San Francisco
Elon Musk kauft Twitter — Chronologie eines Milliardendeals
Elon Musk kauft Twitter für rund 44 Milliarden Dollar. Der Übernahmeversuch begann im Verborgenen, drohte zu scheitern und könnte noch zu Ärger mit der Börsenaufsicht führen. Eine Chronologie.
Elon Musk ist Chef des E-Autobauers Tesla, der Raumfahrtfirma SpaceX, der Tunnelbaufirma Boring Company. Mit einem Vermögen von rund 265 Milliarden Dollar gilt er als der reichste Mensch der Welt. Der 50-Jährige zählt zu den aktivsten prominenten Twitter-Nutzern und hat rund 83 Millionen Follower. Er gilt jedoch auch als scharfer Kritiker der Plattform, weil sie seiner Meinung nach die Redefreiheit unterdrücke. Nun hat er Twitter gekauft.
14. März: Ohne Kenntnis der Öffentlichkeit kauft Elon Musk seit Januar und bis Mitte März 9,2 Prozent aller Twitter-Aktien für rund drei Milliarden Dollar. Bei Handelsschluss am 14. März kostet eine Aktie rund 33 Dollar. Nach den Regeln der US-Börsenaufsicht SEC muss jeder, der mehr als fünf Prozent der Anteile eines Unternehmens kauft, dies der Aufsicht binnen zehn Kalendertagen melden.
24. März: Elon Musk lässt die Meldefrist verstreichen. Solche Vergehen hat die Behörde in der Vergangenheit mit Geldstrafen in der Größenordnung von 100.000 Dollar geahndet. Das könnte noch auf Musk zukommen.
25. März: Elon Musk stellt auf Twitter die Frage, ob sich das soziale Netzwerk an das Prinzip der Redefreiheit halte — und schiebt hinterher, dass das Umfrageergebnis wichtige Konsequenzen haben werde und Nutzer mit Bedacht abstimmen sollten. Die Twitter-Aktie schließt an dem Tag bei 38,60 Dollar.
27. März: Elon Musk sagt auf Twitter, er „denke ernsthaft darüber“ nach, ein eigenes soziales Netzwerk zu gründen.
4. April: Twitter gibt bekannt, dass Elon Musk 9,2 Prozent der Aktien des Unternehmens gekauft hat. Damit ist er der größte Einzelaktionär des Unternehmens. Der Twitter-Aktienkurs steigt sprunghaft und landet am Ende des Handelstages bei rund 50 Dollar.
5. April: Twitter-Chef Parag Agrawal teilt per Tweet mit, dass Elon Musk einen Platz im Verwaltungsrat des Unternehmens erhalten wird. Mitglieder dieses Gremiums können maximal 15 Prozent der Aktien des Unternehmens kaufen.
Der neue Twitter-Großaktionär Elon Musk macht klar, dass er Einfluss auf das Unternehmen ausüben will. Er fragt die Nutzer, ob sie die seit Jahren umstrittene Bearbeitungsfunktion für Beiträge haben wollen. Die Mehrheit ist dafür.
11. April: Elon Musk verzichtet nun doch auf einen Sitz im Twitter-Verwaltungsrat, teilt CEO Parag Agrawal mit. „Ich glaube, es ist besser so“, schreibt Agrawal. Elon Musk sei der größte Anteilseigner und das Unternehmen werde immer offen sein für seine Anregungen. Die Aktie schließt bei rund 47 Dollar.
14. April: Elon Musk gibt ein offizielles Kaufangebot für Twitter ab. Der reichste Mensch der Welt will für rund 44 Milliarden Dollar 100 Prozent der Twitter-Aktien kaufen, das Unternehmen anschließend von der Börse nehmen und als Privatunternehmen weiterentwickeln. Der Tesla-Chef bieten allen Aktionären 54,20 Dollar pro Aktie. Musk stellt dabei klar: Ein weiteres Angebot werde es nicht geben. Das Unternehmen teilt zunächst nur mit, es werde im Sinne der Firma und der Anleger handeln.
Die Twitter-Aktie fällt im US-Handel und schließt bei 45,08 Dollar — ein Zeichen dafür, dass die Anleger dem Angebot keine besonders hohen Erfolgschancen einräumen. Am selben Abend äußert sich Elon Musk auf einer Tech-Veranstaltung im kanadischen Vancouver und sagt: „Ich bin nicht sicher, dass ich tatsächlich in der Lage sein werde, es zu kaufen.“
15. April: Twitter will sich gegen die Übernahme durch Elon Musk wehren. Dazu sollen andere Aktionäre zusätzlich Anteile günstig kaufen können, wenn ein Aufkäufer — in diesem Fall Musk — mehr als 15 Prozent der Aktien kauft. So eine Maßnahme wird als „Giftpille“ bezeichnet und kommt zum Einsatz, wenn Firmen eine feindliche Übernahme verhindern wollen.
21. April: Elon Musk erklärt, wie er den Twitter-Kauf finanzieren will: 21 Milliarden will der Tesla-Chef durch den Verkauf von Aktien zahlen, 13 Milliarden Dollar kommen aus verschiedenen Krediten und für rund 12,5 Milliarden Dollar beleiht Musk seine Unternehmensanteile. Der reichste Mensch der Welt muss Kredite aufnehmen, weil sein Vermögen fast ausschließlich aus Aktien von Tesla und SpaceX besteht. Die Twitter-Aktie schließt bei 47,08 Dollar.
23. April: Hinter den Kulissen laufen Beratungen und Verhandlungen, doch Elon Musk findet Zeit, Microsoft Gründer Bill Gates zu verspotten und stellt ihn als schwangeren Mann dar. Das Bild richtet sich laut Musk an alle, „die schnell eine Erektion loswerden müssten“. Auslöser: Gates habe laut Musk auf einen fallenden Aktienkurs des E-Autobauers Tesla gesetzt. Im Folge-Tweet spielt Musk dann auf das „Schattenkabinett“ an, dass nun im verborgenen darüber entscheide, ob der Tweet über Gates gelöscht wird.
25. April: Der Milliardendeal ist perfekt. US-Medien berichten bereits im Vorfeld, der Twitter-Vorstand habe über das Wochenende mit Elon Musk verhandelt, am Montagabend deutscher Zeit kommt die Bestätigung: Das Unternehmen nimmt Musks Angebot an. Jetzt liegt es an den Aktionären des Unternehmens, ob sie das Angebot annehmen.
Der Tesla-Chef twittert: „Ich hoffe, dass auch meine größten Kritiker auf Twitter bleiben, denn darum geht es bei freier Meinungsäußerung.“ Die Twitter-Aktie schließt bei 51,39 Dollar.
Twitter-CEO Parag Agrawal meldet sich nach Bekanntgabe des Deals zu Wort: „Twitters Zweck und Relevanz hat Einfluss auf die gesamte Welt. Zutiefst stolz auf unsere Teams und inspiriert von deren Arbeit, die nie zuvor wichtiger war.“