Hamburg
Ist es normal, sich jeden Monat wegen Regelschmerzen zu krümmen?
Krämpfe, Übelkeit bis zum Erbrechen und Rückenschmerzen: Jeden Monat leiden viele Frauen unter ihrer Menstruation. Müssen diese Schmerzen sein?
Es ist nicht normal, als junger Mensch ohne Vorerkrankungen einmal im Monat an Krämpfen, Rückenschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen zu leiden. Außer, man hat seine Periode. Dann ist das scheinbar normal – oder etwa nicht?
„Normal sind Schmerzen nicht“, erklärt die Gynäkologin Prof. Barbara Schmalfeldt. Sie ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Trotzdem ist es so, dass viele Frauen Schmerzen empfinden. Wie stark sie diese spüren, ist von Frau zu Frau verschieden.“ Verursacht werden die Schmerzen während der Menstruation unter anderem von Prostaglandinen. „Diese bewirken, dass sich die Spiralarterien in der Gebärmutter wieder zusammenziehen und die Blutung weniger wird“, so Schmalfeldt. Bei Frauen mit starken Regelschmerzen bildet der Körper häufig mehr dieser Schmerzbotenstoffe, was ein stärkeres Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur mit kürzeren Erholungsphasen zur Folge hat.
Die Botenstoffe haben dementsprechend eine wichtige Funktion im Körper — dass sie Schmerzen verursachen, ist keine davon. Generell können Schmerzen ein wichtiges Warnsignal im Körper sein, wenn sie uns beispielsweise dazu bringen, unsere Hand schnell von der heißen Herdplatte wegzuziehen. Diese Warnfunktion hat die „Dysmenorrhoe“, so der medizinische Fachbegriff für Regelschmerzen, nicht.
In der Medizin wird zwischen primären und sekundären Regelschmerzen unterschieden. Von primären Regelschmerzen können Jugendliche ab der ersten Menstruation betroffen sein. Diese starken Regelschmerzen können mit der Zeit abnehmen, wenn sich der Zyklus eingestellt und stabilisiert hat, führt die Medizinerin aus. Im Gegensatz dazu entstehen sekundäre Regelschmerzen erst mit zunehmendem Alter.
Wenn es um Regelschmerzen geht, hört man immer wieder den Begriff „Endometriose“. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. Ob Krämpfe auf Dysmenorrhoe oder Endometriose hinweisen, könne man nicht am Schmerz festmachen, erläutert Schmalfeldt: „Es ist eher am Schmerz-Zeitfenster erkennbar. Bei Endometriose ist es typisch, dass die Schmerzen vor der Regel beginnen, und nicht nur auf die Gebärmutter beschränkt sind, sondern auch am Darm oder der Blase zu spüren seien können. Regelschmerzen sind es typischerweise dann, wenn die Blutung am stärksten ist.“
„Die einfachste Maßnahme ist ein Schmerzmittel. Nicht steroidale Antirheumatika unterdrücken die Prostaglandin-Bildung und sind sehr wirksam“, erklärt die Ärztin. Dazu zählt beispielsweise das Schmerzmittel Ibuprofen.
Aber auch Bewegung sei ein gutes Hausmittel, da sich dadurch die Durchblutung und die Schmerzwahrnehmung verändere.
Auch Wärme in Form eines warmen Wannenbads, einer Wärmflasche oder eines Tees können gegen Schmerzen helfen.
Wer hormonell verhütet, ob mit Pille oder Ring, hat in der Regel eine schwächere Regelblutung, wie die Gynäkologin erklärt. „Dadurch ist der Drang des Körpers, die Blutung zum Stillstand zu bringen, geringer. Wenn die Menstruation schwächer ist, sind auch die Regelschmerzen schwächer.“ Welches Periodenprodukt man benutzt - ob Tampon, Binde oder Menstruationscup - hat dagegen keinen Einfluss auf die Regelschmerzen.