Fußball
Der Dassel-Nachwuchs als Glücksbringer
Ein passenderes Spiel als das 1:0 am Samstag hätten die Söhne von Kickers-Kapitän Bastian Dassel für ihre Premiere im Ostfriesland-Stadion nicht erleben können. Allgemein waren die Fans ein Faktor.
Emden - Das bis dato wichtigste Spiel der Saison war mit 1:0 gewonnen, die erste Jubelwelle im Ostfriesland-Stadion abgeebbt. Da wollte Kickers-Trainer Stefan Emmerling noch ein paar Worte an seine Mannschaft richten – ihr ein „Riesenkompliment“ aussprechen, wie er später in der Pressekonferenz sagte. Die Emder Fußballer hatten sich schon auf dem Rasen zu einem Kreis zusammengeschlossen – aber einer fehlte: der Kapitän. Doch dann kam Bastian Dassel, gerade noch rechtzeitig von der Gegentribüne angelaufen. Der 32-Jährige war aber nicht allein: Er hatte seine beiden Söhne Leonard (zwei Jahre) und Jonathan (1) auf dem Arm. „Die beiden waren das erste Mal überhaupt im Stadion mit dabei. Sie sind echte Glücksbringer und dürfen ab jetzt nicht mehr fehlen“, sagte „Papa Basti“.
Spieldaten
Emden: Wetzel; Jabbie, Dassel, Faqiryar, Sillah, Goosmann (77. Bamezon), van der Werff (76. Visser), Konda (81. Braun), Wulff (90. +3 Eilerts), Steffens, Adeniran
Tor: 1:0 Adeniran (90.)
Durch den 1:0-Sieg am Samstag gegen den direkten Konkurrenten 1. FC Egestorf-Langreder hat Kickers Emden einen großen Schritt zumindest für die Aufstiegsspiele zur Regionalliga gemacht. Vier Spieltage vor Ende der Oberliga-Aufstiegsrunde rangiert Kickers mit vier Punkten Vorsprung auf Egestorf auf Rang zwei, der für die Aufstiegsspiele berechtigt. BW Lohne thront mit 30 Punkten drei Zähler vor Kickers auf Platz eins, dem direkten Aufstiegsplatz.
Stadionsprecher motiviert die Anhänger
Die große familiäre Unterstützung auf den Rängen – auch Bastian Dassels Frau Olga, seine Schwiegermutter und seine Eltern schauten sich das Topspiel an – schien den Emder Abwehrchef nochmals motiviert zu haben. Während der 90 Minuten war er die Symbolfigur des Emder Einsatzes und der Leidenschaft. Dassel wusste aber auch, dass der Support der 750 Zuschauer ein entscheidender Faktor werden könnte. Kurz vor Anpfiff – der sich aufgrund eines Staus bei der Anfahrt der Gäste um fast 15 Minuten verzögert hatte – lief Dassel noch einmal Richtung Haupttribüne, riss die Arme hoch, als wollte er sagen: „Hey, wir brauchen euch.“ Sofort fingen die Kickers-Fans in Block fünf an zu trommeln und zu singen.
Das taten sie während der Partie immer wieder. Da konnten die 13 mitgereisten Egestorfer Fans auf der Gegenseite nicht mithalten. Doch als die noch torlose Partie auf die letzten Minuten zusteuerte, die Gäste etwas am Drücker waren und es in Block fünf kurz ruhig war, appellierte auch Stadionsprecher Gerd Krauledat noch einmal an den eigenen Anhang: „Wir brauchen die Fans noch mal. Wo sind die Fans von Kiiiickaaaas?“ „Emden“, hallte es von der Tribüne zurück. Fortan wurde wieder getrommelt, gesungen – und am Ende doch noch gejubelt. Dank Ayo Adeniran. Der US-Amerikaner, der über weite Teile des Spiels unauffällig agiert hatte, zog nach einem langen Ball von Tido Steffens von links in den Strafraum ein, machte einen Schlenker nach rechts und schlenzte den Ball gekonnt in den rechten Torwinkel. Danach gab es im Ostfriesland-Stadion kein Halten mehr. An der Eckfahne bildete sich eine Jubeltraube um den Torschützen, auf Höhe der Mittellinie lagen sich Trainer Stefan Emmerling und Kapitän Bastian Dassel auf dem Boden in den Armen. Ekstase pur auch auf der Tribüne.
Hinspiel-Geschichte wiederholt sich
Durch den Treffer hat sich die Geschichte aus dem Hinspiel im März wiederholt. Auch damals verlief die Partie ausgeglichen. Auch damals gewann Kickers durch einen Treffer in der 90. Minute mit 1:0. Auch damals war Tido Steffens, der einen Elfmeter, den Wulff verwandelte, rausgeholt hatte, der Wegbereiter zum Tor.
Schon vor dem Adeniran-Treffer hatte der Ball schon zweimal im Tornetz gezappelt – einmal auf jeder Seite. Doch die Treffer von Steffens (60.) wegen eines vermeintlichen Foulspiels von Adeniran und von Gästestürmer Nick Bode (73.) wegen einer Abseitsstellung wurden nicht anerkannt. Auch in Hälfte eins hatten beide Teams die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Doch Steffens scheiterte gleich doppelt am glänzend reagierenden FC-Schlussmann (26.), Egestorfs Jos Homeier brachte das Kunststück fertig, den Ball nach einem Querpass aus fünf Metern übers Tor zu schießen (39.). So wurde am Ende Adeniran mit dem Tor des Tages zum Helden. „Das war heute vielleicht nicht mein bestes Spiel, aber mein wohl wichtigstes Tor für Kickers“, sagte er mit der Sonne um die Wette strahlend.