Bildung

Sie will mit ihrer Begeisterung für Bücher anstecken

Tatjana Gettkowski
|
Von Tatjana Gettkowski
| 22.04.2022 17:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch ist die Stadtbücherei im Gebäude am Vogelsang untergebracht. Bald soll sie in die Westerstraße umziehen. Foto: Gettkowski
Noch ist die Stadtbücherei im Gebäude am Vogelsang untergebracht. Bald soll sie in die Westerstraße umziehen. Foto: Gettkowski
Artikel teilen:

Digitale Medien sind auf dem Vormarsch, doch auch Bücher haben eine Zukunft. Davon ist Sarah Möhlmann überzeugt. Mit ihrer Meinung steht die neue Leiterin der Stadtbücherei Weener nicht alleine da.

Weener - Bücher haben Sarah Möhlmann schon immer gefesselt. „Wenn eine Geschichte spannend war, habe ich als Kind mit einer kleinen Taschenlampe unter der Bettdecke abends heimlich gelesen“, erzählt die 28-Jährige. Ihre Leidenschaft hat sie zum Beruf gemacht. Im Oktober hat die Fachangestellte für Medien und Informationsdienste die Leitung der Stadtbücherei Weener übernommen – und das zu einem spannenden Zeitpunkt.

Was und warum

Darum geht es: Um die Frage, welchen Medienmix moderne Büchereien heute bieten müssen, um attraktiv zu bleiben und für die Zukunft gerüstet zu sein.

Vor allem interessant für: Lesebegeisterte und alle, bei denen die Leselust noch geweckt werden muss.

Deshalb berichten wir: Die Stadtbücherei Weener hat eine neue Leiterin und wird bald in die Westerstraße umziehen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Die Bücherei soll vom langjährigen Standort am Vogelsang in die Westerstraße umziehen und ins Bürgerhaus integriert werden, das dort entsteht. Sarah Möhlmann hat nach ihrer Ausbildung in der Stadtbücherei Leer von 2017 bis 2021 in der Stadtbibliothek in Wilhelmshaven gearbeitet. In Weener hat die junge Frau aus Lammertsfehn nun die besondere Gelegenheit, eigene Akzente zu setzen und die Zukunft der Einrichtung aktiv mitzugestalten.

Eisbär Sami als Bilderbuch-Vorleser

Das Lesen mit einem Buch in der Hand bereite ihr persönlich am meisten Vergnügen. „Auf E-Books greife ich höchstens im Urlaub zurück, um im Koffer Platz zu sparen“, erzählt sie. „Nichtsdestotrotz nutzen viele Leser schon die Onleihe.“ Die digitalen Medien seien auf dem Vormarsch. Haben Kinder früher Hörspiele auf Schallplatte, Kassette oder CD gehört, wird heute häufig die Toniebox genutzt. Etwa 200 solcher Tonies stehen in Weener zur Ausleihe. Ebenso beliebt ist der Lesebär Sami. Die Eisbär-Figur wird an ein Bilderbuch gesteckt und die Kinder können sich beim Blättern die Geschichte über das Audiosystem vorlesen lassen. Möhlmann sieht das nicht als Konkurrenz für das Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte durch die Eltern. „Ich sehe das eher als nette Ergänzung, mit der sich die Kinder auch selbst beschäftigen können.“

Digitale Technik können schon die jüngsten Leser nutzen. Sarah Möhlmann zeigt ein Bilderbuch, dass sich Kinder beim Durchblättern von der Eisbär-Figur Sami vorlesen lassen können. Foto: Gettkowski
Digitale Technik können schon die jüngsten Leser nutzen. Sarah Möhlmann zeigt ein Bilderbuch, dass sich Kinder beim Durchblättern von der Eisbär-Figur Sami vorlesen lassen können. Foto: Gettkowski

Während Kinder mit digitalen Medien aufwachsen, fehlt vielen Senioren diese Erfahrung. Für sie möchte Sarah Möhlmann eine sogenannte E-Book-Sprechstunde anbieten, bei denen die Funktion der Geräte und auch der Onleihe erklärt wird. Der Julius-Club mit den Schulen sei ein gutes Angebot, Kinder über aktive Veranstaltungsangebote zu erreichen, die bislang wenig oder keinen Kontakt zur Bücherei hatten. Einige finden Gefallen und entdecken den Nutzen der Bücherei für sich. „Es gibt etliche Schüler, die regelmäßig und unsere PCs für Facharbeiten in der Schule nutzen“, sagt die Büchereileiterin. „Fürs Abi lernen konnte ich am besten in der Stadtbibliothek wegen der besonderen Atmosphäre.“

Bücher haben eine Zukunft

Für Dr. Gundula Felten ist die Aufenthaltsqualität in einer zeitgemäßen Bücherei von zentraler Bedeutung. „Früher wäre das gar nicht denkbar gewesen. Aber heute muss es Bereiche geben, wo es möglich ist, Gespräche zu führen, in Gruppen zu arbeiten und auch mal einen Kaffee zu trinken“, sagt die Landesvorsitzende im Deutschen Bibliothekenverbands, „die Besucher müssen sich wohlfühlen.“ Dass weniger technikaffine Besucher in Weener Unterstützung beim Entdecken neuer Medien bekommen sollen, findet sie sinnvoll.

Star Wars-Bücher sind nach den Worten von Büchereileiterin Sarah Möhlmann bei jungen Lesern gerade besonders angesagt. Foto: Gettkowski
Star Wars-Bücher sind nach den Worten von Büchereileiterin Sarah Möhlmann bei jungen Lesern gerade besonders angesagt. Foto: Gettkowski

Aber wie muss eine moderne Bücherei ausgestattet sein, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Die Mischung macht′s, ist Dr. Gundula Felten überzeugt. Klassische Medien für den haptischen Gebrauch werden nach ihrer Einschätzung auch in Zukunft von Bibliotheksnutzern erwartet – und zwar von allen Altersgruppen. Die vor einigen Jahren getroffene Prognose, dass es heute keine Bücher mehr in den Büchereien geben würde, sei nicht eingetroffen. Wie das Verhältnis von klassischen und digitalen Medien in einer Bibliothek sein sollte, sei nur schwer eine Aussage zu treffen. „Das hängt immer mit dem Standort und Bevölkerungsstruktur zusammen“, macht sie deutlich. Der Anteil digitaler Medien von einem Drittel bis zur Hälfte des Gesamtbestandes sei in ihren Augen das richtige Maß.

Bürgermeister Heiko Abbas und Büchereileiterin Sarah Möhlmann zeigen eine Tonie-Box. Die Geschichte vom „Neinhorn“ wird gerade noch ins System eingepflegt von den Lesern schon sehnlichst erwartet. Foto: Gettkowski
Bürgermeister Heiko Abbas und Büchereileiterin Sarah Möhlmann zeigen eine Tonie-Box. Die Geschichte vom „Neinhorn“ wird gerade noch ins System eingepflegt von den Lesern schon sehnlichst erwartet. Foto: Gettkowski

Weeners Bürgermeister Heiko Abbas freut sich auf den neuen Standort der Bücherei in der Westerstraße. „Viele Weeneraner fühlen sich der gemütlichen kleinen Stadtbücherei verbunden. Den Geist, der hier wohnt, müssen wir an den neuen Standort mitnehmen.“ Bei der schwierigen Haushaltslage der Stadt Weener werde es eine Herausforderung, das Projekt an der Westerstraße auf finanzierbare Füße zu stellen. „Wir können dort nur das realisieren, was sich auch finanzieren lässt.“

Ähnliche Artikel