Serie: Blick ins alte Emden
Von rätselhaften Mauern im Emder Stadtwald
Wer im Emder Stadtwald spazieren geht und ein bisschen die Augen offen hält, entdeckt so manche kuriose Sache. Ein altes Mauerwerk dort hat mit der dunklen Geschichte der Stadt zu tun.
Emden - Wer mit Kindern eine bestimmte Stelle im Emder Stadtwald passiert, dürfte sich auf einige Fragen gefasst machen: War hier mal eine Ritterburg? Ein verwunschenes Haus? Finden sich noch ein Schatz oder Überreste einer längst vergessenen Zivilisation? Die Erklärung für die Mauerreste im Nordwesten des Waldes findet sich allerdings in der jüngeren Geschichte der Stadt.
Den Stadtwald insgesamt gibt es noch gar nicht so lange. Erst 2001 kaufte die Stadt etwa 20 Hektar Weiden- und Wiesenland im Ortsteil Harsweg zur Aufforstung als Ausgleichsmaßnahme für ein Gewerbegebiet. Damit soll das Klima gefördert, die Luft verbessert und Holz nachhaltig vor Ort angebaut werden. Außerdem dient der Wald der Erholung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie als Lebensraum für zahlreiche Tiere. Über die Jahre wurde mehr und mehr Fläche hinzugenommen – unter anderem auch ein Waldstück bei der Suurhuser Kolonie, in dem nicht nur mehr als 80 Jahre alte Erlen, Eschen, Winterlinden und Buchen stehen, sondern auch besagte Mauerreste.
Munition wurde geräumt
Die stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Damals hatte sich dort ein militärischer Schießübungsstand befunden. Auf der zwei Hektar großen Fläche verlaufen in Längsrichtung mehrere Wälle, die die Begrenzungen der Schießbahnen zum Schutz vor Blindgängern bildeten, wie es in einem Flyer der Stadt zum Wald heißt. Nach dem Krieg wurden auf den Wällen die Bäume gepflanzt, die heute noch dort stehen.
Im Jahr 2007 war das Gelände nach alter Munition abgesucht und geräumt worden, so dass das Betreten des Wäldchens danach keine Gefahr mehr darstellte. Bombentrichter in der Umgebung, heute als kleine Unebenheiten im Gelände auf Luftbildaufnahmen zu erkennen, und die Mauerreste ehemaliger Gebäude und Schießstände sind noch gut zu erkennen.
Weitere Überbleibsel im Grün
Im Nordosten des heute mehr als 70 Hektar großen Waldes findet sich noch ein weiteres Überbleibsel vergangener Tage. Eine Weißdornhecke umschließt dort ein mehr als ein Hektar großes Gelände einer ehemaligen Gärtnerei. Rund 50 Jahre alte Tannen, Zypressen und Lebensbäume – ursprünglich als Baumschulware dicht gepflanzt – stehen heute neben naturverjüngten Eschen, Buchen und Birken und verleihen dem Gelände seinen besonderen Charakter. Von der Gärtnereinutzung zurückgeblieben, wachsen dort auch Breitblättriger Wurmfarn, Roter Fingerhut und Narzisse neben Holunder- und Brombeergebüsch.
Andere spannende Ecken wurden extra im Stadtwald angelegt: unter anderem ein Waldlabyrinth, ein Tümpelpfad, Teiche mit Wasservögeln und Lichtungen, auf denen häufig Rehe bestaunt werden können.
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