marketing und Kommunikation, „gehört bei uns auf Borkum zum Identitätskern. Daher möchten wir so wenig wie möglich reglementieren, stattdessen gern zu einem guten Miteinander motivieren“. Dazu brauche es nicht immer eines Verbots. Ausreichend könne und sollte ein achtsamer Umgang der Raucher mit ihrem Umfeld sein. „Das schließt insbesondere die Rücksichtnahme auf Nichtraucher in der unmittelbaren Umgebung ein sowie eine umweltgerechte Entsorgung der Asche und der Zigarettenkippen“, so Möller.
Letzteres unterstütze man mit der kostenfreien Abgabe von Strandaschenbechern, die es bei der Tourist-Information und den Strandzeltvermietern gebe. „Zusätzlich erhalten Vermieter in der Tourist-Information A6-Kärtchen mit diesen Hinweisen, die sie in Hotels, Pensionen oder Wohnungen auslegen können. Die Strandaschenbecher werden noch auf den digitalen Stelen und Plakaten in der Inselverteilung beworben“, ergänzt Möller.
Von der Einrichtung einer Art Raucherstrand – analog etwa zu einem FKK- oder Hundestrand – , hält er nicht viel. „Es gibt sowohl unter den FKK- also auch unter den Textilfans und auch unter den Hundebesitzern sowohl Raucher als auch Nichtraucher. Das würde den Strand stark zergliedern.“ Das Problem würde nicht gelöst, da die meisten Gäste nicht allein reisten und die Gemeinschaften häufig nicht nur aus Rauchern oder nur aus Nichtrauchern bestünden. Vorstellbar sei dagegen die Einrichtung von Raucherinseln in den genannten Strandabschnitten.
Langeoog: Für Heike Horn, Bürgermeisterin von Langeoog – und nach eigenen Angaben selbst seit 32 Jahren Nichtraucherin – ist es fraglich, ob ein Rauchverbot an Stränden der Insel, über das der Gemeinderat entscheiden müsste, umsetzbar wäre. Stichwort Kontrolle. Wer seine Kippe richtig entsorge, solle auch im Urlaub rauchen dürfen. Mit speziellen Nichtraucherbereichen, berichtet Horn, erziele man auf Langeoog „eine positive Wirkung und eine Steigerung des Bewusstseins bei unseren Urlaubsgästen“.
Ganze Strandabschnitte zu Nichtraucher-Zonen zu erklären, sieht die Rathauschefin dagegen kritisch. „Wir haben Stammgäste, die in zweiter oder dritter Generation zu uns kommen. Wenn dann Oma und Opa vielleicht rauchen, aber Mama und Papa nicht, müsste man sie zwingen, dass sie an unterschiedlichen Strandabschnitten sind, obwohl sie gemeinsam Urlaub machen.“ Statt auf drakonische Strafen wie in Asien zu setzen, appelliere man lieber an die Freiwilligkeit und lege den Besuchern Taschenaschenbecher ans Herz, die teilweise schon in die Badehose passten. Zudem würden Recyclingangebote mit möglichst komplett nachhaltiger Entsorgung geprüft.
Norddeich: Auch auf dem Festland, in Norddeich zum Beispiel, sind herumliegende Kippen ein (Dauer-)Thema – wenngleich auch hier noch kein Rauchverbot am Strand gilt. In Planung sei aber, in der Nähe von Spielplätzen am Strand einen Nichtraucherstrand einzurichten, sagt Stefan Krieger, Leitung Marketing und Events bei der Norddeich Touristik. Bewährt hätten sich zudem spezielle Aschenbecher zum Sammeln von Kippen. Außerdem sei ein Zigarettensauger in der Entwicklung.
Carolinensiel: In Carolinensiel konstatiert Marcus Harazim, Marketingleiter der Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH, ein „sehr großes Problem mit Zigarettenkippen“. Es sei unglaublich, wie viele Kippen sowohl im Strandbereich als auch bei den Parkplätzen herumlägen. Er wisse dies, so Harazim, aus eigener Erfahrung von den Strandreinigungsaktionen, die jedes Jahr im Frühjahr und Herbst mit der Bevölkerung und Gästen durchgeführt würden. Über ein Rauchverbot am Strand, das die Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH als Pächter theoretisch selbst erlassen könne, sei bereits nachgedacht worden. Und es werde auch für die Zukunft nicht komplett ausgeschlossen, lässt der Marketingleiter wissen.
Bisher wurde dieser Schritt aber nicht umgesetzt, „denn wir haben auch gesagt, wir müssen aufpassen, dass wir nicht überall alles einschränken. Rauchen ist für viele nach wie vor ein Genussmittel“. Um dem Problem der herumliegenden Kippen Herr zu werden, setzt man im rund 450 mal 300 Meter großen Strandbereich von Carolinensiel ebenfalls auf Taschenaschenbecher, die an der Kasse zum Verkauf angeboten werden, und auf zusätzliche Aschebehälter, etwa in Parkplatznähe. Von der Idee, in verschiedenen Strandbereichen Raucherecken einzurichten, hält Marcus Harazim nicht viel. Auch Raucher seien Gäste und die wolle man ungern an den „Katzentisch“ setzen.